Bananenschalen haben für Slapstick ausgedient

Bananenschalen; Foto: shutterstock

Gehört eine Bananenschale auf den Kompost? Wer keine Pestizidrückstände in seinem Humus vorfinden will, sollte nur Bio-Bananen dafür hernehmen. Doch generell ist die Einordnung der Bananenschale in die Kategorie Abfall noch einmal zu überdenken. Denn neben dem Schutz der Frucht entfaltet sie ihr wirkliches Potential erst in kontaminiertem Wasser. Sinn und Zweck dieses unkonventionellen Projektes ist die nachträgliche Filterung umweltschädlicher Stoffe in Gewässern. Und von denen kann die Bananenschale eine ganze Menge aufnehmen.

Vor allem Schwermetalle haben es ihr angetan. Wissenschaftler der Sao Paulo Foundation in Brasilien fanden heraus, dass die Akkumulation von Blei und Kupfer in Bananenschalen höher als bei anderen getesteten Materialien ist.

Auch für Abflüsse von Bergminen, Tierfarmen und Altlasten der Industrie bietet sich die Wirkung der Bananenschale an. Denn im Gegensatz zu organischen Stoffen können Metalle nicht abgebaut werden. Verschmutzte Gewässer müssen mit chemischen Substanzen gereinigt werden. Der Einsatz von Bananenschalen wäre im Vergleich günstiger und würde die Umwelt schonen.

In einem passenden Gerät untergebracht lässt sich der Reinigungsprozess elf Mal wiederholen, ehe die zerkleinerten Schalen durch neue ersetzt werden müssen. Der Einsatz dieses biologischen Reinigungsprozesses konzentriert sich momentan aber auf Länder, die auch Bananen anbauen.

Auch hierzulande können Wiesenknöterich, Schilf, Hibiskus und Co. dem Boden Metalle entziehen. Die sogenannte Phytosanierung wird schon seit längerem mit der Pflanzenkläranlage genutzt. Einige Arten können mit einer erhöhten Metallkonzentration leben ohne Schäden aufzuweisen. In Zellwand und Vakuole eingelagert sind die Metalle eher für das nächste Glied in der Nahrungskette gefährlich.

Es gibt verschiedene Methoden, Pflanzen zur Reinigung von Wasser und Böden einzusetzen. Die Aufnahme der Schadstoffe durch die Pflanze wird Extraktion genannt. So absorbiert die Wasserhyazinthe Cyanide und Kupfer. Nach der Akkumulation wird die Pflanze abgeerntet. Es gibt auch die Möglichkeit, dass die Pflanze nur als Stimulator fungiert und durch Abscheidung bestimmter Substanzen die Aktivität von Mikroorganismen erhöht. Auf diese Weise werden organische Stoffe schneller abgebaut.

Auch die Wurzeln leisten ihren Beitrag und binden Schadstoffe. Das feine Wurzelgeflecht von Gräsern entzog beispielsweise radioaktive Substanzen aus stehenden Gewässern nahe Tschernobyl.

Seien es Bananenschalen oder heimische Gewächse: Es gibt noch Forschungebedarf zur biologischen Sanierung kontaminierter Flächen. Doch es ist eine sinnvolle Alternative, um den Teufel nicht mit dem Beelzebub auszutreiben.

Jenny Lohse

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