Das Hybridauto aus Karton

Hybridauto aus Karton

Car-D-board, das Hybridauto aus Karton, verblüfft auf vielfache Art und Weise. Basis des Fahrzeugs ist ein Chassis aus recyceltem Kunststoff. Die Karosserie besteht komplett aus Recyclingkarton. Trotz drei verschiedener Antriebssysteme an Bord liegt das Gesamtgewicht des Automobils unter 300 Kilogramm. Der Pkw aus Karton wird an neuartigen Tankstellen betankt und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometer.

„Pappe statt Blech“, dachte sich vermutlich Thierry Dumaine als er sich an die Arbeit machte, um ein neuartiges Automobil zu entwerfen. Das Ergebnis seiner Arbeit nannte der Franzose schlicht Car-D-board. Die dazugehörigen Pläne reichte der ambitionierte Hobbydesigner schlussendlich bei einem Ideenwettbewerb des Reifenherstellers Michelin ein.

Über 900 Entwickler beteiligten sich an diesem internationalen Bewerb. Die Fachjury nahm Dumaines Konzept in die exklusive Gruppe der 15 Finalisten auf. Für den ganz großen Sieg sollte es schlussendlich jedoch nicht reichen. Davon unabhängig sorgt der Entwurf dennoch für großes Aufsehen in der Fachwelt. Einer der Gründe hierfür ist unter anderem die Tatsache, dass die Karosserie des Autos zur Gänze aus Recyclingkarton besteht. Car-D-board weist jedoch eine Vielzahl weiterer Besonderheiten auf.

Cardboard mittelDrei unterschiedliche Antriebssysteme verbergen sich hinter dem unscheinbaren Aufbau des Pkws. Das Hybridfahrzeug wird, je nach Situation, entweder mit Elektrizität, Druckluft oder mit herkömmlichem Benzin betrieben.

Trotz des Dreifachantriebs beträgt das Gesamtgewicht des Konzeptautos lediglich knapp 300 Kilogramm. Diesen Spitzenwert erreicht der Designer, indem er das Fahrzeug auf seine wesentlichen Bestandteile reduziert. Türen sind daher ebenso wenig vorgesehen wie ein festes Dach oder ein Armaturenbrett. Anstelle des Instrumentenbretts tritt ein iPad, welches direkt mit dem Bordcomputer in Verbindung steht.

Das neue Tankstellensystem ist ein wesentliches Element des Entwurfs. Dabei werden die Tankstellen in Kombination mit Windturbinen errichtet. Diese produzieren die erforderliche Druckluft ebenso direkt vor Ort wie die benötigte Elektrizität. Herkömmliche Kraftstoffe sind gleichermaßen verfügbar und machen die Tankstellen somit zu universell einsetzbaren Anlaufpunkten für sämtliche Fahrzeuge.

Ein ausgeklügeltes System, welches in die Bereifung des Automobils integriert ist, erzeugt zusätzliche Energie. Diese wird direkt in den eingebauten Akku eingespeist und vergrößert folglich die Reichweite des Kartonautos.

Über Sinn und Unsinn solcher Konzeptautos lässt sich gewiss stundenlang diskutieren. Ob es tatsächlich sinnvoll ist, eine derart große Anzahl unterschiedlicher Denkansätze und verschiedener Ideen unter eine einzige Motorhaube zu packen, sei dahingestellt.

Fest steht jedoch auch, dass insbesondere ungewöhnliche Entwürfe eine große Anzahl interessierter Menschen erreichen. Darüber hinaus sind es letztendlich erst die wirklich mutigen Weiterentwicklungen, die auch bisher Uninteressierte für eine tolle Sache begeistern.

Vermutlich wird Car-D-board in dieser Form wohl nie mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometer auf unseren Straßen unterwegs sein. Als Wegbereiter leistet der Pappflitzer jedoch zweifellos ganze Arbeit.

Joachim Kern

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