Virtuelles Kraftwerk in Berlin gestartet

Start des virtuellen Kraftwerks in Berlin: Hanno Balzer, Leiter des Bereichs Energy Solutions von Vattenfall, Matthias Goebel, Leiter Vertrieb Wohnungsbau Nord von Stiebel Eltron, Dr. Frank May, der Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Europe Wärme AG, Ulrich Prochaska vom SenerTec Center Berlin-Brandenburg, Martin Becker, Geschäftsführer der SES Energiesysteme GmbH (v.l.n.r.)

Die Vattenfall Europe Wärme AG hat gemeinsam mit Partnern in Berlin ein virtuelles Kraftwerk gestartet. Virtuelle Kraftwerke entstehen durch das Zusammenschalten vieler kleiner und dezentraler Energieerzeugungs-Anlagen, die über moderne Informations- und Kommunikationstechnik miteinander zu einem Verbund verknüpft sind und so die Kraftwerksleistung eines Großkraftwerkes erreichen. Das Vorhaben schafft neue Perspektiven für die dezentrale Wärmeversorgung und die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz.

Das Konzept, virtuelle Kraftwerke zu bilden, ist in Deutschland nicht neu. Seit zehn Jahren laufen Pilotprojekte, beispielsweise zur Zusammenschaltung von Photovoltaikanlagen und Windenergieanlagen, um Schwankungen in der Stromversorgung auszugleichen. Doch gab es bislang noch kein System, das die Integration von Wärme zum Ziel hatte. Das neue virtuelle Kraftwerk in Berlin ist in der Lage, sowohl Strom zu produzieren, als auch über Wärmepumpen Strom zu Spitzenzeiten zu verbrauchen.

Das SenerTec Center Berlin-Brandenburg, Vertreiber von Blockheizkraftwerken, die SES Energiesysteme GmbH und der Wärmepumpenhersteller Stiebel Eltron bringen in den neuartigen Verbund zunächst 15 Anlagen ein, die aus Blockheizkraftwerken und Wärmepumpen bestehen. Schon jetzt werden 2.000 Wohneinheiten durch das virtuelle Kraftwerk versorgt, das bis Ende des Jahres bereits auf 50 Anlagen mit einer Leistung von zehn Megawatt anwachsen und dann 6.000 Wohneinheiten versorgen soll. Bis Ende kommenden Jahres könnten es 100.000 Wohneinheiten sein. Gesteuert wird das virtuelle Kraftwerk von der neuen Vattenfall-Wärmeleitwarte aus, die Ende September fertiggestellt wurde. Täglich werden Wind- und Wetterprognosen visualisiert und die Wärmebedarfsprognose und der tägliche Verbrauch wiedergegeben. Steht mehr Strom zur Verfügung, als aktuell benötigt wird, springen die Wärmepumpen an und speichern die Energie in den Warmwasserreservoirs, die mehrere Stunden lang halten. Wird mehr Strom benötigt, liefern die Blockheizkraftwerke mehr Energie und drosseln die Wärmeerzeugung. Innerhalb des Verbundes wird durch eine sternförmige Architektur des Netzes der Datenaustausch im virtuellen Kraftwerk sichergestellt. Ein eigenes Telekom-Funknetz verhindert den Zugriff Dritter von außen.

Die Anlage in Berlin gilt als Pilotprojekt, der Unternehmensverbund will das System aber baldmöglichst auch in anderen Städten ausbauen, zunächst in Hamburg. Theoretisch könnten Anlagen an jedem beliebigen Ort in Deutschland oder der Welt von der Zentrale in Berlin aus gelenkt werden.

Josephin Lehnert

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