Wir können auch anders: Kabellos laden

Kabellose Ladeplattform

Elektromobilität gut und schön, wenn nur das lästige Aufladen nicht wäre, und was, wenn man abends einmal vergessen hat, den Stecker in die Steckdose zu stecken? Von solchen Sorgen sollten ambitionierte Elektroautofahrer nichts wissen müssen, befand der Chip-Hersteller Qualcomm und konstruierte in Zusammenarbeit mit dem französischen Autobauer Renault eine kabellose Ladeplattform für Elektroautos. Die sogenannte Halo-Technik basiert auf induktiver Energieübertragung, bei der die Aufladung berührungslos über ein elektromagnetisches Feld erfolgt. Beim ‚Wireless Electric Vehicle Charging‘ oder kurz WEVC muss das Elektrofahrzeug lediglich über einer Ladeplattform platziert werden, die in den Boden integriert ist. Ein flexibles, gängiges und zukunftsweisendes System.

Anfang November fiel in London der Startschuss für die erste WEVC-Flotte. Insgesamt 50 Fahrzeuge, vor allem Taxis, ausgestattet mit der entsprechenden Ladetechnologie, werden ab jetzt in der Londoner City unterwegs sein, um die Alltagstauglichkeit der Technologie zu testen. Ziel der Projektpartner (zu denen neben Qualcomm und Renault auch Chargemaster Plc, Addison Lee sowie Transport of London gehören) ist es, die Grenzen und Möglichkeiten der Halo-Technik auszuloten und zu untersuchen, wie WEVC in einer Großstadt wie London implementiert werden kann. Natürlich erhofft man sich auch ein konkretes Feedback von den Fahrern der Elektrofahrzeuge und möchte letztlich auf die zukunftsweisenden Möglichkeiten des kabellosen Ladens aufmerksam machen.

Qualcomm-Vizepräsident Anthony Thompson erklärte die Vorteile der Technologie. Der derzeitige Fokus im Elektromobilitätsmarkt liege auf Kosten, Batterien, Reichweite und Gewicht. Wachstumsfaktoren seien zudem einfache Handhabung und das gewisse Etwas. Hier will man ansetzen. In den Köpfen vieler Autofahrer seien Elektroautos unsportliche, unflexible Vehikel mit geringer Reichweite, die ständig umständlich aufgeladen werden müssen. Diesem staubigen Öko-Image will man entgegentreten. So wurden in London unter anderem ein schnittiger Lola Drayson und ein elektrischer Rolls-Royce Phantom mit der Induktionstechnik vorgestellt. Man will zeigen: Elektromobilität kann durchaus cool sein.

Die induktive Ladetechnik funktioniert völlig problemlos und ist bereits in vielen Alltagsbereichen etabliert, man kennt sie etwa von elektrischen Zahnbürsten. Am Fahrzeugboden ist eine Ladespule angebracht, die über der in den Boden integrierten Ladeplattform positioniert wird. Gegenüber Fehlausrichtung und dem Abstand zum Fahrzeug ist das System dabei sehr tolerant. Der Fahrer muss nun nichts weiter tun – das Laden erfolgt ganz automatisch. Die Primärspule in der stationären Ladeplatte erzeugt ein elektrisches Wechselfeld, das Wechselstrom in der Sekundärspule im Fahrzeug induziert und dieses dadurch auflädt. Wenn man nach dem Parken vor dem Supermarkt oder dem Büro wieder ins Auto steigt, ist es bereits fahrbereit aufgeladen.

Die Ladestationen können an beliebigen Standorten installiert werden und sind kompatibel mit unterschiedlichsten Elektrofahrzeugen. Die Technik ist einfach zu installieren, wetterunabhängig und bietet auch einen gewissen Schutz vor Diebstahl und Vandalismus. Auf lange Sicht und bei entsprechender Infrastruktur wäre sogar ein mobiles Laden möglich. Die erste Pilotphase beginnt nun im Herbst 2012. Nach der zwölfmonatigen Testphase werden die Testergebnisse ausgewertet, und mögliche auftauchende Fragen geklärt, etwa, auf welche Weise die Stromkosten abgerechnet werden sollen. Wie und in welchem Stil die Technik zur Marktreife kommen wird, ist bislang noch unklar.

Josephin Lehnert

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