Deutsch-Russisches Forschungsprojekt in der Ölhochburg Tjumen

Steppe in Westsibirien

Russland ist einer der größten Erdöl- und Erdgasproduzenten weltweit. Für Deutschland ist das Land zudem eines der wichtigsten Lieferanten, stammt doch der Großteil der Öl- und Gasimporte hierzulande aus Russland. Vor allem das Gebiet Tjumen beschert Russland große Ölvorkommen, deren Erschließung gefährdet jedoch sowohl das Ökosystem, als auch die kleinen indigen Gruppen, die dort von und mit der Natur ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Die Hauptschäden für die Völker Chanten, Nenzen oder Mansen sind dabei die schwindenden – für das traditionelle wirtschaften wichtigen – Rentiervorkommen, die von der Zerstörung der Weideflächen herrühren. Aber auch der so wichtige Kohlenstoffsenker Steppe wird durch den Ölabbau massiv zurückgedrängt. Für einen Hektar zur Ölförderung genutzter Fläche werden bis zu 15 weitere Hektar durch Pipeline-, Straßen- und Siedlungsbau sowie durch Lecks in Ölleitungen und Verlusten bei der Förderung zerstört. Schon 20 Millionen Hektar Weidefläche ging so in den letzten 25 Jahren verloren – und jährlich kommt eine halbe Million Hektar hinzu.

Die Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück hat sich die Erforschung der Zusammenhänge von Ölförderung, Ressourcenschonung und Emissionsreduktion und die Suche nach entsprechenden Lösungen auf die Fahne geschrieben. Zusammen mit der russischen Partnerhochschule Tyumen State Agricultural Academy (TSAA) will sie dem Klimawandel die Stirn bieten und nachhaltige Landnutzungspraktiken in einer der bedeutsamsten Regionen innerhalb eines fünfjährigen Projekts erarbeiten. Im Visier der Forscher steht dabei genau jenes Gebiet des Tjumen, das den Übergang zwischen nördlicher Waldregion und Steppenzone in Westsibirien bildet, das nicht nur fürs Klima, sondern auch für die indige Bevölkerung wichtig ist. Der Landstrich gilt als Zentrum der Erdgas- und Ölproduktion in Russland und ist zudem als weltweit bedeutender Kohlestoffsenke im Kampf gegen den Klimawandel von immenser Bedeutung. Hier sollen nun im Rahmen des Projekts die wechselseitigen Auswirkungen von Landnutzung und Klimawandel unter Betrachtung der gesamten Ökosystemfunktion genauer unter die Lupe genommen werden. Mit den gewonnenen Ergebnissen sollen dann Strategien erarbeitet werden, um das Land nachhaltig und klimafreundlich zu nutzen. Die erarbeiteten Pläne könnten zudem auch auf andere Regionen mit ähnlichen Landnutzungsproblemen übertragen werden.

Die Forscher der Hochschule arbeiten bei dem Projekt eng mit ihren beiden russischen Partnerhochschulen zusammen und holen sich auch bei den Universitäten Osnabrück, Kiel und Münster, sowie der Humboldt-Universität in Berlin Unterstützung. Das Verbundvorhaben, das seit August läuft und für das auch der Austausch von wissenschaftlichem Personal und Studierenden geplant ist, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Projekts SASCHA gefördert.

Judith Schomaker

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