7.000 Euro Förderung für abgasarme Automobile

BMW

Frankreichs Regierung wagt einen neuen Vorstoß und unterstützt französische Automobilhersteller im harten Kampf um zusätzliche Marktanteile in Europa. Bereits im Jahr 2013 sollen die Zuschüsse für den Erwerb eines Neuwagens mit Elektro- oder Hybridantrieb deutlich erhöht werden. Weitere Zugeständnisse aus Paris zielen darauf ab, den Vormarsch der umweltfreundlichen Automobile zu beschleunigen und zugleich deren Hersteller aus der Krise zu führen.

Wer bekommt das Geld? Im Zuge der kommenden Kabinettssitzung soll beschlossen werden, dass die öffentliche Hand den Kauf eines Elektroautos mit bis zu 7.000 Euro fördert. Für Fahrzeuge mit Hybridantrieb soll die Prämie auf 4.000 Euro angehoben werden.

Bisher konnten die Käufer von entsprechenden Neuwagen in Frankreich mit einer staatlichen Unterstützung von bis zu 5.000 beziehungsweise 2.000 Euro rechnen. In einigen Fällen bedeutet die Neuerung folglich eine Verdoppelung der monetären Anreize für den Endkunden.

Wie hoch sind die Kosten? Industrieminister Arnaud Montebourg schätzt die Gesamthöhe der 2013 zu bezahlenden Prämien auf rund 490 Millionen Euro. Gleichzeitig rechnet Montebourg vor, dass dieser Betrag durch ein komplexes Bonus-Malus-System gänzlich kompensiert werden kann.

Demzufolge werden die Abgaben beim Kauf von Autos mit hohen CO2-Emissionen angehoben. Zugleich sieht der Plan vor, dass die Hersteller die Preise für umweltfreundliche Neuwagen in absehbarer Zeit nicht erhöhen.

Die langfristigen Kosten für die Grande Nation hingegen sind deutlich schwerer abzuschätzen. Erste Entwürfe sehen unter anderem massive Veränderungen des staatlichen Investitionsprogramms vor. Hiernach fallen Frankreichs Automobilindustrie zusätzlich mehrere hundert Millionen Euro zu, die in weiterer Folge in zukünftige Forschungs- und Entwicklungsprojekte fließen sollen.

Frankreichs neues Umweltbewusstsein? Obwohl es auf den ersten Blick so erscheinen mag, hat die sozialistische Regierung Frankreichs nicht unvermittelt ihre Liebe zur abgasarmen Mobilität entdeckt. Vielmehr lässt sich diese Entwicklung als Schuss aus der Hüfte interpretieren, der die angeschlagene Automobilindustrie retten soll.

Langfristig möchte der Staat bei 25 Prozent seiner Neuanschaffungen auf Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb umsteigen. Bei jenen staatlich angekauften Fahrzeugen, welche ausschließlich im innerstädtischen Verkehr zum Einsatz kommen, soll es sich gar ausschließlich um Elektroautos handeln. Parallel dazu erhalten die Konzerne leichteren Zugang zu Fördergeldern sowie zu Krediten.
 
Im Gegenzug erwartet sich Paris jedoch, dass die bereits angekündigten Entlassungen zahlreicher Mitarbeiter der Branche nicht stattfinden. Ebenso werden fixe Standortzusagen der Hersteller eingefordert. So wurde etwa der Sanierungsplan des Marktführers PSA Peugeot Citroën von mehreren Amtsträgern schlichtweg als inakzeptabel bezeichnet. Dieser sah massive Kürzungen der Ausgaben, den Abbau tausender Arbeitsplätze sowie die Auflösung einzelner Standorte vor.

Eine Lösung für Deutschland? Zweifellos ist es begrüßenswert, wenn eine Regierung zusagt, in Zukunft bei der Neuanschaffung von Automobilen besonderes Augenmerk auf Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridantrieb zu legen. Dieses öffentliche Bekenntnis zur abgasarmen Mobilität lassen derzeit viele Regierungen innerhalb Europas vermissen.

Deutschlands Regierung beabsichtigt zwar, mittelfristig zur weltweiten Vorzeigenation für Elektromobilität zu werden. Zugleich jedoch wechselt die deutsche Automobilindustrie die Fahrspur und schlägt einen gänzlich anderen Weg ein. Momentan scheinen sich die Regierungen von Frankreich und Deutschland in einem Kreisverkehr zu bewegen. Bleibt zu hoffen, dass beide die richtige Ausfahrt wählen.

Joachim Kern

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