Bioenergie: Aufklärung ist das A und O

Dominikus Brettner, CEO, recotrol GmbH

Das CleanEnergy Project befragte über 1.000 Personen zu ihrer Einschätzung bezüglich der Wirkung von Biokraftstoffen auf Umwelt und Gesellschaft. Dabei stellte sich heraus, dass innerhalb der Bevölkerung große Unsicherheit beim Thema Biokraftstoffe herrscht. In einem, an die Umfrage angelehnten Interview, sprach das CleanEnergy Project mit Dominikus Brettner, Geschäftsführer der recotrol GmbH. Das aufstrebende Jungunternehmen hat den weltweit ersten Pflanzendiesel entwickelt, der eine positive CO2-Bilanz aufweist und ohne Umrüstung in jedem handelsüblichen Dieselmotor verwendet werden kann.

Herr Brettner, unsere Umfrage hat gezeigt, wie sehr die Meinungen über Biokraftstoffe auseinander gehen und wie groß die Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung ist. Überrascht Sie dieses Ergebnis?

Nein, mich überrascht dieses Ergebnis keineswegs. Der Biokraftstoffbereich ist sehr komplex. Es gibt viele unterschiedliche Biokraftstoffarten, die aus verschiedenen Rohstoffen bestehen und mit Hilfe unterschiedlicher Herstellungsprozesse produziert werden. Daher ist es für den Verbraucher sehr schwierig, hier den Überblick zu behalten.

Welche Lösung sehen Sie für dieses Problem? Was raten Sie Personen, die auf Biokraftstoffe umsteigen wollen?

Personen oder Unternehmen, die mit Biokraftstoffen fahren oder zukünftig fahren wollen, sollten sich gut über den Kraftstoff ihrer Wahl informieren: Wo wird der Biokraftstoff produziert? Welche Rohstoffe werden verwendet? Das setzt natürlich voraus, dass wir als Anbieter von Biotreibstoff individuell über unsere Produkte informieren und die Anbaumethoden sowie Umwelteigenschaften unserer Produkte transparent offen legen. Aufklärung ist meines Erachtens nach hier das A und O.

Können Sie uns etwas über Ihre Anbaumethoden erzählen?

Wie in Europa vorgeschrieben, werden die Pflanzen für unseren Kraftstoff „recotrol natural green diesel“ nach europäischen Nachhaltigkeitskriterien angebaut, die eine ökologische und soziale Verträglichkeit garantieren. Unsere Anbauphilosophie schließt darüber hinaus noch Mischfruchtanbau, Nullbodenbearbeitung, Optimierung von Fruchtfolgen sowie den Einsatz standortgerechter, wenig kulturintensiver Pflanzensorten ein. Außerdem zielen wir darauf ab, die Bodenfruchtbarkeit durch Humusaufbau und CO2-Bindung zu steigern und durch effektiven Einsatz von Arbeitsmitteln die Umwelt zu schonen.

„Biokraftstoffe stehen in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln indem sie diese verdrängen und verteuern“. So lautet die Hauptsorge vieler Umfrageteilnehmer. Wie begründet ist diese Befürchtung?

Logo der recotrol gmbHIn den Medien werden Biokraftstoffe gerne als Sündenbock für den Nahrungsmittelmangel in Entwicklungsländern hingestellt. Leider gibt es in der Tat Fälle, in denen der Anbau von Energiepflanzen in Entwicklungsländern durch Verdrängung zu einer regionalen Verknappung des Nahrungsmittelangebots beiträgt. Dem muss natürlich ein Riegel vorgeschoben werden.

Generell schließen sich Nahrungsmittel- und Biokraftstoffproduktion allerdings nicht gegenseitig aus. Wenn wir das vorhandene Biomassepotenzial richtig nutzen, können wir sowohl Teller als auch Tank damit füllen. Es besteht die Möglichkeit, dass Nahrungsmittel- und Kraftstoffproduktion sogar miteinander kombiniert werden.

Bei der Umfrage gingen 51 Prozent davon aus, dass der CO2-Ausstoß von Biokraftstoffen eher geringer ist als der konventioneller Kraftstoffe. Ist der CO2-Ausstoß denn tatsächlich geringer?

Ja, denn Biokraftstoffe müssen laut EU-Vorgaben 35 Prozent weniger CO2-Emissionen aufweisen als fossile Kraftstoffe. Ab 2017 sind es sogar 50 Prozent. Mit der Entwicklung von „recotrol natural green diesel“ ist es uns gelungen, den weltweit ersten Pflanzendiesel zu entwickeln, der sogar mehr CO2 bindet als er bei der Verbrennung freisetzt. Realisieren können wir dies unter anderem, indem wir aus den nicht für den Kraftstoff verwendeten Pflanzenteilen Pflanzenkohle herstellen, die anschließend in der Landwirtschaft als Bodenverbesserer eingesetzt wird.

65 Prozent gaben bei unserer Umfrage an, Biokraftstoffen eher positiv oder zumindest neutral gegenüber zu stehen. Aber nur 23 Prozent der Befragten sehen für Biokraftstoffe auch eine große Zukunftschance. Wie schätzen Sie die Chancen für Biokraftstoffe ein?

Biokraftstoffe können natürlich nur einen begrenzten Anteil des Kraftstoffbedarfs decken. Im Zweirad oder Pkw-Bereich wird der Verbrennungsmotor vermutlich eine zunehmend untergeordnete Rolle spielen. Doch es gibt eine Gruppe, für die es innerhalb der nächsten Jahrzehnte keine adäquate ökologische sowie kostengünstige Alternative zum Diesel geben wird: nämlich die Schwertransporter. Zu unserer Hauptzielgruppe zählen daher in erster Linie Halter von Lkws, Schiffen, Zügen sowie Arbeits- und Baustellenfahrzeugen. Hier sehe ich großen Bedarf für Biokraftstoffe wie „recotrol natural green diesel“, zumal dieser nicht toxisch, nicht explosiv und weniger wassergefährdend als mineralischer Diesel ist. Darüber hinaus kann unser Kraftstoff aufgrund seiner positiven CO2-Bilanz beispielsweise Städten, Kommunen oder Institutionen dazu verhelfen, ihren ambitionierten CO2-Einsparungszielen näher zu kommen.

Herr Brettner, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Corinna Lang

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