Algen, Moose und Flechten haben Einfluss auf globales Klima

Flechten

Jeder kennt sie, doch ihre Bedeutung für den globalen Stoffkreislauf ist vielen unbekannt: An Land wachsende Moose, Algen und Flechten nehmen gewaltige Mengen Kohlenstoffdioxid und Stickstoff aus der Luft auf, wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz jüngst feststellen konnten.

Die so genannten kryptogamen Schichten – welche ihre Energie durch Photosynthese erlangen, selbst aber keine Blüten bilden – lassen sich nicht nur in unseren Breiten finden, sondern sind in allen Ökosystemen, wie beispielsweise den Trockengebieten oder Regenwäldern, zu finden. Etwa 30 Prozent der Landoberfläche wird somit von an Land wachsenden Algen, Moosen und Flechten bedeckt. Den neuesten Forschungserkenntnissen kommt den Kryptogamen damit ein enormer Einfluss auf den Kohlenstoffdioxid- und Stickstoffkreislauf zuteil.

Insgesamt über 200 Einzelstudien mit Daten zu Vorkommen und Stoffwechsel der einzelnen Arten wurden ausgewertet und zusammengeführt. Das Ergebnis überraschte: Etwa 50 Millionen Tonnen Stickstoff werden von den kryptogamen Lebensgemeinschaften aufgenommen und rund14 Milliarden Tonnen CO2 gebunden. Damit binden die Algen, Moose und Flechten gleichzeitig die Menge Kohlendioxid, die pro Jahr durch das Abbrennen von Wäldern und anderer Biomasse freigesetzt wird.

Große Bedeutung für Ökosysteme

Ebenso die fixierte und dem Boden sowie anderen Lebewesen bereitgestellte Stickstoffmenge lieferte erstaunliche Ergebnisse: „Sie entspricht der Hälfte des an Land natürlich fixierten Stickstoffs, was für die Entwicklung von Ökosystemen von besonders großer Bedeutung ist, da Stickstoff oft die limitierende Nährstoffkomponente darstellt. Auch die CO2-Aufnahme von Pflanzen ist häufig durch die Verfügbarkeit von Stickstoff begrenzt“, so der Leiter der Mainzer Arbeitsgruppe, Ulrich Pöschl.

Die ermittelte gespeicherte Stickstoff- und Kohlenstoffdioxidmenge könnte sogar noch höher sein, als berechnet, da teils keine Daten zu einigen Gebieten, wie den Steppenlandschaften im Süden Russlands, vorliegen.

Liefern diese neuesten Ergebnisse zwar keine Lösung für den Klimawandel, da die Moose, Flechten und Algen das CO2 nur über wenige Jahre hinweg speichern können, so wird durch kryptogame Schichten allerdings die Fruchtbarkeit und Festigkeit des Bodens, gerade in Trockengebieten, erhöht. Das Wachstum langfristig kohlenstoffdioxidbindender Pflanzen wird dadurch angeregt, ihre CO2-Aufnahmekapazität erhöht. Die Forschungserkenntnisse zeigen somit zum einen die Bedeutung der gerade in Städten als lästig empfundenen kryptogamen Pflanzen auf, zum anderen tragen sie zu einer Verbesserung von Vegetationsmodellen sowie globalen Klimaprognosen bei.

Luisa Egenlauf

Add comment