Gletscherforschung hilft bei der Klimaprognose

Gletscher

Der österreichische Klimaforscher Thomas Mölg ist den komplexen Vernetzungen unseres Klimasystems auf der Spur und untersucht dafür die luftigen und eisigen Höhen der großen Gletscher dieser Erde. Seine Überzeugung ist: „Je mehr man über die Vergangenheit weiß, umso zuverlässiger werden auch die Klimaprojektionen für die Zukunft.“

Warum Mölg sich bei der Suche nach Vergangenheit und Zukunft ausgerechnet auf Gletscher konzentriert, erklärt der Klimaforscher folgendermaßen: „Zunächst gelangt man auf einem Gletscher in Luftschichten, die weit über jenen liegen, aus denen die meisten Messdaten auf unserem Planeten stammen – sie bieten also noch viel Unentdecktes. Außerdem kann man dort im Hochgebirge die lokalen Auswirkungen großer Strömungssysteme wie Monsun oder El Niño, die durch Atmosphären-Ozean-Wechselwirkungen angetrieben werden, besonders gut beobachten, erforschen und dabei vieles über die Wechselwirkungen im Netz unseres Klimas lernen.“

Der am Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck tätige Klimaexperte wurde bereits vielfach für seine Arbeiten ausgezeichnet und erforschte unter anderem die südamerikanischen Anden oder den ostafrikanischen Kilimandscharo. Dabei plädiert Thomas Mölg immer für eine möglichst umfassende Sicht bei der Suche nach möglichen Ursachen für das Abschmelzen von Gletschern. Ihm genügt es demnach nicht „allein den Gletscher zu beobachten oder sein langsames Verschwinden mit einer regionalen Erwärmung zu erklären“, sondern er möchte „die weltweiten Verknüpfungen und Zirkulationssysteme untersuchen und auch andere Folgen der globalen Erwärmung verstehen lernen“.

Damit die Ergebnisse seine Gletscherforschung auch auf globale Entwicklungen angewendet werden können, hat der Wissenschaftler gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe ein eigenes Modell entwickelt, das Spuren der Zirkulationssysteme auf den Hochgebirgsgletschern nachweisen kann. Aktuell ist der Österreicher als Alexander von Humboldt-Stipendiat am Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin tätig und erforscht gemeinsam mit Dieter Scherer die Auswirkungen des asiatischen Monsuns auf einen kleinen Gebirgsgletscher in Tibet.

Die Ergebnisse könnten den Klimaforschern weitere Einblicke in die Funktionsweise unseres Klimas geben und genauere Zukunftsprognosen möglich machen.

Matthias Schaffer

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