Arktiseis auf Rekordminimum

Das Eis in der Arktis schmilzt immer schneller. Wissenschaftler sind alarmiert, zugleich sinkt die Hoffnung auf eine ‚Erholung‘ und die Diskussion um die wirtschaftliche Nutzung der Arktis flammt erneut auf.

Die Eisfläche in der Arktis ist auf ein Rekordminimum geschmolzen. Neuesten Satellitenaufnahmen zufolge waren Ende August nur noch 4,1 Millionen Quadratkilometer eisbedeckt. Das sind fast 70.000 Quadratkilometer weniger als im September 2007, dem bisherigen Negativrekord. Außerdem ist das die geringste Ausdehnung seit Beginn der Satellitenbildüberwachung vor mehr als 30 Jahren, wie das Schnee- und Eisdatenzentrum der USA (NSIDC) in Boulder, Colorado mitteilt.Dabei ist der Jahrestiefstwert vermutlich noch nicht erreicht. Die Eisschmelze dürfte noch einige Wochen andauern.

„Im Kontext dessen, was in den vergangenen Jahren und seit Beginn der Satellitenmessungen passiert ist, zeigen diese Daten, dass die Eisfläche sich fundamental verändert“, sagt NSIDC-Wissenschaftler Walt Meier. Die Arktis sei in früheren Jahren von vielschichtigem und lang liegendem Eis dominiert gewesen. Nun werde sie mehr und mehr zu einer saisonalen Eisfläche, die sich im Sommer zu einem großen Teil auflöse.

Als Gründe für den starken Eisrückgang führen Wissenschaftler zweierlei an: Zum einen werde das Arktiseis immer dünner. Ein schwerer Sturm Anfang August ließ zudem das ohnehin schon dünne Eis brechen und infolge dessen schmelzen. Rüdiger Gerdes, Meereisphysiker am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, sieht die Ursache zudem in den stark gestiegenen Temperaturen im Nordatlantik und im Nordpolarmeer, wobei auch eine periodische Entwicklung zu beobachten sei. Aktuell befinde man sich in einer warmen Phase.

Die alarmierenden Zahlen heizen die Diskussion über den Klimawandel wieder an. Klimaforscher sehen sie als starkes Indiz für die langfristige Klimaerwärmung. Außerdem steht die wirtschaftliche Nutzung des Arktischen Ozeans zur Debatte. Ölkonzerne wie Shell oder Gazprom wollen etwa entgegen den Warnungen von Umweltexperten in der Arktis nach Öl bohren.

Ob sich die Eisschmelze fortsetzen wird, ist ungewiss. Modellrechnungen lassen das erwarten. Gerdes etwa meint, auch wenn es im Zuge der natürlichen Oszillation eigentlich wieder kälter werden müsste, werde wohl langfristig der Treibhausgaseffekt gewinnen und den Temperaturanstieg bestimmen. Klimaforscher Mojib Latif zeigt sich indes optimistisch und glaubt, dass der Schmelzprozess noch zu stoppen wäre, wenn man den Klimaschutz ernst nehmen würde.

Josephin Lehnert

1 Kommentar

  • Angesichts schwindender Ressourcen und dem drohenden Klimawandel scheinen Energieeffizienz im großen Stil und die Förderung nachhaltiger Energieversorgung der einzige Ausweg zu sein. Leicht ist die Umsetzung nicht, doch gerade deshalb sind endlich eindeutige Entscheidungen der Bundesregierung, sowie neue Richtlinien auf internationaler Ebene unabdingbar.