In der Schwebe: Seilbahnen erobern die Städte

Station GD10 Ankara

Seilbahnen kennt man vor allem aus den Bergen. Doch neuerdings erobern die Gondeln als leises, umweltfreundliches und energieeffizientes Fortbewegungsmittel die Metropolen. In der türkischen Hauptstadt Ankara entsteht ab 2014 die größte urbane Seilbahn Eurasiens.

Seilbahnen sind eine Antwort auf die wachsenden Verkehrsprobleme des 21. Jahrhunderts. Ob Staus, enge Straßen oder Lärm – sie schweben einfach darüber hinweg, und befördern Menschen unproblematisch, flexibel und barrierefrei von A nach B. In einigen Städten gibt es sie schon seit vielen Jahren: Barcelona, Lissabon, Hongkong oder Singapur etwa trumpfen mit dem luftigen Drahtseilakt auf. In London verbindet seit den Olympischen Spielen 2012 eine Hochseilbahn die Stadtteile Greenwich und Docklands über die Themse hinweg, die „Emirates Air Line“. Koblenz rühmt sich seit der Bundesgartenschau 2011 mit der leistungsfähigsten städtischen Seilbahn weltweit. Und in Hamburg wird derzeit heftig über eine Gondelverbindung zwischen nördlichem und südlichem Elbufer diskutiert.

Ein besonderes Prestigeprojekt soll ab 2014 im türkischen Ankara entstehen. Als größte urbane Seilbahn des eurasischen Kontinents wird sie über insgesamt vier Stationen den Stadtteil Sentepe mit dem Zentrum Ankaras verbinden. Eine kuppelbare Zehn-Personen-Kabinenbahn soll auf 3.204 Metern Länge in beide Richtungen eine Transportkapazität von 2.400 Personen pro Stunde schaffen. Für den Straßenverkehr wird dies eine erhebliche Erleichterung. Zusätzlich schont die Technologie die Umwelt. Wird eine Seilbahn mit Ökostrom betrieben, kommt sie fast an die CO2-Bilanz eines Fahrrads heran. Während einer Fahrt verbraucht ein Passagier etwa so viel Strom wie ein Föhn in fünf Minuten.

Hinzu kommt: Seilbahnen sind eine äußerst Platzsparende Ergänzung zum Straßen- und öffentlichen Personennahverkehr. Es müssen keine aufwändigen Freiflächen geschaffen, Grundstücke enteignet, Naturhabitate zerstört werden. Eine Seilbahn benötigt lediglich ein paar Quadratmeter für die Stationen und die Stützen. Beim heutigen Stand der Technik sind die luftigen Kabinenfahrten auch eine sehr sichere Angelegenheit. Die Besteigung der Schwebebahn in Ankara erfolgt im Inneren der Stützen. Die Gondeln werden in rund 60 Metern Höhe schweben und einen eindrucksvollen Blick über die Stadt bieten. Die Bahn soll täglich zwischen 5.00 Uhr und 23.00 Uhr an 365 Tagen im Jahr in Betrieb sein. Den Bau der Seilbahn in Ankara realisiert Leitner ropeways in Zusammenarbeit mit Primavera Design. Letztere sorgen dafür, dass die Schwebebahn auch optisch ein besonderes Highlight wird.

Josephin Lehnert

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