Die wahren Kosten der Energie

Kohle verursacht die höchsten Kosten pro Megawattstunde.

Die erneuerbaren Energien nahmen bereits im Jahr 2011 mit einem Anteil von 24,6 Prozent den zweiten Platz nach der Braunkohle in der Stromerzeugung ein. Dahinter folgten Steinkohle mit 18,6 Prozent, Kernkraft mit 17,7 Prozent und Gaskraftwerke mit 13,6 Prozent. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich 2014 auf Platz sechs bei der Windenergie (nach Dänemark, Spanien, Irland, Portugal und Schweden) und auf Platz eins bei der SolarenergieTrotzdem ist die Energieerzeugung in Deutschland wohl so schädlich wie in keinem anderen EU-Land.

Diese Erkenntnis ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der EU-Kommission. Die Negativfolgen für Klima, Bodennutzung und Gesundheit werden dabei für das Jahr 2012 auf etwa 42 Milliarden Euro geschätzt. Andere Länder hingegen weisen, wie beispielsweise Großbritannien mit 27 Milliarden Euro oder Polen mit 18 Milliarden Euro, bedeutend geringere Werte auf. Wie kann das nun trotz der deutschen Bemühungen um die erneuerbaren Energien möglich sein?

Grund hierfür ist laut der Studie der hohe Anteil an Kohlekraft, die in Deutschland eingesetzt wird. Sie beträgt in Deutschland einen Anteil von etwa 45 Prozent am Energiemix. Doch ausgerechnet die Kohlekraft beinhaltet die größten Folgekosten. So müssten für jede produzierte Megawattstunde weitere 140 Euro Produktions- und Subventionskosten draufgerechnet werden, um schließlich die tatsächlichen Gesamtkosten zu erhalten. Für Gas hingegen fallen die Folgekosten mit 60 Euro pro Megawattstunde deutlich geringer aus, auch die Werte zur Biomasse (25 Euro) und Atomkraft (20 Euro) liegen niedriger. Windkraft tendiert gar gegen Null.

Doch was gilt nun als Folgekosten? Schließlich darf es verwundern, dass angesichts ihres enorm hohen Risikopotentials die Atomkraft mit 20 Euro einen sehr niedrigen Wert aufweist. Unter Folgekosten fallen unter anderem die zu erwartenden Schäden durch den Klimawandel, Flächenschwund durch Kraftwerksanlagen und Belastungen für das Gesundheitssystem – zur Behandlung von Asthma oder Krebs. Aber auch der höhere Aufwand für die zukünftig schwierigere Energieförderung wird einbezogen, etwa wenn sich Vorkommen erschöpfen und in schwer zugänglichen Regionen oder Tiefen gefördert werden muss – was beim Einsatz der Atomkraft definitiv nie der Fall sein wird.

Ein weiteres Ergebnis der Studie erklärt, warum Deutschland hinsichtlich der schädlichen Energieerzeugung auf dem vorderen Platz rangiert: Bei den Gesamtkosten – also für Produktion und Folgen einschließlich Subventionen – belegt die Solarkraft zusammen mit der Kohlekraft den ersten Platz. Und bei der Anwendung dieser Form der regenerativen Energie belegt Deutschland den ersten Platz. Photovoltaik ist subventioniert, die Hälfte ihrer Gesamtkosten von etwa 220 Euro pro Megawattstunde entfällt auf staatliche Hilfen. Bei den Gesamtkosten für Kohlestrom halten sich die Autoren der Studie eher vage – sie schätzen die Kosten auf circa 160 bis 230 Euro pro Megawattstunde ein. Nuklearstrom (135 Euro pro Megawattstunde) und Onshore-Windkraft (110 Euro pro Megawattstunde) sind deutlich billiger zu haben.

 Die Veröffentlichung der Studie, in Auftrag gegeben durch den EU-Energiekommissar Günther Oettinger, wird seit Längerem erwartet. Doch war sich die EU-Kommission intern bisher uneins über die Bewertung der Ergebnisse, da die Schätzungen zu den Folgekosten und zu Subventionen für die ganze EU als schwierig zu benennen gelten. Auch das positive Abschneiden der Atomkraft wird viele Kritiker hellhörig werden lassen. Dennoch möchte Oettinger das Papier noch bis zu seinem Wechsel ins Digitalressort der Behörde –  wahrscheinlich am 1. November – vorstellen.

2 Bemerkungen

  • Fossilverbrennung ist Verschwendung von unwiederbringlichen Rohstoffen und mit einem derart schlechten Wirkungsgrad von der ursprünglich eingestrahlte Solarenergie bis zum Endzweck der Fortbewegung auf der Strasse im Promillebereich und wird nur deshalb so weiter betrieben, da dieser Treibstoff derzeit sehr billig erhältlich ist, er braucht lediglich abgebaut zu werden und die dazu nötige Verbrennungsluft wird einfach kostenlos mitverbrannt.

  • Für das Laden meines LiFePO4-Akkus meines kleinen ECKIE-Ok aus dem Stromnetz, oder aus meinen Solarpaneelen, mache ich mir keine Sorgen und stecke einfach an, wo eine Steckdose ist. Mit einem Anschlusswert des Ladegerätes von 0,4kW ist die Batterie in einigen Stunden wieder voll und der Kleine rollt wiederum damit über 100 Kilometer.
    Leider ist noch kein Lack drauf, weil der Verteiler samt angeschlossenen Geräten ist nachts abgebrannt und das muss ersetzt werden. Aber dem Roller ist zum Glück nichts geschehen

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