Elektrofahrzeuge: Wie „Öko“ sind sie wirklich?

Hat ein Elektrofahrzeug eine bessere Klimabilanz als ein herkömmliches Auto? Dazu gibt es eine aktuelle Studie.

Elektroautos gelten als wesentlicher Baustein für die Reduktion von klimaschädlichem CO2 im Verkehrssektor. Aber wie klimafreundlich sind Elektroautos wirklich? Schließlich wird noch immer wird ein Großteils des Stroms für die Batterien mit fossilen Brennstoffen erzeugt. Sind Elektrofahrzeuge also überhaupt klimafreundlicher als Autos mit Verbrennungsmotor? Mit dieser Frage hat sich eine neue Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg im Auftrag der Agora Verkehrswende auseinandergesetzt.

Der Verkehrssektor schadet dem Klima massiv

Die Verringerung von klimaschädlichen Gasen im Verkehrssektor zählt zu den wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel. Rund 18 Prozent der Treibhausgasemissionen Deutschlands sind auf den Verkehr zurückzuführen. Trotz immer emissionsärmerer Fahrzeugtechnologien stieg hier der Ausstoß zuletzt sogar leicht an. Ende Mai tagte daher die zuständige Regierungskommission. Es sollten Schritte erarbeitet werden, mit deren Hilfe die Emissionen im Verkehr reduziert und das Klimaschutzziel für 2030 erreicht werden kann. Leider verlief die Sitzung weitgehend ergebnislos. (CEP berichtete)

Für viele Menschen sind Elektrofahrzeuge der Schlüssel zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Schließlich werden sie ohne Verbrennungsmotor betrieben und emittieren damit kein CO2 oder andere umweltschädliche Gase wie Kohlenmonoxid oder Stickoxide. Dennoch stehen Elektroautos bezüglich ihrer Umweltbilanz in den Medien oft in der Kritik. Manche Menschen glauben sogar, E-Autos sind klimaschädlicher als herkömmliche PKW.

Deutschland erzeugt noch immer einen großen Teil der Elektrizität mit fossilen Brennstoffen, vor allem mit Gas, sowie Braun- und Steinkohle (rund 50%). Diese Energieerzeugung ist eine der Hauptursachen für den Klimawandel. Auch die Batterien der E-Autos werden mit Strom aus diesen Quellen aufgeladen. Das hebe die positive Klimawirkung weitgehend auf, so die Argumentation. Zudem entstünden bei der Herstellung von Elektroautos mehr Emissionen als bei der Produktion herkömmlicher Fahrzeuge.

Können Elektrofahrzeuge die Klimabilanz verbessern?

Um mit diesen Kritikpunkten aufzuräumen und festzustellen, ob Elektrofahrzeuge einen Beitrag zur Verringerung von CO2 im Straßenverkehr leisten können, hat der Think Tank Agora Verkehrswende kürzlich die Studie „Klimabilanz von Elektroautos – Einflussfaktoren und Verbesserungspotenzial“ beim Institut für Energie– und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Elektromobilität im Kampf gegen den Klimawandel eine große Hilfe sein kann:

In der Studie heißt es: Zwar habe ein E-Auto unterm Strich in der Produktion einen „größeren ökologischen Rucksack“ als ein vergleichbarer Verbrenner. Um diesen Nachteil wettzumachen müsste es einige Tausend Kilometer mit möglichst CO₂-armem Strom zurücklegen. Dann allerdings habe das Elektrofahrzeug „in allen untersuchten Fällen über den gesamten Lebensweg (150.000 km) einen Klimavorteil gegenüber dem Verbrenner“.

Die Klimabilanz der Batterie könne mit den Fortschritten bei der Batterieentwicklung in den kommenden Jahren mindestens halbiert werden. Voraussetzung dazu sei allerdings mehr Transparenz bei der Klimabilanz der Batterien. Die Batteriezelle müsse auf Basis eines möglichst großen Anteil Erneuerbarer Energien hergestellt werden. Das könnte europäischen Länder einen Standortvorteil verschaffen.

Die Erneuerbaren sind der wichtigste Faktor

Der wichtigste Einflussfaktor auf die Klimabilanz der Elektrofahrzeuge sei aber nach wie der Anteil Erneuerbarer Energien am gesamten Strommix. Nur wenn ein Großteil der Antriebsenergie aus regenerativen Quellen stamme, könne die Elektromobilität langfristig einen positiven Effekt auf das Klima haben. Die Erneuerbaren deckten 2018 im Stromsektor fast 38 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs.  Im Verkehrssektor steigt der Anteil nur leicht um 0,4 Prozentpunkte.

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