Insel der Elektromobilität

Flagge von Zypern; Foto: shutterstock

Zyperns Regierung plant, die Insel zu einem Vorzeigemarkt für Elektrofahrzeuge zu machen. Dies hat das zuständige Ministerium für Handel, Industrie und Tourismus angekündigt. Ein zweijähriges Förderprogramm für Elektromobilität auf der Mittelmeerinsel steht kurz vor dem Ende und schon sind neue Projekte angedacht. Die schon heute gültigen, steuerlichen Ermäßigungen für Elektrofahrzeuge sollen bestehen bleiben. Besitzer von Autos mit konventionellem Antrieb müssen dafür das Doppelte an KfZ-Steuern zahlen. Ein wichtiger Anreiz, galten bislang die hohen Anschaffungskosten als Haupthinderungsgrund für den Kauf von Elektrofahrzeugen auf Zypern.

Die geringen Entfernungen zwischen den unterschiedlichen Verkehrspunkten auf der Insel sprechen eindeutig für eine intensivere Nutzung von Elektrofahrzeugen in dem EU-Mitgliedsland. Ein großer Nachteil ist bislang die noch unzureichende Infrastruktur in Punkto Elektromobilität: Schnellladestationen gibt es auf der Insel bisher nicht.

Kostenlose Nutzung und niedrige Haltungskosten

Das Ministerium für Handel, Industrie und Tourismus plant in einem Pilotprojekt, das über EU-Programme finanziert werden soll, die Anschaffung von 20 bis 30 Elektro- und Plug-in Hybridautos. Bewohner der Bergregionen mit niedrigem Einkommen sollen diese Fahrzeuge ebenso kostenlos nutzen können wie auch kinderreiche Familien. Die Nutzer profitieren nicht nur von der kostenlosen Bereitstellung, sondern auch von den niedrigen Haltungskosten. Damit soll bei den Bürgern die Akzeptanz für die neue Fahrzeugtechnik erhöht werden.

Eine Studie, die das Ministerium für Handel, Industrie und Tourismus in Auftrag gegeben hatte, spricht sich für den Ersatz konventioneller Kfz durch Elektrofahrzeuge auf Zypern aus. Bei der Taxi- und Mietwagenflotte könnte zum Beispiel in Zukunft auf Elektroautos gesetzt werden. Auch im öffentlichen Nahverkehr könnten verstärkt Elektrofahrzeuge eingesetzt und durch die Einrichtung von Ladestationen unterstützt werden. Die stark vom Tourismus abhängige Insel könnte sich laut Ministerium so zu einer „technologischen Sehenswürdigkeit“ für seine Gäste entwickeln.

Noch fehlt ein Netz von Schnellladestationen

Die geringe Autonomie von Elektrofahrzeugen, ihre niedrige Höchstgeschwindigkeit, und die geringe Größe halten die Zyprer derzeit noch häufig von einem Kauf ab. Vor allem aber aufgrund des fehlenden Netzes von Schnellladestationen entscheiden sich die Inselbewohner selten zur täglichen Nutzung dieser Autos. Die heute in Zypern verfügbaren Zweisitzer fahren bis zu 60 Kilometer pro Stunde. Ihre Batterie, die an gängigen Steckdosen geladen wird, reicht für Entfernungen bis zu 80 Kilometer. Nach Angaben der zuständigen Behörde sind derzeit auf Zypern 90 Elektrofahrzeuge dieser Art im Einsatz. Eine Zahl, die definitiv noch ausbaufähig ist.

Daniel Seemann

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