Amazonian Tall Tower Observatory

Klimamessturm
Klimamessturm

Das Amazonasgebiet wird immer wieder gerne als die „grüne Lunge der Erde“ bezeichnet. Auf 5.500.000 km² wird etwa die Hälfte des gesamten Sauerstoffs, der sich in der Erdatmosphäre befindet, produziert. Gleichzeitig ist es ein wichtiger Klimastabilisator und besitzt einen enormen Einfluss auf den Wasserkreislauf. Auf diesem großen grünen Flecken Erde wird wortwörtlich Klima gemacht. Umso interessanter sind die Funktionsweisen des Regenwaldes für die Klimaforschung.

In einer Zeit, in der sich der Klimawandel immer stärker bemerkbar macht, sind die Klimadaten, die im Regenwald gesammelt werden können, daher umso bedeutender. Deshalb wurde im Jahr 2009 ein deutsch-brasilianisches Gemeinschaftsprojekt gestartet, das den Namen Amazonian Tall Tower Observatory, kurz „ATTO“, erhielt. Unter der Leitung des Max-Planck-Instituts und des brasilianischen Instituts für Amazonasforschung (INPA) wurde so im Laufe des letzten Jahres ein 325 Meter hohes Stahlgerüst 150 Kilometer nordöstlich von Manaus erbaut. Der neue Turm soll nun die Klimadaten von zwei bereits bestehenden, 80 Meter hohe Messtürme ergänzen. Diese beiden Türme liefern bereits seit 2011 regelmäßig Daten zu Wetterbedingungen sowie Spurengasen und Aerosolen.

Der Klima-Messturm stellt den Angaben des Max-Planck-Instituts zufolge das Gegenstück zu dem 2006 in der sibirischen Taiga erbauten Turm ZOTTO dar, ein Projekt an dem das MPI für Chemie ebenfalls beteiligt ist. Planung und Bau des Turms sind Teil eines gemeinsam mit Brasilien finanzierten Forschungsprojekts, das vom Bundesforschungsministerium von 2010 bis 2015 mit 4,5 Millionen Euro gefördert wird. Insgesamt betrugen die Baukosten 8,4 Millionen Euro.

„ATTO“ soll als höchster Klima-Messturm der Welt – er ist höher als der Eiffelturm – einen Messbereich von mehreren tausend Quadratkilometern abdecken und dabei wegweisende Erkenntnisse und Grundlagen für verbesserte Klimamodelle liefern. Kontinuierliche Messungen von Treibhausgasen, also Kohlendioxid, Methan, Lachgas und Ozon, sowie eine Reihe von Messungen zur Partikelentstehung und zum Verhalten der Partikel bezüglich der Wolkenbildung, sollen Aufschluss über die Funktionsweisen des Regenwaldes sowie der Wechselwirkungen zwischen Regenwäldern und der Atmosphäre geben.

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Ziel des Projektes sind nicht nur verbesserte Klimamodelle. So hofft Professor Jürgen Kesselmeier, Biogeochemiker am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und deutscher Projektleiter von ATTO, dass die Ergebnisse und Auswertungen der erfassten Daten auch zum Schutz des Amazonasgebietes beitragen können. In einem Interview mit Lennart Pyritz vom Deutschlandfunk erklärte er: „Wenn es uns gelingt, die Funktion des Waldes und die Bedeutung des Waldes für die Bevölkerung und für die Politik wirklich verständlich zu machen, sodass man also wirklich sieht, wie bedeutend solche Systeme sind, dann wird es vielleicht helfen, auch politische Entscheidungen zu treffen, diese Systeme, diesen Wald zu schützen und nicht mehr so brutal dagegen vorzugehen.“

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