Der Lithium-Run beginnt!

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Bis zum Jahr 2030 sieht die Bundesregierung in ihrem nationalen Entwicklungsplan für Elektromobilität rund fünf Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Der „neue“ Antrieb soll dann die benzinbetriebenen Autos ersetzen. Keine schlechte Idee angesichts der knapper werdenden Ölvorräte und der starken Umweltbelastung. Dabei ist die elektrobetriebene Mobilität eigentlich nichts wirklich Neues – schon Jahrzehnte vor Otto und Diesel fuhren die Menschen mit Elektromobilen. Allerdings verdrängte der Verbrennungsmotor die leisen Stromer schnell von den Straßen, das altbekannte Problem der Speicherung der elektrischen Energie an Bord war schon damals eine unbezwingbare Hürde.

Auch heute steht die Speicherbarkeit der elektrischen Energie zum Antrieb moderner Elektroautos im Focus von Forschern und Entwicklern. Lithium-Ionen-Technologie heißt das Zauberwort – zumindest so lange, bis ein neuer, ebenso leistungsfähiger Stoff für effiziente Speicherung zur Verfügung steht. Zwar gibt es auch bei den Lithium-Batterien unangenehme Nebeneffekte, da das Material sehr reaktionsfreudig und demnach leicht entflammbar ist, doch auch hier bemüht sich die Forschung um eine „sichere“ Hülle für die Zellen. Lithium ist derzeit die Nummer Eins unter den Rohstoffen für den mobilen Antrieb der Zukunft, denn nur, wer das leichteste Metall der Erde besitzt, kann Elektroautos bauen und die Kassen klingeln lassen.

Doch kaum steht das Problem der Sicherheit von Lithium-Akkus vor der Lösung, schon macht sich ein neues Problem breit: die Rohstoffbeschaffung. Lithium kommt in der Natur in verschiedenen Gesteinen vor, die Konzentration ist jedoch eher gering und die Gewinnung aus diesen Mineralien mit hohem Aufwand verbunden. Wesentlich verbreiteter und konzentrierter ist das Vorkommen in Salzlaugen, wie etwa Salzseen. Rund 5,4 Millionen Tonnen der Gesamtreserve der weltweit geschätzten 13 Millionen Tonnen Lithium werden im Salar de Uyuni in Bolivien vermutet, einem ausgetrockneten Salzsee mit gigantischen Lithium Vorräten.

Ein wahrer Schatz für die Autoindustrie, die in Zukunft immer mehr Batterien brauchen wird. Doch wer wird diesen Schatz heben, der in einem der ärmsten Länder der Erde schlummert? Die Bolivianische Regierung verhandelt fleißig mit Konzernen wie Mitsubishi, Sumitomo, Bolloré, aber auch mit Interessenten aus dem Iran. Damals waren es die Spanier, die über Bolivien herfielen und ihnen die kostbaren Silbervorkommen raubten, heute wird es die Autoindustrie sein. Mit einem kleinen Unterschied! Wer heute in Bolivien das „neue Silber“ fördern darf, muss sich der staatlichen Kontrolle unterodnen – oder auf den kostbaren Rohstoff Lithium verzichten. Zu groß ist das historische Trauma der einstigen Rohstoffausbeute. Ein zweites Potosi soll es nicht geben.

Judith Schomaker

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