Auf den Spuren der intermodalen Mobilität

Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist umweltfreundlich, Fahrrad oder Pedelec fahren auch. Die Verbindung von beidem bezeichnet man als intermodale Mobilität – und diese gewinnt gegenwärtig verstärkt an Bedeutung. Die verschiedenen Ideen und Konzepte in europäischen Städten hat sich der Italiener Nicolai da Schio einmal genauer angeschaut.

Das Ziel der 4.500 Kilometer langen Radtour: Zum einen sollen die Städte aufmerksam gemacht werden auf die so genannte Ökomobilität sowie ihre sozialen, umweltbezogenen und ökonomischen Auswirkungen. Zum anderen möchte da Schio erfahren, wie die besuchten Städte das Prinzip der intermodalen Mobilität bisher umgesetzt haben, was zukünftig geplant ist und welche neuen Ideen dabei bereits entwickelt worden sind. Und schließlich will er durch das Kennenlernen der verschiedensten Projekte und Konzepte die Menschen auf neue Möglichkeiten hinweisen. Hierzu traf er sich mit Politikern, Bürgermeistern und Vertretern der Städte, aber auch mit Radbegeisterten und Fahrradclubs, wie dem ADFC.

Ende April ist der Italiener zu seiner fast drei monatigen Radtour in Vicenza, etwa 70 Kilometer von Venedig entfernt, aufgebrochen. Von dort ging es nach Brescia, Mailand und Genua. Weiter in das völlig fahrradungeeignete Monaco und über Marseille, Arles, Montpellier und Avignon in Frankreich nach Brüssel. Weitere Zwischenstopps machte da Schio in Rotterdam, Bonn, Pforzheim und Freiburg, um die verschiedensten Konzepte und Ideen zur intermodalen Mobilität kennenzulernen. Seine Heimreise hat er für Anfang Juli vorgesehen.

Da Schio legt die Strecke überwiegend mit dem Fahrrad zurück. Mutig, wenn man bedenkt, dass der gebürtige Vicenzianer zwar liebend gerne Fahrrad fährt, aber dies eigentlich seine erste Radtour dieser Art und erst recht Länge ist. Auf ein vorbereitendes Training hat er verzichtet, dafür steigt er aber auch ab und an mal auf die Bahn um – ganz im Sinne der intermodalen Mobilität. Das Fahrrad von Nicolai ist denn auch kein spezielles Tourenrad. „Ich bin ein ökologisch denkender Mensch, deshalb habe ich für meine Tour auch kein neues Rad gekauft, sondern nutze einfach mein altes“, so Nicolai. Lediglich das Hinterrad musste aufgrund des Gepäcks durch einen robusteren Trekkingreifen ersetzt werden.

In seinem Blog berichtet er von seinen Erfahrungen und Begegnungen mit den verschiedensten Menschen. So sprach er in Mailand mit dem Leiter des Verkehrsamts und erfuhr hier, dass in dieser Stadt das Auto immer noch als das effizienteste Transportmittel angesehen wird. Um das Verkehrsaufkommen ein wenig einzudämmen, sollen hier Fahrrad-Leihsysteme und Carsharing Abhilfe schaffen. Während man sich in Mailand um mehr intermodale Mobilität bemüht, ist in Monaco das Auto immer noch DAS Statussymbol schlechthin. Eine Fahrradwerkstatt, wie sie Nicolai bei einer seiner vielen Fahrradpannen gebrauchen könnte, ist in Monaco daher weit und breit nicht in Sicht.

Auf seinem 200 Kilometer langen Weg von Marseille über Arles nach Montpellier entdeckte er dann einen richtiggehenden Fahrrad“highway“. Das „green ways network“ führt mehrere Kilometer durch die Landschaft parallel zu der normalen Autobahn. Eine völlig neue Idee wurde dem Radreisenden schließlich in Amsterdam vorgestellt: Das Sammeln von Kilometern – aber nicht geflogenen Kilometern, sondern mit dem Rad zurückgelegten. Umgesetzt werden könnte das Ganze mit Hilfe einer App, die per GPS die gefahrenen Kilometer aufzeichnet. Die gesammelten Punkte könnten anschließend durch einen Einkaufsgutschein eingelöst werden. Von dem Anreiz zum Radfahren würde nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Radfahrer profitieren. In der Partnerstadt von Vicenza – Pforzheim – empfing der Oberbürgermeister da Schio, der hier von den Problemen der Topographie erfuhr, aber auch den Bemühungen, die Stadt durch die Anschaffung von Pedelecs und der Umsetzung des Radwegekonzepts in den nächsten Jahren fahrradfreundlicher zu gestalten.

Seine Erfahrungen und gesammelten Ideen wird da Schio am Ende seiner Radtour in einem Buch zusammenfassen, sodass jeder von den Konzepten zur intermodalen Mobilität in anderen europäischen Städten profitieren kann.

 

 

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