Städter setzen Trends

Vergleicht man die Mobilität gegen Ende des 20. Jahrhunderts mit den jetzigen Fortbewegungsmöglichkeiten und -Gewohnheiten, so entstehen zwei völlig unterschiedliche Profile: Während in den 80er und 90er Jahren Karosserien mit immer mehr Pferdestärken und einer immer komfortableren Ausstattung auf die Straßen gebracht wurden, verliert heutzutage das Auto verstärkt den Wert als Statussymbol.

Trendsetter sind die Bewohner großer Metropolen. Sie legen bei der Fahrzeugwahl häufig Wert auf Ökologie und Sparsamkeit oder verzichten völlig auf ein eigenes Kraftfahrzeug. Anfang Juni sorgte eine Meldung des Statistischen Bundesamts in Deutschland für Furore: Dreißig Prozent der Haushalte in großen deutschen Städten (ab 500 000 Einwohnern) setzen allein aufs Rad. Jene Gruppe besitzt weder ein Auto noch ein Motorrad. In kleineren Gemeinden (bis 5 000 Einwohner) sind es immerhin vier Prozent.

Eine gut ausgebaute Infrastruktur im Öffentlichen Nahverkehr sowie eine große Anzahl an Carsharing-Modellen machen es heute möglich, nicht mehr auf einen eigenen PKW angewiesen zu sein. Insbesondere Großstädte bieten diesen Luxus für ein überschaubares Budget in jede Ecke des Stadtgebiets zu gelangen – und dies häufig sogar bedeutend schneller als mit dem Auto. So werden sowohl Verkehrsadern als auch Umwelt dauerhaft entlastet.

Ein Zehnjahresvergleich zeigt, dass der Anteil der Haushalte, die nur über Fahrräder verfügen, in den deutschen Städten ab 500 000 Einwohnern steigt: Im Jahr 2003 hatte deren Anteil noch bei zweiundzwanzig Prozent gelegen – acht Prozentpunkte unter dem heutigen Wert.

Kopenhagen gilt als einer der Vorreiter der Fahrradbewegung. Breite Radwege und grüne Wellen speziell für Velos machen dort das Radeln zum entspannten Vergnügen. Seit 1973 wird in Kopenhagen das Radfahren in der Stadt gefördert, mittlerweile gibt es sogar eine dänische Fahrrad-Botschaft, die Cycling Embassy of Denmark, die die Fahrradlobby weltweit mit dem Kopenhagener Beispiel beim fahrradfreundlichen Ausbau von Städten unterstützt.

Ein weiteres Beispiel ist New Yorks Stadtteil Manhattan. Manhattans Bürgermeister Michael Bloomberg ist es zu verdanken, dass die Metropole inzwischen mehr als 400 Kilometer an Radwegen verzeichnen kann. Im Mai startete Manhattens große Bike-Sharing-Aktion, die Tausende Leihräder für Kurzentschlossene anbietet, die keine Lust mehr auf Staus haben und trotzdem schnell durch die Straßen an ihr Ziel gelangen wollen. Auch für Touristen ist die Erkundung der Halbinsel per Fahrrad eine bequeme und schnelle Alternative als die Stadttour per Bus oder zu Fuß.

Aber auch bei den motorbetriebenen Fortbewegungsmitteln hat sich einiges getan: Elektroautos sind aus der norwegischen Hauptstadt Oslo nicht mehr wegzudenken. In der Wikingerstadt gibt es immer mehr Einwohner, die sich für „Stromer“ entscheiden. 2013 waren es zirka sieben Prozent, die die urbanen Straßen befuhren. Begünstigt wurde der Trend durch eine staatliche Förderung von Elektroautos.

Eines zeigt die Entwicklung klar: Die Mobilität von Morgen wird in den großen Städten erfunden.

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