Smart Cities – Nachhaltige Zukunft der Stadt(-werke) Teil 1

Dieter Lindauer, Leiter Elektromobilität der Modellregion Rhein-Main für das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und das Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst  a. D. stellt in der mehrteiligen Serie „Smart Cities – Nachhaltige Zukunft der Stadt(-werke)“ zehn Thesen zu Energie, Wohnen und Mobilität auf.

Rettet unsere Städte jetzt: Es ist festzustellen, das „breiartige Auseinanderfließen der Stadtstrukturen“, das „Absterben der vom Individualverkehr lahmgelegten und erstickten Innenstädte“, die „zunehmende Verschmutzung, ja Vergiftung der Luft und des Wassers“, den sich ständig „ausbreitenden Lärm“ und die „öffentliche Armut, die im harten Kontrast zum privaten Wohlstand steht, so Hans-Jochen Vogel, Präsident des Deutschen Städtetages bei der Vollversammlung 1971, zitiert aus dem Manifest der Oberbürgermeister aus dem Jahr 1994.

Im Jahr 2010 haben wir eine zu hohe Schuldenlast der Kommunen, in den Innenstädten werden Umweltzonen diskutiert und realisiert und im Ausland partiell innerstädtische Mautzonen eingerichtet. Erstmals nach dem Krieg machen die so genannten Transferleistungsbezieher über 50 Prozent der Bevölkerung aus. Das Manifest der Oberbürgermeister und auch die Aussagen von Hans-Jochen Vogel sind auch heute, 40 Jahre später noch brandaktuell.

Dezentrale und regenerative Energien sowie Elektromobilität könnten zukünftig eine Lösung für saubere Individual-Mobilität, für weniger Lärm und weniger Luftemissionen für lebenswertere Innenstädte sein; pulsierende und zugleich saubere Kommunen.

Smart Cities sind geboren. Den Elektroautomobilen kommt hierbei besondere Bedeutung zu. Ihre Wirkung ist elektrisierend. Die Nationale Plattform Elektromobilität spricht von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 auf deutschen Straßen.

Energie, Mobilität und Facilities für Wohnen und Arbeiten wachsen als kommunaler Dreiklang und Infrastrukturfaktor für Lebensqualität stärker zusammen. Mobilität wird elektrisch und das Mobilitätsverhalten verändert sich, Energie- und Wärmeversorgung wird dezentral, Energiekonsumenten werden tendenziell zu Energieproduzenten. Energiespeicherung wird Schlüsselthema, Energieeffizienz in Gebäuden zur Senkung der zweiten Miete wird für die Vermietbarkeit immer wichtiger. Und visionär wird dezentrale Energie ein Erfolgsfaktor für die Lebensmittelversorgung „um die Ecke“ in Ballungsräumen sein.

Der Artikel zu der erste der zehn nachhaltigen Thesen für die smarte Stadt  – „Neue Mobilität – Automobile werden sich verändern“ – erscheint am 15. November 2010.

Dieter Lindauer

5 Bemerkungen

  • RE ”SMART CITIES”
    Der Architekt und Freund namens ”Harald Loebermann” aus Nuernberg hatte bereits vor knapp 20 Jahren diesen Gedanken aufgenommen und planerisch umgesetzt. Seine Entwürfe/Pläne waren Richtungsweisend und Umweltbewusst. Bedauerlicherweise haben sich weder Bauherren, noch Politiker aller Art und Couleurs (die Grünen haben damals noch gestrickt, glaube ich), die Multis noch Kommunen für zukunftsweisende Städte + Landschaftsplanung, Umweltschutz und alternative Energieformen interessiert. Man baute immer noch und lieber Wohnungen so gross wie ”Löcher in der Wand” mit ÖL/GAS ohne Ende versorgt. Marzahn oder Neu Perlach z.B. waren noch überall in Mode und damit war Geld zu verdienen. Nun denn, das interessiert ja eh’ niemanden mehr!

