Herausforderung Elektromobilität

Elektroauto; Bild: shutterstock

Individuelle Mobilität gehört in unserer industrialisierten Welt für viele zu den Grundbedürfnissen: am 1. Januar 2010 waren in Deutschland 50,2 Millionen Kraftfahrzeuge angemeldet, der Bestand von Personenkraftwagen lag bei 41,7 Millionen Fahrzeugen. In der Regel handelt es sich bei diesen um Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die überwiegend mit fossilen Brennstoffen angetrieben werden. Der CO2-Ausstoß dieser Fahrzeuge treibt jedoch den Klimawandel voran; außerdem stößt die Verfügbarkeit der Brennstoffe in absehbarer Zeit an ihre Grenzen. Feinstaubbelastung und Lärmbelästigung sind weitere Negativ-Faktoren der Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb.

Die Elektromobilität wird aus all diesen Gründen von vielen als Lösung für die Zukunft favorisiert. Die daraus resultierenden Herausforderungen an die Auto- und Zulieferindustrie sowie an eine Energieinfrastruktur waren Thema der vom Munich Network organisierten 4. Münchener Cleantech-Konferenz am 2. Dezember 2010.

Kreative Lösungen gefragt
 
Bei der Einführung der Elektromobiltät sind noch viele Hindernisse technischer und logistischer Art zu bewältigen und dementsprechend kreative Lösungen gefragt. Prof. Ulrich Weinberg, Leiter der School of Design Thinking am Hasso Plattner Institut in Potsdam, präsentierte in seinem Eröffnungsvortrag Methoden der kreativen Lösungsfindung und das dafür eigens gestaltete Arbeitsumfeld aus seinem Institutsalltag. Die Studenten werden in kreativen Seminaren mit komplexen Fragestellungen betraut und entwickeln im Anschluss gemeinsam Lösungen, die nicht nur das technisch Machbare und die Wirtschaftlichkeit, sondern auch menschliche Bedürfnisse und Gewohnheiten berücksichtigen. Innovationen werden dabei bereits während des Problemlösungsprozesses regelmäßig auf ihre praktische Anwendung und Akzeptanz überprüft. Im konkreten Fall soll dies verhindern, dass beispielsweise Mobilitätskonzepte entwickelt werden, die anschließend von der Bevölkerung abgelehnt werden.

Entwicklungsstand Elektrofahrzeuge

Um den Stand der Technik bei Elektrofahrzeugen ging es demgegenüber in dem Vortrag „Elektrofahrzeuge – was kann der Kunde von E-Antriebsalternativen erwarten und wo steht die Entwicklung?“ von Dr. Ulrich Bünger, Senior Project Manager und Partner der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH. Er präsentierte dabei die Vor- und Nachteile verschiedener Fahrzeugstypen: So verursachen BEVs (battery electric vehicles), die ausschließlich mit einem Elektromotor angetrieben werden und deren Energie aus einer am Netz aufzuladenden Batterie gespeist wird, keine CO2-Emissionen, wenn ihr Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Dafür eignen sie sich in der Regel jedoch nur für Kurzstecken. PHEVs (plug-in hybrid electric vehicles), die sowohl über einen Verbrennungs- als auch einen Elektromotor verfügen und über längere Strecken auch rein elektrisch fahren können, benötigen dagegen Brennstoffe, die entweder das Klima belasten und auf Sicht begrenzt verfügbar sind, oder – wenn Biokraftstoffe genutzt werden – unter Umständen in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Diesen Fahrzeugen kommt nach Ansicht von Bünger daher nur eine Rolle in der Übergangsphase zu. Eine universell praktikable Lösung sieht Bünger in FCEVs (fuel cell electric vehicles), also Fahrzeugen mit einer Brennstoffzelle als Antrieb für den Elektromotor; Voraussetzung hierfür ist allerdings eine funktionierende Wasserstoff-Infrastruktur.

Paradigmenwechsel in der Mobilität

Der Paradigmenwechsel in der Mobilität hat jedoch noch viel weiter reichende Konsequenzen, die die Entwicklung neuer Geschäftsfelder erfordert. Weitere Präsentationen behandelten daher unter anderem verschiedene Finanzierungs- und Businessmodelle für die Elektromobilität. So referierte zum Beispiel Erwin Burth, Director, Sales Development Manufacturing EMEA bei Autodesk GmbH über Designsoftware für Automobile sowie Energie-Infrastrukturen. Robert Hörmann von der österreichischen Carbo Tech Composites berichtete über den aktuellen Stand der Einsatzmöglichkeiten von Carbon für Elektrofahrzeuge. Michael Bernas, Head of Project Office Global Production, gab einen Einblick in die Herausforderungen, denen sich ein Komponentenhersteller wie Festo im Zusammenhang mit der Elektromobilität stellen muss.

Emotionales Plädoyer für die „Sonnenbahn“

Zum Abschluss der Veranstaltung plädierte Dr. Axel Berg, Gründer der Stiftung „energiewerk“ und Vorsitzender der Eurosolar-Sektion Deutschland, in einer mitreißenden Rede für das Leuchtturmprojekt „Energieallee A7 – Die Sonnenbahn“. Nach diesem Konzept sollen entlang der A7, der längsten deutschen Autobahn, Windkraftanlagen der fünf Megawatt-Klasse errichtet werden. Das Projekt würde 2,2 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs abdecken. Zusätzlich können entlang der Strecke Solar­zellen zur Energiegewinnung installiert werden (beispielsweise an Lärmschutzwänden) – damit könnten die nördlichen (Wind) ebenso wie die südlichen (Sonne) Bundesländer jeweils diejenige natürliche Energie einspeisen, die ihnen vorwiegend zur Verfügung steht. Die gewonnene Energie könnte dann unter anderem direkt vor Ort über für die Elektromobilität genutzt werden.

Corinna Lang

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