Sind Marktaktivierungsprogramme für Elektrofahrzeuge sinnvoll? Teil 2

Wollen wir Autos oder individuelle flexible Mobilität?

Wer die rein finanzielle Seite eines Autokaufs, und vor allem die des Besitzes und Betriebs betrachtet, kann nur zu einem folgerichtigen Schluss kommen: Geld können Mann und Frau nicht schneller und besser verbrennen, außer vielleicht im Immobilienfond ihrer Bank.

Die Hersteller aller Produkte, die wir im Zusammenhang mit einer reinen Ortsveränderung nutzen, holen uns mit dem Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ an der Haustür ab. Aber wo bitte, von der A 96 nachts um drei abgesehen, haben wir denn noch die dermaßen beschworene „Freie Fahrt“? Auf dem Weg zur Arbeit? Stau. Auf der Reise in den Urlaub? Fehlanzeige! Samstags, mal schnell in die Stadt einkaufen? Die Idee hatten wohl grade alle.

Dass wir an den Tankstellen kräftig steuergeschröpft werden, hat bereits jeder akzeptiert – was bleibt denn auch übrig? Das Hoch der Benzinpreise ist soweit etabliert, dass der Anstieg zu Weihnachten, Ostern und den Ferien nicht einmal mehr den Berichterstatter des ADAC hinter dem Ofen hervorlockt.

Jetzt beginnt sich aber das Volk zu rühren. Es wird nicht mehr Gas gegeben, es wird nach- und an der Spitze vorgedacht. Die Gleichsetzung der individuellen Mobilität mit dem Besitz eines eigenen Fahrzeuges wird von vielen Menschen inzwischen als ein überholtes Denkmodel der Vergangenheit beurteilt. Ihr Frage lautet: „Was wollen wir wirklich? Was brauchen wir wirklich?“

Die Antwort darauf ist: „Wir wollen von A nach B.“ Möglichst schnell, möglichst günstig, möglichst sicher. Wenn dann auch noch das Beförderungsmittel unserer Wahl dem Geldbeutel, der Umwelt und dem Klima zu Gute kommt, umso besser. „Freie Fahrt für freie Bürger“ bedeutet heute, flexibel den Stau und das „nicht durchkommen“ zu umgehen. Per Bahn, Fahrrad oder – was auch sehr gesund sein soll – per pedes die Post in den Kasten bringen oder die Brötchen holen.

Wenn schon ein fahrbarer Untersatz dann bitte den der genau für die aktuelle Anforderung gebraucht wird. Das ist schon mal eine erste richtige Entscheidung. Neue Geschäftsmodelle passen sich diesem veränderten Nutzerverhalten an. Ganz richtig gelesen, wir sprechen in Zukunft nicht mehr (nur) von Käufern, sondern von Nutzern. Car2Go ist so eine Lösung. Warum der Anbieter nicht noch einen Schritt weitergedacht hat und „die Chance des Jahres 2010“ konsequent genutzt hat, wird sich uns wohl nie erschließen. Es hätte „e-Car2Go“ heißen können und müssen. Das hätte endlich der Lichtblick am Horizont der deutschen e-Mobilität sein können.

Das der Weg, oder besser die Wege, in unsere mobile Zukunft nicht aus einer Lösung bestehen, ist klar. Was sich bei den Fahrzeugen, die wir demnächst nutzen, abzeichnet, ist Folgendes: Es gibt keine „einzig richtige Version“. Stadtflitzer haben die gleiche Berechtigung wie SUV’s. Caddies werden genauso gebraucht wie 2-Sitzer, 5-Sitzige Familienkutschen, e-Scooter und e-Motorräder. Jeder soll das passende Fortbewegungsmittel für seinen individuellen und spezifischen Bedarf nutzen können. Aufgabe der Hersteller und Infrastrukturbetreiber ist es, diese Bedürfnisse zu erkennen und passende Angebote und Lösungen bereit zu stellen.

Worauf es in der Attraktivität und Förderung besonders ankommt, sind die Schnittstellen und Übergänge zu den jeweiligen Verkehrsträgern und Beförderungsalternativen. Synergien finden und nutzen, die Herausforderungen als Chance erkennen, das gesamte System zu hinterfragen. Den Gedankenstau und die im sprichwörtlichen Sinne „verfahrene Situation“ zu revolutionieren. Alles andere bringt keine Lösung, sondern lediglich die Fortführung dessen, was heute nicht funktioniert, mit anderen Mitteln. Wie sehen solche, nicht unbedingt neuen, Szenarien aus?

Die Herausforderungen liegen nicht in der Technik! Auch nicht in der Infrastruktur. Das, was die Verkäufer der neuen e-Mobilität anbieten müssen, ist Synchronität. Der e-Bus muss bereitstehen, wenn der Zug ankommt, das e-Car muss verfügbar sein, wenn der Kunde es braucht. Frequenzen und Takte müssen so abgestimmt sein, dass der Kunde sein Ziel erreicht. In der automobilen Industrie wird das „Just in time“ genannt und funktioniert seit Jahren hervorragend. Warum bitte geht das nicht auch dann, wenn es darum geht, die Zielgruppe der Mobilisten zufrieden zu stellen?? Schnellstmöglich, mit der größtmöglichen Sicherheit, und dem für ihn bestmöglichen Kosten/Nutzenverhältnis.

Wie so ein Tag voller entspannter e-Mobilität in der praktischen Realität aussehen wird, lesen Sie in der weiteren Fortsetzung. Bis dahin, werden Sie flexibel! Wir berichten Ihnen wie es geht!

Jan Glänzer

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