Elektroauto-Leihsystem in Frankreich startet

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Eigentlich ist es ja eine grandiose Idee, mit der Frankreich die Elektromobilität vorantreiben will. Wären da nicht die zwei, mehr als kleinen Haken, die die Idee plötzlich gar nicht mehr so gut dastehen lässt. Elektroautos sind aus der Mobilität der Zukunft kaum noch wegzudenken. Klimafreundlich, leise und mit geringen Betriebskosten behaftet, sollen sie das Fortbewegungsmittel schlechthin werden, wäre da nicht der hohe Kaufpreis und die lange Ladedauer. Ein Problem, das Frankreich mit seinem Selbstbedienungsleihsystem für Elektroautos zu umgehen versucht.

In Paris können sich Autofahrer ab sofort bei Autolib selbst bedienen, wenn es um das Fahren mit einem umweltfreundlichen Elektroauto geht. An den 33 Stationen des Verleihsystems können sie nach der Registrierung ganz nach Wunsch für ein Jahr, eine Woche oder einen Tag ein Elektrovehikel ausleihen.

Abgegeben werden kann das Leihfahrzeug dann nach Belieben – irgendwo an einer der Stationen. Servicemitarbeiter von Autolib bringen die retournierten Elektrofahrzeuge dann an die ursprüngliche Verleihstation, somit stehen dann jeder Station wieder genügend Leihfahrzeuge zur Verfügung. Ein toller Service, denn mit langen Wartezeiten für das Aufladen der Elektroautos nach geleisteten Diensten hat der Kunde nichts zu tun. Immerhin bis zu 250 Kilometer können die Bluecars mit einer „Tankfüllung“ zurücklegen, dafür sorgt ein Lithium-Polymer-Akku. Auch um Wartung und Versicherung der derzeit 60 Elektroautos kümmert sich die Verleihfirma. Bis Dezember soll der Fuhrpark auf 250 Fahrzeuge aufgestockt werden, Mitte des kommenden Jahres sollen den Kunden dann 5.000 Elektroautos zur Verfügung stehen. Nicht zuletzt baut Frankreich hiermit seine Vorreiterstellung in Sachen Elektromobilität aus, das Land gilt als Pionier auf diesem Gebiet. Wären da nicht die beiden Haken, die der Umweltfreundlichkeit dieser Idee ordentlich zu schaffen machen und Umweltschützer auf den Plan rufen.

Der Strom, der diese Autos speist, wird nämlich nicht aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen, sondern stammt aus den zahlreichen Atomkraftwerken Frankreichs. Das ist günstig, aber nicht gut und wirft ein schlechtes Licht auf die umweltfreundlichen Elektrofahrzeuge. Außerdem könnte ein weiteres Problem hinzukommen, nämlich dann, wenn sämtliche Elektroautos alle zur selben Zeit an die Zapfstation geschaltet werden. Dann müssten Kohle- und Gaskraftwerke den erhöhten Strombedarf mitdecken, was wiederum zu Lasten der CO2-Bilanz gehen würde. Auch Schnelllade-Stationen könnten die Netzkapazitäten rasch an ihre Grenzen bringen und Stromzukäufe aus dem Ausland nötig machen. Weiterhin bemängeln Umweltschützer den unnütz hohen Stromverbrauch, der durch den Rückfahrservice an die ursprünglichen Verleihstationen entsteht. Ein Carsharing-System ohne Retournierung würde aus dieser Sicht deutlich mehr Sinn machen.

Judith Schomaker

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