Elektromobilität: Das Märchen von der schlechten Ökobilanz der Elektrofahrzeuge

Ökobilanz der Elektrofahrzeuge
Ökobilanz der Elektrofahrzeuge

Zur Ökobilanz der Elektrofahrzeuge finden sich immer wieder widersprüchliche Einschätzungen. Befürworter von Verbrennungsmotoren führen immer wieder die These an, dass die Ökobilanz eines Elektroautos schlechter sei, als die eines herkömmlichen PKWs.

Diese These lässt sich bei einer näheren Betrachtung nicht belegen. Die Verfechter dieser Ansicht gehen in der Regel davon aus, dass die Produktion der Akkus für den Betrieb von Elektrofahrzeugen nicht CO2-neutral ist. Diese Betrachtung greift zu kurz. Die Emissionen aus der Akkuproduktion können bei einem Elektroauto bereits nach 20.000 Kilometern egalisiert werden, wenn der verwendete Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Zur Klärung der Ökobilanzfrage empfiehlt es sich daher, den gesamten Lebenszyklus eines Elektroautos zu betrachten: von der Produktion, über den Betrieb bis hin zur Entsorgung.

Benziner und Diesel vs. Elektroauto

Was ist also dran, am Vorwurf der schlechten Ökobilanz der Elektrofahrzeuge? US-Forscher ermittelten im Jahr 2015, dass die Produktion eines Elektroautos inklusive Akku acht Tonnen des klimaschädlichen CO2 verursacht. Für die Herstellung vergleichbarer Fahrzeuge mit Benzinmotor errechneten die Forscher sieben Tonnen des Treibhausgases CO2. Der ökologische Nachteil bei der Produktion eines Elektroautos fällt also wesentlich geringer aus, als vielfach angenommen. Mehr noch, sobald das Elektroauto fährt, stößt es im Gegensatz zu einem Benzin- oder Dieselfahrzeug keine giftigen Stickoxide, Benzol oder Kohlenmonoxid aus. Zusätzlich entstehen bei der Stromerzeugung pro Kilometer Fahrleistung signifikant weniger Feinstaub und Stickoxide als bei einem Verbrennungsmotor. In einem ganzheitlichen Vergleich hat das Elektroauto also eindeutig die Nase vorn.

Der Strommix macht’s

Allerdings hängt der Umweltvorteil des Elektrofahrzeugs vor allem mit dem Strommix zusammen, mit welchem der Akku aufgeladen wurde. Die Ökobilanz der Elektrofahrzeuge gegenüber der eines Autos mit Verbrennungsmotor wäre nur dann schlechter, wenn der genutzte Strom zu 100 Prozent aus Kohlestrom gewonnen würde. Das ist aber in Deutschland nicht der Fall. Rund 33 Prozent des Stroms stammen heute aus erneuerbaren Energien, 40 Prozent aus Kohle, 13 Prozent aus Atomstrom und die restlichen 14 Prozent aus Gas und Öl.

Aufgrund des gegenwärtigen Strommixes in Deutschland entstehen pro produzierter Kilowattstunde Strom (KWh) derzeit etwa 555 Gramm CO2. Davon entfallen auf einen durchschnittlich motorisierten Tesla beispielsweise rund 124 Gramm CO2 pro Kilometer. Ein Standard-Benziner erzeugt beim Fahrbetrieb rund die doppelte Menge an Emissionen. Kleinere Elektroautos verbrauchen teilweise nur 78 Gramm CO2 pro Kilometer. Bei diesen Zahlen kann selbst ein Diesel nicht mit einem Elektroauto mithalten. Wird hingegen Strom aus erneuerbaren Energien genutzt, hat das Elektroauto schon nach 20.000 Kilometern eine bessere Ökobilanz – und dass trotz Akkuproduktion.

Der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien wird europaweit in den nächsten Jahren weiter signifikant steigen. So hat die EU-Kommission gerade eine neue Marke für den Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix beschlossen. Bis zum Jahr 2030 müssen über 30 Prozent der in der EU genutzten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Damit wird sich der CO2-Ausstoß bei der Energieerzeugung folglich europaweit weiter verringern.

Lebensdauer

Die durchschnittliche Lebensdauer eines neuen Motors beträgt rund 200.000 Kilometer. Obwohl es bei Elektroautos noch keine Langzeitstudien gibt, zeigt eine Studie des US-Automobilclubs AAA, dass die Akkus der getesteten E-Autos nach acht Jahren und 200.000 Kilometern noch 90-85 Prozent ihrer Akkukapazität vorweisen konnten. Das Modell S von Tesla konnte sogar nach über 300.000 Kilometern noch mit 90 Prozent seiner Akkuleistung aufwarten, trotz vieler Schnellladungen, die bisher als verschleißfördernd galten.

Akkus

Sind Akkus nicht länger für die Verwendung in einem Elektrofahrzeug geeignet, gibt es für die Weiterverwendung oder das Recyceln der Akkus verschiedene Möglichkeiten. Sie können etwa als Zwischenspeicher für Ökostromnetze verwendet werden. Das Recyceln der verwendeten Materialien ist ebenfalls wertvoll. Aufgrund dessen gehen japanische Forscher davon aus, dass die Akkuhersteller große Recyclingfabriken für die Wiedergewinnung der Rohstoffe bauen werden.

Energiewende

Die These, der schlechteren Ökobilanz der Elektrofahrzeuge im Vergleich zu herkömmlichen PKWs hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Elektroautos unterbieten Benziner und Diesel bei weitem in ihrer CO2-Bilanz und es sieht ganz so aus, als würden sie auch länger fahren. Es ist endlich Zeit dieses Märchen zu begraben und die Infrastruktur für erneuerbare Energien auszubauen!

Zum Autor:

Thorsten Preugschas (52) blickt auf rund 15 Jahre Erfahrung in der Solarbranche zurück. Als geschäftsführender Gesellschafter brachte Herr Preugschas die Maaß Regenerative-Energien GmbH in die COLEXON Energy AG ein und schuf damit einen der führenden börsennotierten Projektentwickler im deutschsprachigen Raum. Weitere Informationen über Herrn Preugschas und die SOVENTIX GmbH finden Sie unter www.soventix.com.

Thorsten Preugschas
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