Elektrischer Radnabenantrieb ohne Getriebe

Elektrischer Radnabenantrieb ohne Getriebe

Spritsparende, schadstoffarme und alternative Antriebe sind das große Thema auf der diesjährgen IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Das Unternehmen Ziehl-Abegg hat auf der Messe eine Antriebstechnologie vorgestellt, die geeignet sein könnte, die Effizienz im Nutzfahrzeugbereich massiv zu steigern und Energieverbrauch und Emissionen zu senken: ZAwhell, den elektrischen Radnabenantrieb ohne Getriebe. Damit lässt sich laut Hersteller der Energieverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren halbieren, wie jahrelange Praxistest im Buslinienverkehr nachgewiesen haben.

ZAwheel nutzt die Vorteile eines elektrischen Antriebsstrangs und kombiniert diese mit einem Antrieb, der ohne Schalt-Differential- oder einfache Übersetzungsgetriebe auskommt. Herkömmliche Antriebssysteme müssen immer nach dem maximalen Drehmoment eines Motors ausgelegt sein. Dadurch entstehen Verluste von rund fünf Prozent der Maximalleistung. Ziehl-Abegg verzichtet kompromisslos auf jegliches Getriebe. Der Motor sitzt dort, wo das Drehmoment benötigt wird und am effizientesten ist: in der Mitte des Rades. Dadurch lässt sich ein Wirkungsgrad von 90 Prozent erzielen. Zum Vergleich: Ein Verbrennungsmotor erzielt einen Wirkungsgrad von 20 bis 30 Prozent, ein konventioneller Elektromotor von 85 Prozent. Ziehl-Abegg war das nicht genug. Man bringe die Erfindung des Firmengründers Emil Ziehl – den Außenläufermotor – nun als ideale Mobilitätslösung für Nutzfahrzeuge auf die Straße, erklärt Ralf Arnold, Geschäftsführer von Ziehl-Abegg Automotive. Gerade bei Nutzfahrzeugen wie Omnibussen, die oft anfahren und bremsen, komme die Effizienz durch die Energierückgewinnung besonders stark zum Tragen.

Der neue Radnabenmotor wartet mit einigen Vorteilen gegenüber Dieselantrieben auf, nicht nur was den Fahrkomfort anbelangt. Denn der neue Antrieb ist fast unhörbar leise. Im städtischen Linienverkehr konnte nachweislich eine Lärmverringerung von 90 Prozent erzielt werden. Für Fahrgäste, Verkehrsteilnehmer und Anwohner bedeutet das ein großes Plus an Lebensqualität. Außerdem sinkt der Energiebedarf rapide. Man halbiere den Energieverbrauch im Vergleich zu Bussen mit Verbrennungsmotor, erklärt Arnold. Auch die Emissionen verringern sich um 50 Prozent. Zudem würden 80 Prozent der bewegten Teile im Antriebsstrang überflüssig.

Der Hersteller Ziehl-Abegg bringt mehr als 100 Jahre Erfahrung im Bau von Elektromotoren ein. Bisher sind diese Antriebe in Aufzugsmotoren, in Ventilatoren oder in Spezialfahrzeugen auf dem Meeresgrund zu finden. Ziel des Unternehmens sei es schon immer gewesen, den Energiebedarf zu senken, die Betriebsgeräusche zu minimieren und hochwertige Motoren zu bauen, die lange und zuverlässig ihren Dienst verrichten, sagt Geschäftsführer Arnold. Daher sei der getriebelose Radnabenantrieb vor dem jetzigen Markteintritt auch mit Partnern jahrelange im Linienverkehr im Feldversuch geprüft worden.

Josephin Lehnert

1 Kommentar

  • Ist das nicht der Bus von Whisper aus Holland der auch unter e-traction firmierte? Ich finde das gut wenn es Profis wie Ziehl-Abegg aufgreifen – bloss ein Radnabenmotor macht wegen den ungefederten Massen und der hohen Motormasse generell keinen Sinn, vielleicht wird es schlussendlich ein Radnaben-naher Motor.. Und damit sollten dann bald alle alten Diesel-Busse auf Hybrid nachgerüstet werden können.