Windkraftanlagen beeinflussen lokale Klimazonen

Der Begriff „Geo-Engineering“ beschreibt Eingriffe in biogeochemische Kreisläufe und wurde bisher oft in Verbindung mit dem Klimawandel oder der Versäuerung der Meere gebraucht. Ziel des Geo-Engineerings ist es dabei, die fortschreitende Entwicklung dieser negativen Umweltphänomene zu stoppen.

Dass Geo-Engineering jetzt auch im Zusammenhang mit der Windkraft gebraucht wird, verwundert auf den ersten Blick. Denn Windkraft stand, wie auch die anderen erneuerbaren Energien,  für Umweltschutz und nicht für Eingriffe in die Kreisläufe der Natur.

Erwärmung in der Nacht und Abkühlung am Tag

Großflächig angelegte Solar-, Biomasse- oder Windkraftanlagen können jedoch sehr wohl in die natürlichen Umweltprozesse um uns herum eingreifen und sie verändern. Wissenschaftler der University of Illinois haben in einer Studie herausgefunden, dass große Windfarmen auch die lokalen Lufttemperaturen verändern.

Die Daten für Ihre Studie bekamen die Wissenschaftler von einer Windkraftanlage in San Gorgonio in Kalifornien, einer Anlage, die aus 23 Meter hohen Turbinen mit 8,5 Meter großen Rotorblättern in 41 Reihen besteht, die jeweils 120 Meter voneinander entfernt sind.  Die Daten wurden bereits 1989 gesammelt, aber erst jetzt ausgewertet.

Die vertikale Verwirbelung der Luft durch die Rotoren führt zu einer Erwärmung in der Nacht und zu einer Abkühlung am Tag. Das kann bei großen Anlagen zu Veränderungen führen, die bedeutsam für die Landwirtschaft sein können. Im Landesinneren können die Winde in der Nacht stärker sein, so dass die Erwärmung stärker ist, am Meer sind die Winde am Tag stärker, so dass hier der Kühlungseffekt stärker ausfällt.

Ein Plädoyer für die Offshore-Windparks

Wenn die Windanlagen in einer Umgebung installiert sind, in der sowieso hohe Turbulenzen herrschen, dürften die Veränderungen vernachlässigbar sein. Wenn wenig Wind beziehungsweise Turbulenz herrscht, üben Windkraftanlagen jedoch durch die von ihnen erzeugten Turbulenzen einen erheblichen Effekt in ihrer Nähe aus. Das kann günstig für die Landwirtschaft sein, wenn die Temperatur in der Nacht nicht so weit zurück geht und so Frost verhindert.

Dieser Einfluss auf das lokale Klima dürfe aber nicht zu groß werden, mahnen die Wissenschaftler. Die Lösung sehen sie darin, die Rotoren so zu gestalten, dass sie weniger Turbulenzen erzeugen. Oder aber große Windanlagen nur dort zu bauen, wo es sowieso von Natur aus hohe Turbulenzen gibt, wie zum Beispiel weit vor den Küsten im offenen Meer.

Daniel Seemann

2 Bemerkungen

  • Das ist ja mal wieder ein schöner Artikel, der journalistisch packend, aber nicht sachlich argumentiert:
    im Mittelteil ist noch von “kann” und “könnte” die Rede, dann sind im Landesinneren die Nachtwinde stärker und tags an der Küste, was dann zu einer allgemeingültigen Gesamtbewertung für Windstandorte verschmolzen wird, was aber für keinen Standort zutrifft.
    Wie groß ist denn der Effekt überhaupt? Eine die Relevanz abschätzende Größenordnung wird nicht aufgezeigt. Warum nicht? Würde das Ergebnis diese These gleich ad absurdum führen?
    Die Schlussfolgerung, dass Standorte mit größeren Turbulenzen den beschriebenen Effekt weniger ausgeprägt zeigen, führt schließlich zu einer Forderung, nur solche turbulenten Standorte zu verplanen, z.B. offshore. Hier haben wir jedoch die kleinsten Turbulenzen im (Roh-)Wind!