Ökoplakette für Spritfresser

Ökoplakette für Spritfresser; Bild: shutterstock

Was in der Schweiz bereits seit drei Jahren funktioniert, soll nun auch in Deutschland eingeführt werden: Das Ökolabel für Neuwagen. Das Energieetikett für Autos, ähnlich dem für Haushaltsgeräte, ist dabei keineswegs eine „Entdeckung“ der neuen Bundesregierung. Im Gegenteil, schon 1999 hatte die EU entsprechende Richtlinien verabschiedet, die jedoch allesamt von diversen Regierungen der Bundesrepublik gekonnt aus den „Augen verloren“ wurden. Doch aus den Augen bedeutet nicht aus dem Sinn und so macht sich Wirtschaftsminister Brüderle von der FDP derzeit daran, das Feuer um die Ökosiegel für Automobile neu zu entfachen.

Seine gedachten Ausführungen zur Ermittlung der Effizienzklassen von A bis F stoßen dabei auf eine ganze Flut an Proteststimmen. Die Idee, Kunden mehr Aufschluss über die Energieeffizienz einzelner Modelle zu geben, läuft nach Ansicht von Unweltverbänden und Verkehrsclubs eher unter einem grünen Deckmäntelchen. Schaut man sich die Einteilung nach der Berechnung Brüderles einmal genauer an, so erweckt diese wohl eher den Eindruck Spirtschleudern in „Greencars“ umwandeln zu wollen. Der 380 PS starke Porsche Cayenne Hybrid mit einem CO2 Ausstoß von 193 Gramm pro Kilometer erhält etwa, ebenso wie der leistungsstarke Audi Q7 3.0 TDI mit 195 Gramm pro Kilometer, die zweitbeste Effizienzklasse B. Emissionsarme und zudem spritsparende Fahrzeugen wie der Citroen C1 oder der Peugeot 107 mit nur 106 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer und einem Miniverbrauch von 4,5 Litern Benzin auf 100 Kilometer, erhalten aber ein D. Eine recht merkwürdige Formel, die hier zur Berechung herangezogen wird und dem Kunden auf einen Blick offenbaren soll, welcher Wagen zu den Sparmobilen gehört!

Nach den Gedanken des Wirtschaftsministers dürfen nämlich Flaggschiffe mehr CO2 ausstoßen als Kleinfahrzeuge und gehen trotzdem mit einer Top-Bewertung in die Ökolabel Annalen ein. Grund dafür ist die Einbeziehung des Leergewichts in die Berechnungen – je schwerer die Karosse, desto mehr Kohlendioxid dürfen sie in die Luft pusten, ohne dabei auf eine gute Energieklasse verzichten zu müssen. Die Formel, wie sie derzeit zur Berechnung herangezogen wird, dürfte aber wohl nur einen Gewinner hervorbringen. Die Erbauer schwergewichtiger Dickschiffe! Zumindest erfüllt die Einführung der Energieeffizienzklassen für Automobile in dieser Form nicht ihren eigentlichen Zweck, nämlich ebendiese verbrausstarken Dickschiffe auf Dauer vom Markt zu verbannen und durch sparsamere Modell zu ersetzen.

Judith Schomaker

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