  • Hallo Herr Lindauer,

    schönes Projekt und eine gute Sache, dies auch via Blog zu begleiten. Ein Satz in ihrem aktuellen Artikel hat mich alerdings ehrlich gesagt ziemlich gestört:
    “Den Elektroautomobilen kommt hierbei besondere Bedeutung zu.”
    Ich würde hier lieber von “Elektromobilen” reden, denn wie Fahrzeuge in Zukunft aussehen werden und ob sie in der Mehrzahl aussehen wie Autos wissen wir nicht. Berechtigte Zweifel daran, dass wir künftig mit zwei Tonnen schweren Elektromobilen mit Platz für 5 Personen durch die Citys fahren werden sind angebracht. Ich denke, dass vielmehr auch Mobilitätslösungen SMART werden (müssen). Downsizing ist hier sicher genau so ein Thema wie Shared Mobility und Hybridfahrzeuge – nein, keine Elektro-/Benzin-Kombinationen sondern viel eher Mischungen aus Elektro- und Muskelkraft. In einem Geschwindigkeitsbereich von 40 km/h bietet sich diese Kombination an, denn der Fahrer (und ggf. auch der Beifahrer) bleiben fit und die erzeugten Watt sind ja für etwas gut…

    Was meinen Sie? Ich bin gespannt auf Ideen und weitere Beiträge in Ihrem Blog.

    Herzliche Grüße, Reiner Kolberg

  • RE: “SMART CITIES”
    Also, mich würden die Gedanken und Ideen des Architekten “Harald Loebermann” schon interessieren, vor allem seine Planungen und Entwürfe.

    “SMART CITIES – nachhaltige Zukunft…” , hierzu kann ich nur folgendes anmerken:
    >Endlich ist es soweit!!>
    Die Zeit ist da, denn sowohl die Bürger, als auch die Industrie haben erkannt, daß es so nicht weitergeht und nehmen sich diesem Thema an. Sicher, die einen, weil sie’s wollen und die anderen, weil sie damit Geld verdienen. Nicht umsonst baut BMW in Leipzig ein Werk für Elektroautos und schafft mal eben “so nebenbei” ca. 800 neue Arbeitsplätze.
    Deutschland wird sich diesbezüglich relativ schnell verändern, die Vermieter und Wohnungsgesellschaften müssen das Problem der Steigerungsraten im Nebenkostenbereich in den Griff bekommen, da sie ansonsten ein großes Problem bei den Kaltmieten, also den effektiven Einnahmen, bekommen werden. Die Betriebe, vor allem die produzierenden, werden mit Energiekosten ein Problem kriegen, wenn sie den “Knall” noch nicht gehört haben, diese Kosten werden ihnen weglaufen, es sei denn, sie machen sich Gedanken über Energieeffizienz. Der Politik wird der Wind mehr in’s Gesicht blasen, wenn sie sich in der Energiepolitik nicht neu positionieren. Usw. usw. …
    Ich freue mich auf die 10 nachhaltigen Thesen des Autors.
    Herzliche und sonnige Grüße, Joachim Meurer

  • Hallo,

    ich bin ziemlich gespannt auf den Artikel nächste Woche.

    Ich will nur anmerken, dass die Elektromobilität in der Stadt ihre Nische hat. Klar gehören eBikes, eScooters usw. dazu. Was ich noch für erklärungsbedürftig finde, ist die Tatsache, dass die Elektroautos in der Öffentlichkeit das falsche Bild haben. In den nächsten Jahre wird nicht der private Pkw in großen Still durch elektro substituiert werden. Das wird momentan nur so kommuniziert, weil es einfach sexy ist.

    Tatsache ist, dass die erste Nische, wo elektro Autos im großen Still wirtschaftlich eingesetzt werden können sind flotten Autos. Hiermit gemeint sind Courier Autos, Post Dienste, Handwerker, Lieferanten, Taxis, etc… In diese Nische, neben eBikes und eScooters, wird sich die Elektromobilität entwickeln. Durch economy of scale werden dann die Batterien billiger und besser, dann kommen die privaten Autos im Spiel.

    Danke

    Olmo