Biokraftstoffe sind kurzfristig keine Alternative

Flugzeug

Dass der Flugverkehr zu den größten Klimakillern schlechthin zählt, ist unbestritten. Eine von der Internationalen Energieagentur IEA in Auftrag gegebene Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass das wohl auch in den nächsten Jahren so bleiben wird, obwohl sich die Industrie eigentlich zu einer Halbierung der Emissionen bis zum Jahr 2050 verpflichtet hat. Biologische Kraftstoffalternativen zu Kerosin sind aber schlicht und einfach zu teuer und werden frühestens in einem Jahrzehnt wettbewerbsfähig sein.

So gehen die Studienautoren des Imperial Colleges London, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) nicht davon aus, dass biologische Treibstoffe als kurz- bis mittelfristige Alternative verwendet werden können, wie Prof. Daniela Thrän vom UFZ und DBFZ in Leipzig berichtet: ”In naher Zukunft rechnen wir nicht mit einem Durchbruch beim Einsatz in der Luftfahrt. Dazu sind die klassischen Treibstoffe zu billig beziehungsweise die Biokraftstoffe noch zu teuer, als dass die Umrüstung für die Airlines wirtschaftlich infrage kommen würde.”

Aktuell sind Biokraftstoffe doppelt so teuer wie Kerosin und außerdem nur in geringen Mengen zu der Qualität verfügbar, die für den Flugverkehr benötigt wird. Um das Gewicht der Maschinen möglichst gering zu halten, können nämlich nur besonders energiereiche Treibstoffe eingesetzt werden. Die Produktion derartiger Biokraftstoffe – beispielsweise aus Kurzumtriebsplantagen oder Salzpflanzen – müsste stark erhöht werden, um im steigenden Treibstoffverbrauch der Luftfahrtindustrie eine erwähnenswerte Rolle spielen zu können. Außerdem würden neue Logistiksysteme und internationale Vereinbarungen benötigt, um das Funktionieren eines Umstieges zu gewährleisten.

Laut der Studie könnte die Verwendung von Biokraftstoffen in der Luftfahrt aus finanzieller Sicht kurz- bis mittelfristig nur dann interessant werden, wenn Kerosin künftig höher besteuert werden würde und auch die sogenannten Kohlenstoffkosten eingepreist wären. Zusätzlich müssten aber auch die Preise der biologischen Treibstoffe sinken. Unter derartigen Voraussetzungen könnten Biokraftstoffe bis zum Jahr 2050 immerhin einen Anteil von zehn Prozent des globalen Treibstoffverbrauches im Luftverkehr erreichen. Diese Menge entspricht in etwa den 2010 im weltweiten Straßenverkehr verbrauchten Biokraftstoffen.

Matthias Schaffer

2 Bemerkungen

  • Lieber Herr Schaffer,

    „Dass der Flugverkehr zu den größten Klimakillern schlechthin zählt, ist unbestritten.“ Solche Pauschalurteile machen sich immer gut. Leider hat dies mit der Realität wenig zu tun. So steuert die Luftfahrt nur zwei Prozent der vom Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen jährlich bei. Eine auf Fakten basierende Berichterstattung – auch wenn es nur ein Newsletter ist – macht sich immer gut.

    Die kritische Auseinandersetzung mit Biokraftstoffen ist zweifellos angebracht. Nicht nur im Luftverkehr muss an Alternativen gearbeitet werden, wenn wir langfristig mobil bleiben wollen. Das Aufschließen fossiler Lagerstätten (Stichwort Fracking) mit immer größerem Aufwand ist klimapolitisch zweifellos ein Holzweg.

    Freundliche Grüße
    Jochen Heimberg

  • Kohlendioxid ist längst nicht der einzige von Flugzeugen emittierte Klimaschädling. So wirken beispielsweise die Tröpfchen im ausgestoßenen Wasserdampf gerade in Reiseflughöhe fatal, da sie zwar kurzwellige Sonnenstrahlung in die Atmosphäre eindringen lassen, aber langwellige Wärmeabstrahlung nicht mehr hinaus. Auch der Klimaeffekt von Stickoxiden aus den Jetdüsen vergrößert sich durch die Flughöhe. Colin Johnson vom britischen Harwell-Forschungsinstitut hat errechnet, dass die emittierten Stickoxide etwa den gleichen Treibhauseffekt wie das von Ihnen erwähnte Kohlendioxid haben – und das obwohl sie in viel geringerer Menge ausgestoßen werden. Selbst die von Flugzeugen erzeugten Kondensstreifen könnten Auswirkungen auf das regionale Klima haben, dies wird allerdings noch untersucht.

    Erwähnenswert ist vielleicht auch noch, dass erwähnten 2 Prozent etwa 650 Millionen Tonnen CO2 entsprechen. Das ist durchaus kein Pappenstiel, vor allem wenn man berücksichtigt, dass nur etwa 5-10 Prozent der gesamten Weltbevölkerung dafür verantwortlich sind. Der Rest hat noch niemals ein Flugzeug bestiegen.

    Unter diesen Voraussetzungen ist es durchaus legitim den Flugverkehr als einen der größten Klimakiller schlechthin zu bezeichnen.