Irrwege

Elektroauto Gipfel

Ein Kommentarvon Thomas Ludwig zum Elektroauto-Gipfel

Angela Merkel hatte sich am 3. Mai mit Größen der Auto- und Energiebranche zum Elektromobilitätsgipfel getroffen. Es sollte der Startschuss zur deutschen Großoffensive werden. Dachte man. Die Ergebnisse enttäuschten. Neue Fördergelder verteilte die Bundeskanzlerin nicht. Ansonsten standen Show-Effekte im Vordergrund.

Der Bund blieb in seinen Aussagen genauso vage wie die Industrie. Die Frage etwa, wer genau was bis wann fördert und entwickelt, wurde in Arbeitsgruppen abgeschoben. Eine deutsche Untugend: tagen, schwierig machen, Schere in den Kopf, statt handeln.

Während Japaner bereits marktreife – aber freilich immer noch sehr teuere – Elektroautos präsentieren, während Amerikaner, Chinesen und Franzosen in Forschung und Entwicklung klotzen, beschwor man in Berlin die große Tradition deutschen Automobilbaus. Wir stehen aber vor einem der größten Paradigmenwechsel in der Automobilität. Da kommen wir mit Traditionen und früheren Erfolgen nicht weiter. Ich denke, dass wir dringend mehr Lobbyisten für E-Mobility brauchen, die mit Vehemenz, Kompetenz, Visionen und glühenden Herzen den neuen Weg bereiten.

Jetzt kommt „Biosprit“ E10, wann kommt E30?
Ein Haupttreiber zur baldigen Einführung der Elektromobilität sollte die dadurch erreichte Minimierung des Umweltkillers „Biosprit“ sein. Neueste Studien der britischen Regierung besagen, dass schon in nur 20 Jahren die Erdölexploration eine stark fallende Tendenz aufweisen wird. Das Ende der privatwirtschaftlichen Nutzung von Erdölprodukten ist also schon zu sehen. Dies forcieren unter anderem die enormen Verbräuche der Schwellenländer. Allein die Zahlen in China sprechen für sich:

• Anzahl der Pkw im Jahr 2008: zirka 35 Millionen – geschätzte Anzahl für 2013: zirka 86 Millionen
• Verbrauch an Benzin im Jahr 2008: zirka 64 Milliarden Liter – geschätzter Verbrauch für 2013: zirka 157 Milliarden Liter

Die EU fordert wohl deshalb eine Anhebung des Grenzwertes von in Benzin enthaltenem Biosprit, auf zehn Volumenprozenten bis Ende 2010. Trotzdem müssen wir aber realisieren, dass schon der Benzinpreis für den Privatkunden eine recht unangenehme und für ihn wahrscheinlich kaum noch bezahlbare Richtung einschlagen wird.

Wir brauchen ganzheitliche Alternativen
Die Antwort heißt E-Mobility – weg vom Otto Motor, hin zum Elektromotor. Als Benzinersatz spielt Biokraftstoff in den USA und Europa heute bereits eine wichtige Rolle. Mineralölfirmen prognostizieren bereits schon mittelfristig einen Anteil von dann 30 Prozent. Das auch als Kraftstoffethanol bekannte Produkt wird dort vor allem aus Mais hergestellt, der in den USA und in Mexiko in großen Mengen angebaut wird. Die Produktion von Ethanol war deshalb bisher für Mais optimiert. In Europa ist es Getreide wie Weizen, Gerste und Roggen. Mexiko muss nun aber perverser Weise Verzehrmais importieren.

Völlig aus dem Ruder gerät die globale Wasserbilanz durch neuere Entwicklungen bei den Biokraftstoffen. So werden für die Herstellung von einem Liter Bioethanol als Kraftstoff aus Mais zirka 3.000 Liter Wasser benötigt! Da immer mehr Mais für diese Zwecke angebaut wird, hat sich dessen Preis auf dem Weltmarkt fast verdreifacht. Eine Beimischung von zirka 30 Prozent Ethanol zum Benzin bedeutet einen Bedarf von zirka 330 Milliarden Litern. Um diesen Bedarf zu erzeugen brauchen wir also rund 990 Billionen Liter Wasser.

Ich denke, dass wir mit dem Konzeptansatz: weg vom Ottomotor, hin zum Elektromotor absolut richtig liegen.

Nachfolgende Vorteile ergeben sich für uns aus der E-Mobility:
1. Wir machen uns bezüglich fossiler Brennstoffe von Einflüssen der Industrie, der Politik und den Förderländern frei – wir produzieren Strom selbst, und exportieren sogar.
2. Wir lindern Hunger in den Schwellen- und Entwicklungsländern, und vermeiden irreversible Schäden an der Umwelt (Anbau von Getreide, Mais, Soja, etc.). Allerdings nicht zur Herstellung von Nahrungsmittel, sondern zur Herstellung von Kraftstoffen.
3. Keine Feinstaub- und CO2-Emissionen, kein Gestank, kein Lärm .
4. Kaum noch Wartungskosten
5. Der Betrieb und Unterhalt von Autos wird billiger
6. Wer heute beim Bau von Parkhäusern die Vorbereitung auf E-Mobility, also die Implementierung von Stromladesäulen vergisst,oder bei Bestandsgebäuden nicht nachrüstet, muss wissen, das er ein Gebäude plant oder betreibt, das in zirka zehn Jahren kaum noch Wert hat.
7. Last but not least – unendlich viel Fahrspaß!!!! Ich durfte fast alle Autos mit Elektroantrieb fahren. Deshalb kann ich sagen, sie sind dem Otto Motor in punkto Agilität weit überlegen. Nicht nur der Tesla, sondern auch alle anderen, im Klassenvergleich. Und auch viel entspannter zu fahren. Es macht Spaß die Umwelt zu retten

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