Iveco und die Zukunft des Schwerverkehrs

Karl-Martin Studener, Geschäftsführer der Iveco Austria GmbH, im Expertengespräch mit dem CleanEnergy Project. Unsere Gesprächsthemen: die neue Sattelzugmaschine Ecostralis, die generellen Chancen elektrisch betriebener Nutzfahrzeuge in Europa und die langfristige Entwicklung des Schwerverkehrs.

Auf der Transport Logistic 2011 präsentiert Iveco die neue Sattelzugmaschine Ecostralis. Die internationale Fachmesse für Logistik und Mobilität findet von 11. bis 13. Mai in München statt. Iveco ist ein italienischer Hersteller von Nutzfahrzeugen. Das Unternehmen forciert laufend die Weiterentwicklung alternativer Antriebssysteme. Der Fokus des Konzerns liegt dabei auf einer Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen.

Herr Studener, worin liegen die charakteristischen Stärken des Ecostralis?

Der Ecostralis ist eine verbrauchsoptimierte Sattelzugmaschine für den Fernverkehr und schöpft einfach zu realisierende Potenziale zur Kraftstoffeinsparung aus. Das geschieht beispielsweise durch präzise Windleitsysteme und die Reduzierung der Drehzahl bei Autobahnfahrten.

Das Fahrzeug verfügt über eine Vollausstattung für den Fernverkehr und ist preislich sehr attraktiv. Dazu bieten wir die beiden modernsten Sicherheitssysteme, den Abstandswarner und den Spurhalteassistent, im Paket für nur 2.500 Euro an. So ein Angebot gab es am Markt bisher noch nie.

Iveco baute bereits vor 25 Jahren das erste Nutzfahrzeug mit reinem Elektroantrieb. Haben elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge hier in Europa überhaupt eine realistische Chance, jemals das klassische Schwerfahrzeug zu ersetzen?

Das elektrisch betriebene Nutzfahrzeug hat für ganz bestimmte Einsatzprofile seine Berechtigung und Zukunftspotenzial. In der City und in Altstadtzonen ist ein Nutzfahrzeug ohne Lärm- und Abgasemissionen wichtig und richtig.

Iveco bietet als einziger Hersteller bereits jetzt solche Fahrzeug an. Dabei handelt es sich um den Daily Electric mit einem Gesamtgewicht von wahlweise 3,5 oder fünf Tonnen.

In welche Richtung geht die allgemeine Entwicklung bei Iveco? Welche besonderen Schwerpunkte gibt es für die kommenden Jahren?

Die Entwicklungsschwerpunkte gehen immer in Richtung Wirtschaftlichkeit. Dabei sind die Sicherheit und die Umweltfreundlichkeit wesentliche Bausteine.

Wichtige Punkte sind die aktive und die passive Sicherheit, ohne dadurch das Fahrzeuggewicht zu erhöhen. Die Erfüllung der sich laufend verschärfenden gesetzlichen Emissionsgrenzwerte, die Lärmreduktion und die Verlängerung der Wartungsintervalle, um möglichst wenig Ressourcen zu beanspruchen, sind nur einige unserer Entwicklungsziele.

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des europäischen Markts für Nutzfahrzeuge ein? Zeichnet sich hier ein langfristiger Trend zum umweltschonenden Schwerverkehr ab?

Der kostengünstige Transport ist das wesentliche Erkennungsmerkmal einer hochentwickelten Wirtschaft und Gesellschaft. Wer die Transporte durchführt und mit welchem Verkehrsträger dies geschieht, ist weniger relevant. Entscheidend ist, dass Menschen und Güter transportiert werden.

In diesem Szenario wird es immer Platz für Lastwagen geben. Heute sind das verbrauchs- und emissionsoptimierte, dieselbetriebene Fahrzeuge. Diese werden durch Elektro- und Hybridfahrzeuge sowie durch erdgasbetriebene Lastwagen für spezielle Einsatzprofile ergänzt. Dabei sind die Hersteller in der Pflicht, die besten Technologien einzusetzen.

Herr Studener, herzlichen Dank für das Gespräch.

Joachim Kern

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