Subventionsruine oder vielversprechende Innovation?

Ehrgeizige Ziele hat sich die Stadt Herten in Nordrhein-Westfalen da gesteckt! Mit dem „Blauen Turm“ möchte die ehemalige Bergbaustadt zur Weltstadt in Sachen Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie aufsteigen. Wo in den 80er Jahren gleich drei Pütts rund 23.000 Kumpeln einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellten, in dem täglich 36.000 Tonnen Steinkohle zutage gefördert wurden, so soll mit dem zukunftsweisenden Projekt „Blauer Turm“ ein Strukturwandel in Richtung erneuerbare Energie durch das Ruhrgebiet ziehen.
Geplant ist eine Versorgung von 12.000 Haushalten mit umwelt-freundlichem Strom bis Ende 2009 und eine zusätzliche Wasserstofftankstelle für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge. Hiermit werden ganze 17,8 Millionen Kubikmeter Erdgas und 15.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Der Grundstein für das Demonstrationsprojekt im Ruhrgebiet wurde im Januar endlich gelegt – nach jahrelanger Planung nun die Bewilligung des Förderbescheides in Höhe von 7,1 Millionen Euro. Nachdem bereits im vergangenen Frühjahr dem Erfindertrio des „Blauen Turms“ das Geld ausgegangen war und Streitigkeiten kein Ende nehmen wollten, trat überraschenderweise die Solar Millennium AG mehrheitlich in das Projekt ein. Das Erlangener Unternehmen, welches sich im Bereich großer Parabolrinnenkraftwerke bereits einen Namen gemacht hat, ist überzeugt von der Technologie des „Blauen Turms“ und investiert bereitwillig 17,5 Millionen Euro.

Natürlich nicht zuletzt wegen der guten Kombinationsmöglichkeit beider Anlagentechniken, denn durch das im Turm erzeugte Gas können die Betriebsstunden der solarthermischen Kraftwerke bis in die Nachtstunden ausgebaut werden. Hierdurch eröffnet sich ein ganz neues Geschäftsfeld, mit dem sicherlich ein ordentlicher Gewinn in die Kassen der Solar Millennium AG fließt.

Der „Blaue Turm“, seinen Namen verdankt er seiner geplanten blau schimmernden Außenfassade, steht für den Aufbruch in eine neue Energietechnologie. Direkt neben dem historischen Förderturm auf Zeche Ewald ragt das 42 Meter Monument aus dem Boden und kann nicht nur Strom, sondern auch Wasserstoff produzieren. Das alles ganz umweltfreundlich, denn die Einsatzstoffe zur Wasserstoffproduktion bestehen hauptsächlich aus forstwirtschaftlichen Abfällen und Straßenbegleitgrün, also Stoffe regenerativen Ursprungs.

Das Herzstück der Anlage, der Wärmeträgerkreislauf ist jedoch noch mit einigen Schwachstellen behaftet, die dem reibungslosen Dauerbetrieb der Anlage im Wege stehen. Verantwortlich für dieses Problem ist vor allem der feine Staub, der bei der Zersetzung der Biomasse entsteht und die Funktion wichtiger Anlagenbauteile beeinträchtigt. Eine Reinigung des erzeugten Produktgases ist jedoch bei der vorangegangenen „kleinen Pilotanlage“ noch nicht erprobt worden.

Ob und wie diese Behinderung gelöst werden kann, wird die weitere Entwicklung zeigen, fest steht zumindest, dass es eine Lösung geben muss, denn sonst könnte sich der Bau des „Blauen Turms“ schnell als Flop entpuppen. Schade nicht nur für die dann verschwendeten Fördergelder, auch der geplante Abstecher nach Herten, anlässlich der Welt-Wasserstoffkonferenz in Essen im Jahr 2010, eine peinliche Angelegenheit für die Landesregierung.

Judith Schomaker

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