Lügen tanken

Emissionen reduzieren ist kein Ziel der deutschen Autolobby

Nach einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) beträgt die Differenz zwischen dem angegebenen Spritverbrauch von PKWs von Seiten der Hersteller und des tatsächlichen auf der Straße bis zu durchschnittlich achtunddreißig Prozent. Was der eine oder andere umweltbewusste Fahrer hierzulande schon immer vermutet hat, nämlich dass die deutsche Automobilindustrie alles andere als begeistert ist von der grünen Mobilität, bewahrheitet sich jetzt.

Laut Deutscher Umwelthilfe sind deutsche Karossen bei der Abweichung ganz vorne. Beim Audi A6 waren es sogar fünfzig Prozent, bei der Mercedes E-Klasse 45 Prozent. Knapp dahinter der 5er BMW. Das Modell brachte es auf 40 Prozentpunkte Differenz.

Wer seit der Jahrtausendwende das Agieren der deutschen Autolobby beobachtet hat, ist von diesen Zahlen weniger beeindruckt. Immer wieder wurde massiv auf die Politik Einfluss genommen. Der Quandt-Clan, Haupteigentümer von BMW, hat erst gar nicht versucht, die 690.000 Euro-Spende auf das CDU-Konto zu vertuschen. Besonders heikel: Gerade als der Geldfluss stattfand, wurde in Brüssel um einen einheitlichen CO2-Grenzwert für Neuwagen gerungen. Wenn verwunderts: Auf massive Einflussnahme der Deutschen hin wurden die Grenzwerte gelockert und deren Gültigkeit auf Ende 2020 verschoben.

Die im Jahr 2006 in Heiligendamm zur „Klima-Kanzlerin“ ausgerufene Angela Merkel vertritt heute eine Politik der grün-gefärbten Worthülsenmaschinerie. Das vor Kurzem beschlossene Elektromobilitätsgesetz ist seines Namens nicht wert. Es dient vielmehr als Alibi-Funktion eines planlos agierenden Verkehrsministers, der das Jahrhundertwerk „Maut“ gerne auf seine Fahnen schreiben möchte.

Mit dem Gros der Medien haben Regierung und Autoindustrie einen recht angenehmen Partner. Wenn es nun mal keine Alternative zu den jetzigen Motoren gibt, dann ist es ebenso. Bei dem Thema Elektromobilität ist es wie mit der Energiewende: Es wird ins gleiche Horn geblasen. Macht es den Redakteuren doch weniger Aufwand und Mühe. Der kritische Journalismus geht schwierigen Zeiten entgegen, und wer behauptet, dass Elektromobilität nicht funktioniere, sollte sich einmal den Autobauer Tesla aus Kalifornien anschauen. Übrigens: Gerade bauen die Kalifornier ein geschlossenes Tankstellen-Netz durch deutsche Lande. Erst vor ein paar Tagen ist am Irschenberg, an der A8, eine großflächige Supercharger-Aufladestation für den Tesla eröffnet worden. Am selben Platz steht fast etwas hilflos eine Ladestation von E.ON. Nach Aussagen des Tesla-Betreibers in einer lokalen Zeitung haben inzwischen mehr Tesla-Elektroflitzer bei ihm getankt als andere E-Modelle das ganze Jahr über beim Nachbarn E.ON.

Diese Tatsache steht als Symbol für eine Prophezeiung: In zehn Jahren wird die Elektromobilität an den deutschen Marken vorbeigerast sein. Arroganz und – nach den neuesten Enthüllungen – Dreistigkeit, haben ihriges dazu getan.

3 Bemerkungen

  • Solange wir Autofahrer Fahrzeuge mit hohem Verbrauch kaufen (gilt übrigens auch für Firmenfahrzeuge), wird sich nichts ändern.
    Wir sollten uns auch im Fahrverhalten ändern und können so viel Treibstoff sparen.
    Dass die Regierung kein Interesse an sparsamen Autos hat, ist doch klar, denn sie nimmt die hohen Steuern ein.
    Es muss meiner Ansicht nach ein generelles Umdenken stattfinden.

  • Ich fahre meinen A6 Avant 2,7 lTDI seit 5 Jahren. Im Schnitt benötigte ich in der Zeit 7,8 Liter Diesel pro 100 km (Herstellerangabe 7,5l/100km), das sind lediglich 4% mehr. Darin sind überwiegend Autobahnkilometer aber auch Wohnanhängerbetrieb. 50% mehr kann ich nur mit Wohnanhänger oder konstant 180km/h auf der Autobahn erreichen.

  • Da gibt es natürlich fragliche Perspektiven. Wer testet das der Verbrauch so weit über den Angaben des Automobilherstellers liegt? Wenn die fahrenden Personen dem Durchschnittsfahrer nahe kommen, dann ist ja alles klar, denn da läuft beim Schalten einiges schief.
    Was wäre denn wenn man unter dem Wert lege?
    Fakt ist, das 9 von 10 Autofahrern nicht wissen wie man umweltbewusst schaltet.

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