Ladeinfrastruktur und intelligente Stromnetze: ein Muss für Elektromobilität

Elektroauto

In Zusammenarbeit mit Siemens und mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie veranstaltete die Bayern Innovativ GmbH am 30. März 2011 ein Symposium mit dem Thema „Smart Grids & Elektromobilität“. Hochrangige Vertreter der Industrie, Politik, Wissenschaft und insgesamt 250 Experten folgten der Einladung ins Siemens Forum in München.

Ziel des Symposiums war es, Kooperationen aller Akteure im Bereich Smart Grids und Elektromobilität zu initiieren.

Der Einführung durch Prof. Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer, Bayern Innovativ, und Begrüßung durch Wolfgang Dehen, Mitglied des Vorstandes, Siemens AG, folgte die Eröffnungsrede des bayrischen Wirtschaftsministers Martin Zeil über die Säulen bayerischer Wirtschafts- und Technologiepolitik.

Prof. Dr. Gernot Spiegelberg, Vice President Corporate Technology, Siemens AG, übernahm die Moderation der Präsentationen. Diese wurden unter anderem gehalten von Franciscus van Meel, Leiter Elektromobilitätsstrategie, Audi AG, Ulrich Kranz, Leiter Project i,  BMW Group in München, Prof. Dr. Leo Lorenz, Senior Principal Neue Technologien, Infineon Technologies und Steffen Frankenberg, VP, DHL Deutsche Post, DHL Solutions & Innovations.

Präsentiert wurden Innovationsfelder wie Fahrzeugkonzepte, Mega Cities, die Vernetzung von Kompetenzen, Strategien und eine Zukunftsvision im Zeichen der Mobilität, die von Jürgen Mayer, J. Mayer H. Architekten,vorgetragen wurde.

Dr. Egon Westphal, Mitglied der Geschäftsleitung der Eon AG, referierte über Herausforderungen und Chancen für die Netzbetreiber. Er betonte, dass die Netze eine entscheidende Rolle für die Realisierung einer flächendeckenden Elektromobilität einnehmen. Seiner Ansicht nach erfordert die notwendige Ladeinfrastruktur ein gut ausgebautes intelligentes Stromnetz. Auf die Frage, welche Geschäftsmodelle die Energieversorger mit Smart Grids und Elektromobilität verbinden, gestand Westphal ein, dass dieser Punkt noch nicht vollständig geklärt sei. Laut Westphal sehen sich die Energieversorger aber in der Pflicht, an den Themen Smart Grid und Elektromobilität mitzuarbeiten, da sie an der Entwicklung der Strategien und neuer Geschäftsfelder beteiligt sein müssen.

Dr. Richard Hausmann, der als CEO für den Bereich Smart Grid Applications bei Siemens verantwortlich ist, präsentierte den heutigen Stand intelligenter Stromnetze mit einem Ausblick auf künftige Entwicklungen. Hausmann glaubt an das Konzept der Micro-Grids und die Einspeisung über Solar-Energie. Wichtig ist seiner Ansicht nach die Realisierung einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur, die über Micro-Grids möglich ist. Auch Hausmann bestätigte, dass es in der ganzen Diskussion um Smart Grids noch an darstellbaren Geschäftsmodellen fehle. Auch der Nutzen von Smart Grids für den Verbraucher sei noch nicht vollständig herausgearbeitet. In den USA, wo es bereits laufende Geschäftsmodelle gibt, ist man laut Hausmann schon weiter.

