E-Busse: Wien setzt die Öffis unter Strom

Linienbus in Wien

Österreichs Bundeshauptstadt Wien startet auf zwei Linien im öffentlichen Nahverkehr mit Elektrobussen durch. In den kommenden Monaten wird die Flotte auf insgesamt zwölf elektrisch angetriebene Stadtbusse ausgebaut. Die Busse könnten sich als Wegbereiter der Elektromobilität herausstellen. Möglicherweise bewegt das Projekt der Stadt Wien auch andere Städte dazu, das eigene Verkehrskonzept zu überarbeiten. Dennoch stellt sich eine Frage: Warum eigentlich erst jetzt?

Der Einsatzort. Soeben hat in der Wiener Innenstadt der erste elektrisch betriebene Autobus seinen regulären Dienst angetreten. Die Wiener Linien setzen den Elektrobus derzeit unmittelbar im Stadtzentrum der Bundeshauptstadt ein.

In den kommenden Monaten wird die komplette Busversorgung der Wiener Innenstadt auf den elektrischen Betrieb umgestellt. Schlussendlich sollen insgesamt zwölf Busse täglich unzählige Fahrgäste emissionsfrei auf zwei Buslinien befördern.

Die Technik. Zwischendurch werden die Akkus der Busse mittels Stromabnehmer während der Stehzeiten an den jeweiligen Endhaltestellen aufgeladen. Dazu benötigt das System eine Zeit von maximal 15 Minuten. Mittlerweile wurde bekannt, dass es kein vollständiges Netz von Oberleitungen in Wien geben soll. Folglich werden lediglich an den Endhaltestellen kurze Oberleitungen montiert. Nachts erfolgt das vollständige Aufladen der Akkus in der Garage, woraufhin die Busse eine Reichweite von zirka 150 Kilometern haben.

Zusätzlich verfügen sämtliche E-Busse über ein Rekuperationssystem. Dieses System ermöglicht es, Bremsenergie zurückzugewinnen und somit gleichzeitig die Reichweite zu erhöhen. Äußerlich sind die neuen Fahrzeuge identisch mit jenen Bussen, die über einen konventionellen Antrieb verfügen, und bieten somit ebenso Platz für jeweils 44 Fahrgäste.

Die Frage. Bei näherer Betrachtung ist es eigentlich erstaunlich, dass sich die Diskussion rund um das Thema Elektromobilität in Deutschland, Österreich und der Schweiz generell auf den Individualverkehr konzentriert. Der öffentliche Verkehr hingegen scheint geradezu prädestiniert für den Einsatz elektrisch betriebener Fahrzeuge zu sein. Kurze und zugleich fixe Strecken bieten einen kaum zu überbietenden Vorteil gegenüber dem schwer zu berechnenden Individualverkehr.

Der Testbetrieb der im Norden Deutschlands ansässigen Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg mit einem entsprechend adaptierten Elektrobus lieferte sensationelle Ergebnisse. Bei einer Reichweite von über 250 Kilometer beliefen sich die Verbrauchskosten pro Kilometer auf gerade einmal 15 Cent. Vergleichbare Dieselbusse, welche unter denselben Bedingungen im Einsatz sind, schlagen sich hingegen mit Verbrauchskosten von 40 bis 50 Cent pro Kilometer zu Buche. Umgerechnet auf die Anschaffungskosten von rund 100.000 Euro pro Elektrobus beträgt die Amortisationsdauer daher nur zwischen drei und vier Jahren.

Zwar beschäftigen sich mittlerweile zahlreiche Gemeinden in Europa mit dem Thema Elektromobilität im öffentlichen Verkehr, dennoch fragen sich viele Menschen: Warum erst jetzt?

Joachim Kern

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