Wagen im Dienste der Autoindustrie

Auspuff; Foto: shutterstock

Den politischen Spagat zwischen Wort und Tat ins öffentliche Licht zu rücken, ist noch immer das wirksamste Rezept für ein Umdenken der Volksvertreter. So dachte auch die deutsche Umwelthilfe, als sie Mitte April dieses Jahres die fünfte Dienstwagenerhebung deutscher Spitzenpolitiker vorstellte.

Die Untersuchungsergebnisse lesen sich alles andere als klimafreundlich. Sicherheit kommt in den Regierungskreisen zwar noch vor der Energieeffizienz. Doch wäre es wünschenswert, dass zumindest der industriefreundliche EU-Emissionsgrenzwert eingehalten wird. Seit dem Jahr 2008 ist ein CO2-Emissionsgrenzwert von 140 Gramm je Kilometer zu beachten. Ab nächstem Jahr soll der Flottendurchschnitt eines Autoherstellers dann auf durchschnittlich 130 Gramm CO2 pro Kilometer sinken. Dabei steht es ihm frei, bis zum Jahr 2015 einen bestimmten Prozentsatz seiner Flotte außen vor zu lassen. So sind es nächstes Jahr nur 65 Prozent des Fahrzeugssortiments, die den Grenzwert einzuhalten haben. Die CO2-Schleudern werden dann natürlich beiseite genommen.

Doch zurück zu den Dienstwagen der Ministerpräsidenten. Die Fahrzeuge von Volker Bouffier (Hessen), Stanislaw Tillich (Sachsen) und Horst Seehofer (Bayern) haben sich mit einem CO2-Ausstoß zwischen 348 und 266 Gramm pro Kilometer die letzten Plätze in der Rangliste gesichert.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Carstensen gibt schon einmal überhaupt keine Auskunft und wird sich mit seinem Fahrzeug sicherlich auch in diesen Bereich einreihen. Dennoch ist der Studie zufolge die Bereitschaft zur Unterrichtung dieses Jahr höher.

Einzig Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen unterschreitet mit seinem BlueEfficiency von Mercedes den Grenzwert knapp. Ihm folgen einige seiner Minister. Dazu verhalten sich auch die Länderumweltminister Berlins, des Saarlandes und Nordrhein-Westfalens mit ihrem Autokauf vorbildlicher und halten mit Toyota Prius Hybrid und VW Passat Blue Motion den Grenzwert für das Jahr 2012 ein.

Nordrhein-Westfalens Regierung hat beschlossen, einen CO2-Ausstoß von 140 Gramm pro Kilometer für ihre Fahrzeugflotte bis 2015 zu erreichen. Ab nächstem Jahr dürfen dann nur noch Neuwagen für die Landesregierung erstanden werden, welche diesen Grenzwert einhalten. Aber macht es nicht mehr Sinn, für einen Neukauf den EU-Grenzwert von 130 Gramm einzuhalten und mit gutem Beispiel voran zugehen?

Vielleicht orientieren sich die meisten Politiker an dem von der Bundesregierung und Autoindustrie erarbeiteten Entwurf von letztem Jahr. Mit einer Verbrauchskennzeichnung für Pkws soll der Kauf eines energieeffizienten Fahrzeugs erleichtert werden.

Doch das Modell rechnet das Gewicht des Autos mit ein und so darf ein größeres Modell auch mehr CO2 emittieren. Ein Smart mit 86 Gramm CO2 pro Kilometer wird dann in die gleiche Klasse wie zum Beispiel ein größerer Wagen mit 159 Gramm eingestuft. Da weder Bundesumweltamt noch Umweltverbände an dem Entwurf beteiligt waren, kreierten die deutsche Umwelthilfe und der Verkehrsclub Deutschland ihr eigenes CO2-Label, welches jährlich erneuert wird. Ein Vergleich zeigt die unterschiedliche Klassifizierung der Fahrzeuge.

Jenny Lohse

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