ZuhauseKraftwerke werden auf Biogas umgerüstet

Das ZuhauseKraftwerk von LichtBlick

Im Jahr 2009 präsentierten der in Hamburg ansässige Energieanbieter LichtBlick und der Wolfsburger Autobauer Volkswagen ihre ZuhauseKraftwerke. Immobilienbesitzer und Gewerbetreibende konnten mit Mini-BHKWs in ihren Heizungskellern selbst Strom erzeugen und diesen entweder selbst nutzen, anderen Anwohnern verkaufen oder als SchwarmStrom ins öffentliche Netz verkaufen. Nun gibt es Neuigkeiten von den ZuhauseKraftwerken: LichtBlick hat mit der Umstellung der Anlagen von Erdgas- auf Biogasbetrieb begonnen. Im Laufe dieses Jahres wurden bereits 206 der insgesamt 800 installierten Kraftwerke umgestellt, im Herbst sollen weitere 60 folgen.

Die Biogas-Kraftwerke erzeugen sowohl Wärme als auch Strom und sind vorwiegend in Berlin und Hamburg zu finden. Durch die Abkehr von Erdgas laufen die von Volkswagen hergestellten Blockheizkraftwerke klimaneutral. Biogas ist zwar eigentlich nach wie vor deutlich teurer als Erdgas, aber die 2012 eingeführte Flexibilitäts-Prämie des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes wird der Umstieg trotzdem reizvoll. Die neue Prämie soll in erster Linie das Stromnetz stabilisieren und schafft zu diesem Zweck Anreize, Strom aus Biomasse nachfragegerecht ins Stromnetz einzuspeisen. Im Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz, das für Erdgas-Blockheizkraftwerke gültig ist, fehlt hingegen eine vergleichbare Regelung.

Flexibilität als Wettbewerbsvorteil

Da für die Zukunft weder die Strompreisentwicklung noch eventuelle Änderungen der Förderungen vorhersehbar sind, ist laut Gero Lücking, Direktor Energiewirtschaft bei LichtBlick, ein hoher Grad an Flexibilität ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit von Kraftwerken. Die ZuhauseKraftwerke sind ein großer Schritt in diese Richtung: „Dezentrale und intelligent gesteuerte Systeme wie unsere ZuhauseKraftwerke bieten die größtmögliche Handlungsfreiheit, um auf neue Situationen im Markt oder neue politische Rahmenbedingungen zu reagieren.“ Laut Lücking kann die zentrale Steuerungssoftware jederzeit „den energiewirtschaftlich sinnvollsten Einsatz jedes einzelnen Kraftwerks“ ermitteln und „auf Knopfdruck von einer Betriebsweise und Vermarktungsform in die andere wechseln“.

Lichtblick vermarktet seinen SchwarmStrom bisher erfolgreich im Spot- und Intraday-Handel und bereitet derzeit auch den Einstieg in den Regelenergie-Markt vor. In Zukunft soll außerdem die Nutzung der technischen Optimierungsmöglichkeiten nicht nur für die Besitzer von ZuhauseKraftwerken, sondern auch für die Betreibern dezentraler Kraftwerke und Speicher ermöglicht werden. Laut Lücke werden auch derartige Anlagen durch die „Einbindung in den Strommarkt wirtschaftlicher“. Zusätzlich ergänzen sie „die wetterbedingt schwankende Stromerzeugung aus Wind und Sonne, stabilisieren die Netze – und werden so zu echten Energiewende-Kraftwerken“.

Matthias Schaffer

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