Elektromobilität in Deutschland: War’s das?

Tesla

Derzeit sind hierzulande etwas mehr als 4.500 elektrifizierte Fahrzeuge zugelassen. Im Jahr 2020 sollen rund eine Million Elektrofahrzeuge Deutschlands Straßenbild bereichern. Die Diskrepanz zwischen Realität und Vision wird unübersehbar immer größer. Stehen Fahrzeuge mit Elektroantrieb endgültig vor dem Aus? Ist die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) wirklich gescheitert? Das CleanEnergy Project fasst Tatsachen und Zukunftsbilder zusammen.

Fakten und kritische Stimmen. Exakt 2.984 E-Fahrzeuge wurden in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt in Deutschland neu zugelassen. Tolle Zahlen? Mitnichten! Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen, ist derzeit nur einer von vielen Skeptikern der NPE, des offiziellen Beratergremiums der deutschen Bundesregierung. Der Mobilitätsexperte sieht derzeit keine realistischen Chancen, dass sich Deutschland in den kommenden Jahren zur weltweiten Vorzeigenation für Elektromobilität entwickeln wird.

Die Gründe für das beinahe schon programmiert erscheinende Scheitern mögen zwar vielschichtig sein, Dudenhöffer verfügt jedoch über brisantes Zahlenmaterial. Im Zeitraum von Januar bis Mai 2012 entfielen demzufolge 54 Prozent aller Neuzulassungen für elektrisch betriebene Fahrzeuge auf deren Hersteller oder Händler. Nur 46 Prozent der neu zugelassenen Elektrofahrzeuge können Unternehmen, Vermietern oder Privatleuten zugeordnet werden.

Aktuelle Preissenkungen bei E-Autos sind demzufolge nicht auf neue Kostensenkungen zurückzuführen. Vielmehr kämpfen die einzelnen Hersteller eher darum, die Fahrzeuge doch noch zu verkaufen. Laut Dudenhöffer muss derzeit davon ausgegangen werden, dass in acht Jahren in Deutschland maximal 100.000 Elektrofahrzeuge fahren werden.

Der Fortschrittsbericht der NPE. Naturgemäß sehen dies die Autoren des soeben veröffentlichten dritten Berichts des Beratungsgremiums ein wenig anders. Im Wesentlichen ist diesem zwar zu entnehmen, dass die Zielsetzung, bis ins Jahr 2020 rund eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen, durchaus ambitioniert sei. Dennoch spreche, ein anhaltendes Engagement aller Beteiligten vorausgesetzt, eigentlich nichts dagegen, dieses Ziel dennoch zu erreichen. An einer anderen Stelle des Berichts bremsen die Experten jedoch selbst ein. Hier wiederum ist zu lesen, dass in Zukunft wohl zusätzliche monetäre Anreize erforderlich seien. Anderenfalls würden 2020 lediglich 500.000 bis 600.000 elektrifizierte Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren.

Zugleich sehen die Verfasser den Grundstein dafür gelegt, dass sich Deutschland bis 2020 sowohl zum Leitanbieter als auch zum Leitmarkt für Elektromobilität entwickelt haben wird. Dann soll das Land ebenso bei den notwendigen Schlüsseltechnologien weltweit führend sein. Dazu muss Deutschland jedoch noch die Phase der Marktvorbereitung sowie jene des Markthochlaufs durchlaufen beziehungsweise abschließen. Danach kann das Land in die Entwicklungsstufe des Massenmarkts eintreten und sich in weiterer Folge zum Leitmarkt weiterentwickeln.

Um die Fortschritte dieses Prozesses auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bereitet die deutsche Bundesregierung nun gemeinsam mit der NPE eine internationale Konferenz zum Thema Elektromobilität vor. Diese soll 2013 stattfinden und weitere Impulse für eine breite Diskussion der Thematik liefern. Der vierte Bericht der Berater erscheint im Jahr 2014. Über dessen Inhalt darf aber bereits jetzt orakelt werden.

Joachim Kern

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