Über mögliche Geschäftsmodelle sprach das Redaktionsteam des CleanEnergy Projects nach dem Symposium auch mit Smart Grid Experte Jean-Philippe Faure, dem Vorsitzenden der IEEE-SA 1901-Arbeitsgruppe und CEO von Progilon. Das Potenzial für neue Geschäftsfelder und Märkte ist laut Faure sehr groß. Smart Meter, auch wenn sie derzeit viel in der Diskussion stünden, würden nur einen geringen Anteil des ganzen Spektrums abbilden. Intelligente Netze könnten neben der optimierten Verteilung und Abnahme des elektrischen Stroms auch zur Übertragung von Computer- und Multimedia-Daten genutzt werden und diversen Branchen neue Märkte öffnen. Der Sprecher der Standards Association des weltgrößten Verbandes für Elektronik und Informatik, IEEE-SA, ist überzeugt, dass Smart Grids, die auf Standards wie IEEE-SA 1901 basieren, neue Möglichkeiten eröffnen, über Breitbandnetzwerke Dienste wie Energiemanagementservices, Fernwartung, Remote Security sowie eine intelligente Vernetzung elektronischer Geräte in Smart Homes – die eine Steuerung und Kontrolle über ein Smartphone erlauben – anzubieten und vieles mehr ermöglichen. Seitens der Industrie muss dazu noch einiges getan und vor allem an gemeinsamen Standards gearbeitet werden.

In diesem Punkt stimmten auch die Experten des Symposiums in München überein. Kooperationen, gemeinsame Konzepte und Industriestandards sind eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Smart Grids und der Elektromobilität.

Auch wenn die verschiedenen Industrien noch zusammenfinden müssen, wecken Ziele wie eine Million Elektroautos bis 2020 Erwartungen mit Aussichten auf neue Märkte. Auch in der futuristischen Zukunftsvision von Jürgen Mayer, J. Mayer H. Architekten, war dies spürbar. In Mayers Welt erfährt das Auto eine Evolution in der es vom Transportmittel zu einem interaktiven Erlebnisraum mit mannigfaltigen Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten mutiert. In seiner Vision treffen die Industrien Transport, Unterhaltung, Energie und Kommunikation in einer multimedialen Welt zusammen.

Welche Visionen und Geschäftsmodelle sich in den kommenden Jahren durchsetzen, wird sich zeigen. Welchem Wandel sich die Automobilindustrie unterziehen muss, darüber kann spekuliert werden. In der Presskonferenz des Symposiums war leider kein Vertreter der Automobilindustrie zugegen, um auf diese Frage antworten zu können.

Ralf Hartmann

3 Bemerkungen

  • Ist ja toll, noch eine Konferenz, die nur redet und überlegt, was alles in Zukunft gehen kann. Wir von der Genossenschaft “die starken 5 eG” sind da schon einen Schritt weiter. Wir gehen das Thema mit dem Projekt “EL NOVO” an und werden bis ins Jahr 2020 die Region der fünf Städte und Landkreise Coburg, Kronach, Lichtenfels (Bayern) sowie Hildburghausen, Sonneberg (Südthüringen) mit einer Infrastruktur an E-Tankstellen installieren. Darüber hinaus werden regionale Akteure aus allen Bereichen in das Projekt mit eingebunden und für alle Win-Win-Situationen geschaffen. Was uns im Augenblick fehlt sind Investoren, die bei der Projektarbeit mitwirken und ihre Kompetenzen mit einbinden. Das heißt: auf etwa 3200 qkm Fläche mit etwa 450.000 Einwohnern wird ein integriertes Nahverkehrskonzept mit E-Fahrrädern, E-Motorrädern und E-Autos im Carsharing entwickelt, das sowohl Unternehmen, Kommunen, Privathaushalte sowie touristische Einrichtungen einbinden wird. Wir denken interdisziplinär, in Netzwerken und nachhaltig.
    Dabei ist das Problem in Deutschland nach wie vor, dass kaum Visionäre vorhanden sind, sondern in den meissten Fällen “Bänker”, die nur über nackte Zahlen nachdenken.
    Mit dem Projekt EL NOVO werden Erfahrungen in der Fläche gesammelt und nicht nur in Großstädten.
    Denn eines ist sicher! Solange die Infrastruktur an E-Tankstellen nicht vorhanden ist, solange können die Autohersteller keine E-Cars verkaufen.