Mobilität statt Automobil

Das Auto verliert für junge Erwachsene allmählich seine Rolle als Statussymbol. Besonders in Großstädten setzen die jungen Leute auf andere Mobilitätsangebote. So waren im vergangenen Jahr nur noch sieben Prozent aller Neuwagenkäufer zwischen 18 und 29 Jahre alt. Vor zehn Jahren lag ihr Anteil noch bei etwa 17 Prozent. Die ersten Hersteller versuchen nun, sich diesem Trend anzupassen und testen neue Geschäftsmodelle.

car2go

Seit Ende Oktober 2008 läuft in Ulm die erste Pilotphase des von der Daimler AG entwickelten Mobilitätskonzepts „car2go“. Hierbei stehen im gesamten Stadtgebiet flächendeckend smart fortwo-Fahrzeuge bereit, die rund um die Uhr von jedem Interessenten gemietet werden können. Nach einmaliger, kostenloser Registrierung haben die Kunden die Möglichkeit, spontan oder mit Vorbuchung auf die Fahrzeuge zuzugreifen und diese beliebig lange zu nutzen. Dabei sieht das Konzept vor, dass innerhalb weniger Gehminuten immer zuverlässig ein freies Fahrzeug bereit steht. Der Kunde steigt ein, kann sofort losfahren und stellt den Mietsmart nach Fahrtende einfach auf einen gebührenfreien Stellplatz innerhalb des Stadtgebiets zurück. Die anfallenden Kosten einer Leihe belaufen sich auf 19 Cent pro Minute inklusive Nebenkosten. Wer das Auto den ganzen Tag nutzt, zahlt maximal 49 Euro.

Innovation aus Frankreich

Peugeot will vom Autobauer zum Mobilitätsanbieter werden. Mit dem Projekt „µ“ (gesprochen „mü“) macht das Unternehmen den ersten Schritt in diese Richtung. Peugeot-Händler, die an dem Projekt teilnehmen, bieten neben Verkaufsobjekten auch Autos, Fahrräder und Motorroller zum Mieten an. Wer einen Roller ausleihen möchte, zahlt 17 Euro pro Tag. Für einen Kleinwagen fallen Gebühren in Höhe von 56 Euro am Tag an, für Fahrräder fünf Euro. Während das Projekt in Berlin, London, Rom, Madrid und Amsterdam erst bis Mitte des Jahres an den Start gehen soll, wurde es im Peugeot-Heimatland Frankreich bereits in Paris, Brest, Nantes, Rennes und Lyon eingeführt.

Vorteile für die Umwelt

Für die Umwelt haben derartige Mobilitätskonzepte klare Vorteile. Um die eigenen Kosten möglichst gering zu halten, haben die Hersteller ein Interesse daran, möglichst langlebige sowie wartungs- und entsorgungsfreundliche Fahrzeuge zu fertigen. Außerdem bemühen sie sich, die Anzahl der im Gebrauch befindlichen Autos auf ein Minimum zu reduzieren und Fahrzeuge mit möglichst geringem Spritverbrauch zu bauen.

Global Entlastung bleibt aus

In der Praxis bedeutet die Zunahme solcher Mobilitätskonzepte in autoreichen Ländern allerdings erst einmal keine globale Umweltentlastung. Denn wie das Onlinemagazin der Financial Times Deutschland zeigt, werden die noch weniger stark ausgeprägten Automärkte in Indien, Russland, China, Vietnam, Brasilien, und der Türkei den nächsten Jahren extrem boomen.

Corinna Lang

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