Zahlen auf der Überholspur

Angela Merkel

Was haben Archimedes, Gottfried Wilhelm Leibnitz, der zehnjährige Wenzel Grüß, Grigori Perelman und Angela Merkel gemeinsam? „Ohh Gott…“ wird der eine oder andere sagen. „Wieder so eine Wissensfrage!“ Stimmt. Es geht um Wissen. Einerseits. Andererseits vereint diese Menschen eine tiefe Leidenschaft für Zahlen. Sind ständig fixiert auf diese mathematischen Objekte. Manche flirten sogar mit ihnen, andere träumen nachts von Algorithmen und Wurzeln. Genies, die nur ab und zu vom Himmel fallen und uns mit ihrer Genialität in Erstaunen versetzen.

Aufklärer Leibnitz zum Beispiel baute vor 300 Jahren die erste Rechenmaschine, Wenzel Grüß schleudert uns nach ein paar Minuten Kopfrechnen die vierte Wurzel aus 2.472.973.441 vor unser verblüfftes Hirn. Und Angela Merkel? Sie stellt neue mathematische Gesetzmäßigkeiten in der Öko- und Nachhaltigkeitstheorie auf, dass jeder normal geborene Erdenbürger beim Zuhören die Luft anhält.

Übrigens: Bei Merkels Zahlenspiel geht es auch um Luft und noch dazu um dreckige. Vorgestellt wurde die kanzlerische Formel jüngst sehr selbstbewusst im Audimax der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel. Der Term könnte so lauten: Ein deutsches Elektroauto hoch drei geteilt durch x größer 95 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ist gleich 2020. Häää…??? Wieder mal sitzen wir da, kritzeln die Zahlen auf unseren durchnässten Bierdeckel und verstehen kein einziges Wort. Können der führungspolitischen Rechenfee nur unseren ganzen verstandesmäßigen Respekt zollen. Vielleicht ist das der große Wurf?! Der Ansatz für den neuen Wirtschaftsnobelpreis? Wer weiß?

Mathematische Tiefflieger wie unsereins erhalten Nachhilfe von einer EU-Mobilitäts-Koryphäe. Merkels Nachhaltigkeitstheorie beziehe sich auf die deutschen Automodelle. Mit ihrem Rechenansatz beweise sie, dass die einheimischen Autobauer schon längst die angestrebten Grenzwerte für Pkws innerhalb der Union von 95 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer erreichen und zwar dadurch, dass die Hersteller auch Elektroautos planen, teilweise auch verkaufen. Diese fiktive Zahl nehme man hoch drei und schon habe man alle Normen für ein besseres Klima erfüllt.

Der Pöbel mit Rechenschwäche vermutet dahinter eine klare Aushebelung der Klimaziele der Gemeinschaft zu Gunsten Erbauer deutscher Nobelkarossen. Die haben vermutlich in den letzten Jahren auch viel addiert und multipliziert. Bei der Größe und dem Preis. Aber sorry, wer nicht rechnen kann, sollte lieber seinen Mund halten, vielmehr sein Gehirn schonen. Das war in der Schule schon so.

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Vor dem merkelschen Rechenexempel wären die Gewinner die italienischen und französischen Kleinwagenhersteller gewesen. Beide haben viel gerechnet. Und zwar auch richtig. Zielgerichtet haben sie die Entwicklung von emissionsarmen Pkws mit tollen Klimaanlagen vorangetrieben.

Doch anscheinend war deren Rechenschieber falsch skaliert, denn angesichts dieser ganzen deutschen Zahlenakrobatik braucht nun so manches heiß gelaufene Gehirn eine wahre Multiplikation an Abkühlung.

Florian Simon Eiler

1 Kommentar

  • Schön das wenigstens die Kanzlerin das Einmaleins der Energiewende beherrscht. Mein persönliches Erlebnis mit unserem Umweltminister war in dieser Hinsicht ernüchternd. Herr Altmeier befindet sich in einer permanenten Einarbeitung und das wird auch so bleiben. Zu Kerkraft und Fukushima sagt er : „Was Atomkraftwerke betrifft bin ich nicht dafür und nicht dagegen, aber bei Fukushima hatte ich doch ein mulmiges Gefühl“ (in Peiting am 08.08.2013 CSU Wahlverantsalktung). Es gibt Menschen denen treibt es die Galle hoch wenn die Wörter „Fukushima, Tschernobil, Gorleben“ fallen. Mir geht es dabei ganz schlecht.

    Die deutsche Autoindustrie wird schöngerechnet. Mal erhlich, wer käme auf die Idee 1500kg (Durchschnitsgewicht eines Mittelklassewagen, geschätzt) zu bewegen um 80KG Masse (Durchschnitsbundesbürger ) zu transportieren?