Das RuhrAuto-e

Elektroautos sorgen für mehr Flexibilität in der Stadt

Carsharing ist eine gute Sache. Elektromobilität ebenso. Was liegt da näher, als dies beides miteinander zu verbinden?

In vielen deutschen Großstädten gibt es bereits solche Nutzungsmöglichkeiten. Denn viele Carsharing-Anbieter und Autoverleiher erweitern ihre Fahrzeugflotte nach und nach mit Hybrid- sowie Elektroautos. So auch die Daimler AG, die ihr Carsharingsystem „Car2go“ 2009 in Ulm startete. Heute ist sie mit ihren Leihautos in acht deutschen Städten sowie im Ausland vertreten. Ein Angebot ausschließlich mit Elektroautos bietet das Unternehmen im Inland allerdings einzig in Stuttgart an. Das erste rein elektrische Carsharing-Programm Deutschlands hat dagegen Citroën in Berlin mit seinem „Multicity Carsharing“ auf die Beine gestellt. Im September 2012 ist es gestartet.

Und wie sieht es im Ruhrgebiet, Deutschlands größter Metropolregion mit ihren mehr als fünf Millionen Einwohnern aus? Hier ist vor zwei Jahren fast zeitgleich mit dem Angebot in Berlin das Vorhaben „RuhrAuto-e“ an den Start gegangen. Zwei Besonderheiten zeichnen es aus: Zum einen ist es nicht von einem Automobilhersteller initiiert worden, sondern vielmehr als Kooperationsprojekt einer Universität mit einem Wohnungsunternehmen, einem ÖPNV-Verbund sowie einem erfahrenen Carsharing-Dienstleister angelegt. Zum anderen setzt das Projekt explizit am Mobilitätsträger ÖPNV an, sieht sich also als Ergänzung zu diesem, nicht als Konkurrenzangebot.

Es stehen Autos verschiedener Hersteller zur Verfügung
Aufgrund des Projektcharakters entstand eine Zusammenarbeit mit mehreren Automobilproduzenten. Daher verfügt RuhrAuto-e mit den aktuell bereits knapp 70 Fahrzeugen deutschlandweit über das am breitesten gefächerte Angebot von Elektroautos im Carsharing-Betrieb. Vom Renault Twizy bis zum Transporter Nissan eNV200 stehen Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller sowie unterschiedlicher Größen bereit. Und dies an insgesamt 27 Standorten in den Städten Essen, Duisburg, Oberhausen, Bottrop, Gelsenkirchen, Bochum, Mülheim, Dortmund und Dinslaken. Beim überwiegenden Teil der angebotenen Autos bzw. Standorte liegt der Preis bei 4,90 Euro pro Stunde, zuzüglich einer Kilometerpauschale. Rund 1.500 private Nutzer sind inzwischen registriert. Dazu kommen immer mehr Firmen. Am größten ist die Nachfrage in Bochum mit rechnerisch 4,6 Ausleihen pro Tag. Im Durchschnitt werden die E-Autos jeweils 3,5 Stunden lang genutzt.

Jeder der vier Projektpartner bringt seine spezifischen Fragestellungen und Anliegen in das Vorhaben mit ein. Die Federführung liegt bei der Universität Duisburg-Essen, wo das Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer wissenschaftlich begleitet wird. So sind alle Autos mit sogenannten Datenloggern ausgestattet worden, um detaillierte Fahrprofile erfassen zu können. Denn um den optimalen Batterieeinsatz und die Fahrdynamik der E-Autos berechnen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lang die im Schnitt gefahrene Strecke ist. Wenn die Batteriekapazität zum Beispiel um ein Viertel reduziert werden kann, verringert sich der Preis für das E-Auto um rund 2.500 Euro. „Wenn unsere Projektfahrzeuge also vor allem für kürzere Strecken genutzt werden und öfter an der Ladesäule stehen, könnte das E-Auto deutlich günstiger angeboten werden. Auf dem umkämpften Automarkt ist dies nicht unerheblich“, so Prof. Dudenhöffer. Außerdem werden Akzeptanzanalysen durchgeführt. Es soll also geklärt werden, wie das Angebot gestaltet sein muss, damit die E-Mobile von der Bevölkerung angenommen werden.

Die Partner des Kooperationsprojekts
Die Vivawest Wohnen GmbH ist einer der Projektpartner. Das größte Wohnungsunternehmen im Westen Deutschlands möchte seine Wohnsiedlungen im eher strukturschwachen nördlichen Ruhrgebiet durch zusätzliche Mobilitätsangebote attraktiver machen. Auch verspricht es sich von dem Projekt neue Erkenntnisse über die zukünftige Rolle der E-Mobilität bei der Entwicklung von Quartieren.

Da mit RuhrAuto-e die Elektromobilität den öffentlichen Nahverkehr ergänzen soll, wurde auch der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), einer der größten ÖPNV-Anbieter Deutschlands, mit ins Boot geholt. Die einzelnen Standorte der E-Autos sind unmittelbar an die Haltestellen des ÖPNV angebunden und mit Bahn, Bus und Straßenbahn vernetzt.

Die Umsetzung des Projekts erfolgte schließlich durch die Drive-Carsharing GmbH. Das Unternehmen verfügt über eine mehr als 20-jährige Erfahrung in der Carsharing-Branche. Es sorgt nun für das Kunden- und Fahrzeugmanagement sowie für die Integration des Projekts in bestehende Netzwerke.

Förderung durch das Verkehrsministerium
Das Projekt wurde seit Oktober 2012 für 18 Monate vom Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) mit 1,15 Millionen Euro gefördert. Ob nun weitere Gelder fließen, wurde noch nicht öffentlich gemacht. Wünschenswert wäre der weitere Ausbau des langsam aber stetig wachsenden Projekts allemal, denn hier wird Autofahrern die Praxistauglichkeit von rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen vor Augen geführt.

Ein Knackpunkt sind allerdings die Stationen, an denen die Fahrzeuge auf ihre Ausleihe warten. Diese stellen die Städte kostenfrei zur Verfügung. Allerdings nicht immer mit Begeisterung. Denn wird ein bislang kostenpflichtiger Parkplatz für ein RuhrAuto-e freigegeben, dann fehlen in der klammen Haushaltskasse im Jahr rund 5.000 Euro an Einnahmen.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Match Rider – auf den Punkt gebracht
    10 Millionen Deutsche wollen Elektroauto fahren
    Radfahren mit eingebautem Rückenwind – Das Potential von E-bike und Co.

2 Bemerkungen

  • Auch der künstlich niedrig gehaltene Trebstoffpreis, wird die Elektromobilität nimmer aufhalten. Erdölverbrennung ist einfach böoße Verschwendung und Luftverschmutzung. Besser ist wenn aus Erdöl Medfikamente gemacht werden und Gummistiefel!

  • Elektroautos sind teuer. Mit einem Elektroroller bewältigt man dieselbe Strecke und der Stromverbrauch liegt bei etwa 13 Wattstunden pro Kilometer. Mit einer Kilowattstunde fährt der kleine ECKIE ok an die 70 Kilometer und kann damit auch Radwege benutzen. Das Fahrzeug wiegt unter 40 Kilo und ist in einem Kombi mitnehmbar, sodass damit auch am Urlaubsort alle Waldwege, Strand und Hügel, lautlos vom Radsattel aus erlebt werden können. Strecken biszu 100 Kilometer sind bereits damit bewältigbar, ohne sich durch strampeln abzuschwitzen. PAS, Pedal Assist System, nennen die Deutschen diesen Unfug, nebst Elektromotor auch eine Bewegungstherapie machen zu müssen.