Vorreiter Usedom: Kombination von Photovoltaik und Elektromobilität

PV-Carport mit Ladestationen auf dem Ahlbecker Gemeindeplatz. (Bild: Inselwerke Usedom).

Die Kombination von Photovoltaik und Elektromobilität bietet auch für Energiegenossenschaften neue Chancen. Vorreiter sind die Inselwerke Usedom.

Zum „Bürgerenergieprojekt des Jahres“ wurden im vergangenen August die Inselwerke Usedom gekürt. Das Bündnis Bürgerenergie zeichnete die Genossenschaft für den Aufbau eines E-Mobil-Ladenetzes aus. Seit 2016 installierte sie mittlerweile 19 öffentlich zugängliche Ladestationen an zwölf Standorten auf Usedom und dem angrenzenden Festland.

Solarstrom zum Tanken

Bundesweiter Vorreiter ist die Usedomer Genossenschaft auch bei der direkten lokalen Solarstromnutzung fürs E-Tanken. Mehrere Ladepunkte an zwei Solarcarports und weiteren Ladestationen werden tagsüber direkt durch Photovoltaikanlagen gespeist. Die 18 Kilowatt starke Carportanlage auf dem Ahlbecker Gemeindeparkplatz erzeugt rund 18.000 Kilowattstunden im Jahr, dies entspricht laut Vorstand Frank Haney 100.000 Kilometer mit dem E-Auto. Ein zweiter Solarcarport am Kunsthaus Neppermin im Zentrum der Insel hat eine Leistung von neun Kilowatt und verfügt ebenfalls über zwei Ladepunkte mit je 22 Kilowatt Ladeleistung. Dazu kommen drei weitere solare Ladestationen an einer Kanustation, einem Bioladen sowie Ferienhäusern, die jeweils durch vorhandene PV-Anlagen gespeist werden.

Der Solarstrom, der nicht für das Laden genutzt wird, wird ins Netz eingespeist. Nachts und wenn die Sonne einmal nicht scheint, betanken die Ladestationen die E-Autos mit Ökostrom aus dem Netz. Die Genossenschaft bietet diesen als Usedom Strom in Kooperation mit dem regionalen Versorger Wemag an. Ein Teil der Einnahmen aus dem Stromverkauf fließt in den weiteren Ausbau des örtlichen Ladenetzes. „Je 30 wechselnde Privathaushalte ermöglichen die Finanzierung einer weiteren Ladesäule“, so Haney. „Ziel ist auch, noch mehr Ladesäulen direkt mit vor Ort erzeugtem Solarstrom zu speisen“, unterstreicht der Inselwerke-Vorstand. Geplant ist, weitere PV-Carports als Pendlerstationen zu errichten, wo die E-Autos mit Solarstrom oder – wenn es schnell gehen muss –  mit Öko-Netzstrom geladen werden.

Synergien im Betrieb

Die Genossenschaft betreibt die PV-Anlagen für den Eigenverbrauch der Ladesäulen mit Überschusseinspeisung ins Stromnetz. Zwar ist dann bei Solarstromanlagen mit einer Leistung mit mehr als zehn Kilowatt die volle EEG-Umlage fällig. Doch werden auf diese Weise weitergehende Anforderungen und Abgaben vermieden, die bei einem Stromvertrieb nach dem sogenannten Betreibermodell gelten. Die Ladestationen an sich werden vermietet, die Inselwerke Usedom sorgen für die Wartung und Abrechnung. Getankt und bezahlt werden kann mit einer Inselwerke-Ladekarte oder mit fremden Karten per Roaming beziehungsweise online per App.

Eine Plattform über neueste Trends bei der Nutzung von Solarstrom und anderen erneuerbaren Energien für E-Mobilität, innovative Ladelösungen, Technologien für Elektrofahrzeuge und Geschäftsmodelle bietet die Power2Drive Europe. Die neue Fachmesse findet unter dem Dach der The Smarter E Europe vom 20. bis zum 22. Juni in München statt.