CO2-fressendes Wunderauto

Es hört sich an wie ein weiterer Versuch der Quadratur des Kreises: Auf dem Expo-Pavillion “Take a drive to 2030?“ in Shanghai will China in diesem Jahr eine Konzeptstudie für das erste CO2-fressende Auto präsentieren. “Yi Zi” – was übersetzt so viel wie “Blatt” bedeutet – heißt das wundersame Gefährt auf Chinesisch, produziert wird es von der Shangai Automotive Industry Corporation. Das Ziel des Herstellers ist laut Pressemitteilung kein Geringeres als „die Vermischung von Auto und Natur“.

Wie das gehen soll? Ganz einfach: Man nehme einen Satz Reifen aus Miniatur-Windrädern, die vom Fahrtwind angetrieben werden. Dann klebe man einige Solarzellen auf das wie ein gewöhnliches Blatt aussehende Dach, die das Sonnenlicht während der Autofahrt einfangen.

Und zum Schluss installiere man eine Mini-Brennstoffzelle in den Motorraum. Diese wiederum fängt Kohlendioxid und Wassermoleküle aus der Luft ein und setzt mithilfe von Mikroorganismen Elektronen frei. Eine Art Mini-Biogasanlage sozusagen. Mit allen drei Energieformen wird elektrische Spannung erzeugt, die die Lithium-Batterie des Gefährtes auflädt und das Auto selbst, die Autobeleuchtung und die Klimaanlage antreibt – fertig ist das Wunderauto.

Dabei entstehen nicht nur „Null Emissionen“, sondern sogar „Negative Emissionen“: Das Wunderauto erzeugt nicht nur keine CO2-Emissionen, sondern säubert auch noch die Luft davon, durch die es fährt, indem es mit seinem metallisch-organischen Fahrgehäuse (Metal-Organic Framework, MOF) das CO2 absorbiert. Außerdem wird über mikrobielle Treibstoffzellen und durch die Hinzugabe von Wasser daraus Methan in Benzin umgewandelt, der übrig bleibende Sauerstoff wird in die Atmosphäre entlassen.

Alles in allem also ein Projekt, das scheinbar einige physikalische Gesetze in den Schatten stellt und die wildesten Träume aller Elektroauto-Fans vereint. Nur, das Auto muss natürlich erst noch seinen Praxistest auf der Straße bestehen. Und dazu wird es frühestens 2030 kommen. Wir dürfen also gespannt sein, müssen uns aber weiterhin in konfuzianischer Geduld üben.

Daniel Seemann

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