Neue Mitfahrzentrale BlaBlaCar

Tramperin

Deutschland ist ein Mekka des kollektiven Autoreisens. Doch die Zeiten, in denen an städtischen Ausfallstraßen mit Rucksäcken bepackte Daumenausstrecker selbstgemalte Pappschilder mit Aufschriften wie „Köln“ oder „Richtung Brno“ hochhielten sind (fast) vorbei. Heute reist man bequem via Social Networking, zwar nicht kostenfrei, aber doch preisgünstig und benzinsparend. Auch die zwischenmenschliche Komponente kommt nicht zu kurz bei den beliebten Mitfahrgelegenheiten. Zu den Anbietern im deutschsprachigen Raum gesellt sich seit neuestem Europas Marktführer auf dem Gebiet: BlaBlaCar.

35 Euro kostet die Fahrt von Hamburg nach Paris und 65 Euro aus dem verregneten London ins sonnige Rom. Billiger geht’s kaum. Dabei spart man nicht nur Geld und macht interessante Bekanntschaften, man teilt sich auch den CO2-Ausstoß. Warum sollten auch fünf Leute, die alle von Freiburg nach München wollen, in fünf verschiedenen Autos sitzen und fünfmal so viel Benzin verbrauchen, wenn sie sich doch ein Auto bequem teilen könnten. Platz genug ist meistens. BlaBlaCar bietet ebenso wie die bekannte Mitfahrgelegenheit oder die Mitfahrzentrale ein Portal für Fahrer und Mitfahrer, auf dem diese sich finden und verabreden können. Dabei liegt der Fokus der Plattform auch auf innereuropäischen Strecken, also ins Ausland. 2006 wurde das Unternehmen gegründet und ist inzwischen in zehn Ländern präsent.

Für die Nutzer ist BlaBlaCar kostenlos, sicher und spielend einfach. Anmelden, Fahrt eintragen, Mitfahrer finden oder umgekehrt suchen. Die Reisenden verabreden sich dann und teilen die Fahrkosten. Anders als andere Anbieter setzt das Unternehmen allerdings Preisgrenzen. „Da wir die möglichen Preise nach oben deckeln, ist Abzocke ausgeschlossen“ erklärt der deutsche Geschäftsführer Olivier Bremer. „Bei BlaBlaCar steht klar der Communitygedanke im Vordergrund. Wir geben dem Markt eine Plattform, auf der eben nicht nur Angebot auf Nachfrage trifft, sondern sich echte Menschen, die möglicherweise stundenlang nebeneinander im Auto sitzen, erst einmal kennenlernen können.“

Anhand von persönlichen Profilen können sich Fahrer und Mitfahrer schon vor der Fahrt miteinander bekannt machen. Foto, Autotyp, Alter, Interessen und Bewertungen anderer User – das alles sind Informationen, die neben dem Preis als Auswahlkriterien in Frage kommen. Sogar die Gesprächsfreudigkeit wird abgefragt, Menschen, die gern miteinander reden und solche die lieber miteinander schweigen, können sich da völlig problemlos zusammensortieren. Und die bekannten ‚Telefonnummernabstauber‘ oder die ‚Sitzenlasser‘ haben es auch nicht so leicht. Um Enttäuschungen vorzubeugen, ist die Angabe einer verifizierten Mobilfunknummer Pflicht.

Europaweit hat das Unternehmen monatlich rund eine halbe Million Nutzer mit steigender Tendenz. Olivier Bremer freut das. Teilen werde in Zukunft einen größeren Stellenwert bekommen. „Mit dem Trend zum Tauschen ändert sich vor allen Dingen unser Blick auf die Wichtigkeit von Eigentum. Menschen, die teilen, sind oftmals fröhlicher, freundlicher und netter. So wie unsere Mitglieder“, meint er schmunzelnd.

Josephin Lehnert

1 Kommentar