Alternatives Verkehrssystem Speedway

Ein junger Industriedesigner löst mit einem innovativen Konzept das Reichweitenproblem in der Elektromobilität und ganz nebenbei auch noch das der langen Ladezeiten. Eine Idee, die es in sich hat.

Elektromobilität spielt eine Schlüsselrolle auf dem Weg in eine CO2-arme, klimaneutrale Zukunft – sofern der Strom aus Erneuerbaren Energien stammt. Der Pkw-Verkehr ist derzeit für rund 14 Prozent der CO2-Emmissionen verantwortlich. Hier liegt also ein enormes Einsparpotenzial. Gleichwohl vielversprechend bleibt das Reichweitenproblem des Batteriesystems von Elektrofahrzeugen nach wie vor ungelöst. Die Reichweite derzeitiger Modelle liegt zwischen 100 und 200 Kilometern. Das ist wenig im Vergleich zu herkömmlichen Kraftfahrzeugen.

Der Industriedesigner Christian Förg konzipierte im Rahmen seiner Diplomarbeit ein alternatives Verkehrssystem, mit dem das Reichweitenproblem obsolet wird. Auf den ersten Blick scheint die Idee einem futuristischen Science-Fiction-Roman entnommen.

Im Stadt- und im Nahverkehr sollen die E-Mobile über Elektromotoren angetrieben werden. Auf Fernwegen kommt das neuartige Speedway-System zum Einsatz. Der Speedway stellt sich als eine durch einen Linearmotor aufgerüstete Autobahn dar. Die Fahrzeuge klinken sich berührungslos in ein elektromagnetisches Feld auf der Fahrbahn ein, das die Fahrzeuge antreibt und gleichzeitig auflädt.

Linearmotoren sind keine Neuheit und kommen beispielsweise in Magnetschwebebahnen zum Einsatz. Unter der Straße verläuft eine Spule, der sogenannte Stator. Diese bildet den festen Teil des Linearmotors. Ein Speedway-fähiges Fahrzeug verfügt über einen Gegenpart, einen sogenannten Konduktor, der das Auto entlang elektromagnetischer Wellen führt.

Die Vorteile des Konzepts überzeugen: Die Fahrzeuge können dicht an dicht vorwärts bewegt werden, ähnlich wie Eisenbahnwaggons, wodurch sich die Verkehrsleistung der Fahrbahnen erhöht. Da die E-Mobile während der Fahrt aufgeladen werden, entfällt das zeitaufwändige Nachladen an der Steckdose, es werden sozusagen zwei Fliegen gleichzeitig geschlagen. Auch herkömmliche Fahrzeuge können den Speedway nutzen, denn die Linearmotoren befinden sich unter der Autobahn. Es kommt nicht zu Nutzungskonkurrenzen, der Speedway kann wie eine ganz normale Straße genutzt werden.

Förg hat errechnet, dass die Umrüstung einer Autobahn etwa 8,5 Millionen Euro pro Kilometer kosten würde. Der Bau einer herkömmlichen Autobahn kostet in Deutschland zwischen sechs und zwölf Millionen Euro je Kilometer. Eingedenk der ohnehin ständig anstehenden Reparaturarbeiten wäre die Umrüstung demnach ohne größere Probleme machbar.

Die Realisierung des Projekts wurde noch nicht in Angriff genommen, obwohl beispielsweise der VW-Konzern Interesse bekundet hat. Förg wurde für seine innovative Arbeit ausgezeichnet und erhielt die Bestnote.

Video zum Projekt:

Josephin Lehnert

 

 

1 Kommentar

  • Soll der Linearmotor die Seitenführung auch übernehmen? Wenn nein: Wie geht man mit Glatteis, Aquaplaning, Spurrillen, Dreck und Matsch auf der Fahrbahn um? Kann man das einfach ignorieren? Wie wird der Abstand eingehalten? Wie groß soll er sein? Ist er variabel? Kann man im Nullabstand und somit waggonähnlich fahren? Was geschieht bei inhomogenen Straßenverhältnissen? Schleudern die Fahrzeuge oder werden wie vom Linearmotor in die Spur gezwungen? Welche seitlichen Kräfte soll das System aufnehmen können? Wie groß ist der Wirkungsgrad der Energieübertragung? Bekannt ist, dass große Spalte den Wirkungsgrad sehr stark negativ beeinflussen. Die Spalte müssen den Publikationen nach sehr groß werden.

    Beste Grüße
    Christoph Müller
    der mit dem Railtaxi http://www.astrail.de/railtaxibilder.htm und http://www.astrail.de/Uebersicht.pdf