Elektromobilität in China lässt auf sich warten

Befahrene Straße in Shanghai

Aufsteigerland China galt als Vorreiter beim Thema Elektromobilität. Doch der Hype hat längst nachgelassen. Auf den Straßen sind weniger Elektroautos unterwegs als angenommen.

Die chinesische Regierung wollte beim Thema Elektroauto innerhalb kürzester Zeit die Nummer eins werden und die großen Autonationen überholen. 16 Großkonzerne hatten ein Bündnis gegründet, das der Staat mit umgerechnet 11,7 Milliarden Euro unterstützt, und dessen Ziel es ist, bis 2015 eine halbe Million Elektroautos auf die Straßen zu bringen. Doch der Konfrontationskurs blieb ohne Wirkung, wie eine Studie von McKinsey belegt.

Die Unternehmensberatung hat dafür die Wirtschaftlichkeit und das Marktumfeld der Elektromobilität in China analysiert und die wichtigsten Entscheider aus Industrie, Verbänden, Politik und Wissenschaft in China befragt. Ergebnis: Seit 2009 wurden in China nur 6.700 Elektroautos verkauft. Das steht in keinem Verhältnis zu den hochgesteckten Plänen. Der chinesische E-Automarkt ist den Kinderschuhen keineswegs entwachsen, trotz konsequenter Industriepolitik, massiver Kaufanreize und ambitionierten Infrastrukturplänen.

Der Grund für das Absatzproblem ist vor allem die geringe Reichweite der E-Mobile. Zwar sind Chinas Autobauer führend bei der Entwicklung von Hochleistungsbatterien, aber bislang ist es keinem gelungen Akkus zu fertigen, die länger als 160 Kilometer halten. Zudem ist man in China vielerorts über die Planungsphase nicht hinaus gekommen. Es fehlt durchweg an Ladestationen. Auch konnten sich die Autohersteller nicht auf einen einheitlichen Standard bei den Steckdosen einigen. Alle E-Mobilhersteller nutzen unterschiedliche Stecker. Hinzu kommt noch, dass Elektroautos auch in China zum Teil unerschwinglich sind.

Als wichtigsten Grund für den schleppenden Absatz nennen die Autohersteller jedoch die starre Fixierung auf die Entwicklung rein batteriebetriebener Autos. Vielversprechender etwa seien sogenannte Range-Extender-Elektrofahrzeuge, also serielle Plug-in-Elektrofahrzeuge, deren zusätzlicher Verbrennungsmotor ausschließlich elektrische Energie zur Batterieaufladung erzeugt. Diese Technologie ist im Vergleich zum reinen Elektroauto oder zum konventionellen Hybridantrieb kostengünstiger und einfacher beherrschbar, wie McKinsey-Partner Christian Malorny erklärt.

Damit würde auch das im Hinblick auf Chinas Klimaschutzziele größte Problem umgangen. Ein Ausbau der Elektromobilität in China hätte keineswegs den gewünschten CO2-Einspareffekt. Anders als proklamiert ist das reine Elektroauto nicht so CO2-neutral wie angenommen. Zwar tragen E-Autos in chinesischen Städten zur Luftverbesserung bei, weil sie keine Abgase erzeugen. Die Emissionen entstehen dafür an anderer Stelle. Denn in China wird Strom nach wie vor größtenteils in Kohlekraftwerken produziert, 2010 lag der Anteil bei etwa 73 Prozent. Ökologisch ist es damit in China immer noch sinnvoller mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor zu fahren als mit einem Elektromotor.

Josephin Lehnert

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