Fette Albatrosse durch den Klimawandel

Der Klimawandel konfrontiert viele Tiere mit sich veränderten Lebensbedingungen und der damit verbundenen Schwierigkeit sich diesen anzupassen. Für manche Lebewesen wird es vorerst aber auch angenehmer, wie eine Mitte Januar im Fachmagazin „Science“ veröffentlichte Studie zeigt. Demnach erleichtert die Erderwärmung den Wanderalbatrossen die Futtersuche, wodurch die größten Seevögel der Welt immer dicker werden.

Das aus Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und des französischen Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CEBC-CNRS) bestehende Autorenteam hat für die Studie verschiedenste Daten zu Nahrungssuche, Bruterfolg und Gewicht von Wanderalbatrossen einer Brutkolonie auf den Crozetinseln im Indischen Ozean ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich mit den Windverhältnissen auch das Verhalten der Albatrosse bei der Nahrungssuche verändert hat.

So gelangen die Vögel nun deutlich schneller als noch in den 1990er-Jahren in Gebiete südlich ihrer Brutinseln. “Das führt dazu, dass sie schneller Nahrung aufnehmen können, kürzer in der Luft sind und damit eher am Nest zurück sind. Dadurch hat sich der Bruterfolg verbessert”, wie Studienerstautor Dr. Henri Weimerskirch vom CEBC-CNRS berichtet. Außerdem haben weibliche und männliche Wanderalbatrosse innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte im Durchschnitt ein Kilo zugenommen, was rund einem Zehntel des Körpergewichtes entspricht. Neben den häufigeren Wechseln zwischen Füttern und Brüten könnte dafür auch eine Klimawandelanpassung verantwortlich sein, denn schwerere Vögel kommen besser mit Stürmen zurecht.

Doch auch für die Wanderalbatrosse dürften die fetten Jahre irgendwann vorüber sein. Wie die Autoren der im Fachmagazin Science veröffentlichten Studie berichten, könnten sich die Westwindströmungen bis zum Jahr 2080 nämlich noch weiter in Richtung Südpol verschieben. Dadurch müssten die Seevögel im Rahmen der Futtersuche wieder größere Strapazen auf sich nehmen und die – durch Langleinenfischerei ohnehin auf rund 8.000 Brutpaare dezimierte – Gesamtpopulation könnte wieder abnehmen.

Gewaltigen Einfluss hat die Erderwärmung auch auf viele andere Tierarten und in den seltensten Fällen ist es ein positiver. Als ganz besonders bedrohlich erweist sich der dramatische Rückgang der globalen Eisflächen, die für viele Tiere Lebensraum und Jagdrevier gleichermaßen sind. So fürchtet der WWF, dass Eisbären bald ausgestorben sein könnten. Auch die Sattelrobben vor der Ostküste Kanadas werden von regelmäßigen Massensterben dezimiert, wie Wissenschaftler der amerikanischen Duke Universität in einer im Online-Fachmagazin Plos ONE veröffentlichten Studie warnen.

Matthias Schaffer

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