Speicherwunder Windgas – Greenpeace Energy machts vor

Die neueste Erfindung aus dem Erneuerbare-Energien-Labor heißt Windgas. Das ist ein innovatives und voll ökologisches Gasprodukt, das helfen soll, das Speicherproblem der regenerativen Energien zu lösen. Greenpeace Energy hat das neue Wundergas bereits im Angebot.

Der Begriff macht zunächst stutzig. Wie kann denn aus Wind nur Gas werden? Aus Wind natürlich gar nicht, aber Windenergie kann Gas erzeugen – und dadurch gespeichert werden. Bislang ist das größte Problem der erneuerbaren Energien die ungleichmäßige Bereitstellung. Bläst der Wind zu stark, ist überschüssiger Strom vorhanden, bläst er zu wenig, kommt es zu Versorgungsengpässen. Die Lösung heißt Zwischenspeicherung, aber bislang haperte es an geeigneten Speichermedien. Windgas kann eine Lösung sein. Es ist auch unter dem Namen EE-Gas bekannt, das wir bereits vorgestellt haben und inzwischen kleinmaßstäblich erfolgreich produziert wurde. EE-Gas muss nicht unbedingt aus Windenergie gewonnen werden. Auch andere Energiequellen, beispielsweise Sonnenenergie, sind möglich. Dann spricht man logischerweise von Solargas.

Elektrische Energie lässt sich relativ einfach in Gas umwandeln. Mittels Strom kann man Wasser in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) spalten. Die Reaktion heißt Elektrolyse. Der gewonnene Wasserstoff reagiert in einem zweiten Schritt mit Kohlendioxid (CO2). Ergebnis ist synthetisches Methan (SNG). Das ist nun zwar nichts neues, weder der sogenannte Sabatier-Prozess (nach dessen Erfinder Paul Sabatier) noch SNG. Neu ist jedoch die Überlegung, so gewonnenes Gas in das Erdgasnetz einzuspeisen und für die Umwandlung überschüssige Energie, etwa aus Windkraftanlagen zu nutzen. Zwar ist die Umwandlung mit einem Energieverlust verbunden, das ist aber immer noch besser als ganz auf den Strom zu verzichten. Außerdem kann der zweite Umwandlungsschritt auch weggelassen und reiner Wasserstoff direkt eingespeist werden. Da Wasserstoff jedoch Korrosionen verursacht, ist dies nur zu maximal fünf Volumenprozent möglich und die Methanisierung der idealere Weg.

Dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Systemtechnik (IWES) zufolge – das die Techologie bereits unter Beweis gestellt hat –  könnten konventionelle Kraftwerke ersetzt werden. 170 Terrawattstunden aus erneuerbaren Energien müssten jährlich eingespeist werden, um das zu verwirklichen. Die Kapazitäten dafür seien im Gasnetz vorhanden, das bis zu über 500 Terawattstunden speichern kann. Alle derzeit in Deutschland betriebenen Pumpspeicherkraftwerke speichern zusammen nur 0,6 Terawattstunden. Die Strom-Gasnetz-Kopplung könnte eine gigantische Speicherinfrastruktur schaffen.

Seit Neuestem hat Vorreiter Greenpeace Energy Windgas als „proWindgas“ im Angebot. Dort wird es als ökologisch sinnvolle Alternative zu Biogas angepriesen, da Biogas nicht selten mit Massentierhaltung und Intensivlandwirtschaft verbunden und daher ökologisch nicht zu 100 Prozent unbedenklich ist. Zunächst beginnt die Lieferung mit Erdgas, nach und nach soll dann immer mehr Windgas beigemischt werden. 6,75 Cent kostet die Kilowattstunde, darin enthalten sind 0,4 Cent Förderbeitrag, der in den Ausbau der Windgastechnologie fließt.

Josephin Lehnert

5 Bemerkungen

  • Wie viel “Leerstände” gab es vergangenes Jahr oder in diesem Jahr bei der Erzeugung von Windenergie? Also wie oft mussten Windräder aus dem Wind gedreht werden, weil gerade kein Bedarf an Windstrom war? Und wie wird sich das weiterentwickeln? Gibt es hierzu Zahlen? Mit Windgas hätte man ja die Möglichkeit, diese ungenutzte Energie doch noch zu nutzen.

  • Wie viel “Leerstände” gab es vergangenes Jahr oder in diesem Jahr bei der Erzeugung von Windenergie? Also wie oft mussten Windräder aus dem Wind gedreht werden, weil gerade kein Bedarf an Windstrom war? Und wie wird sich das weiterentwickeln? Gibt es hierzu Zahlen? Mit Windgas hätte man ja die Möglichkeit, diese ungenutzte Energie doch noch zu nutzen.

  • Optimistisch gerechnet, werden PV und Windkraft auch nach massivem Ausbau nur an ~4.000 Jahresstunden genügend Strom bereitstellen können.
    Gleichzeitig werden sich die Jahresstunden mehren, in denen Windkraft und PV Strom im Überschuss liefern.
    An etwa 2.000 Stunden im Jahr scheint in Deutschland die Sonne und produziert ~1.000 Volllast-Stunden/Jahr PV-Strom. Der Wind weht zwar bis zu 8.000 Stunden/Jahr, aber meist so schwach, dass bei Anlagen an Land (onshore) durchschnittlich nur mit etwa 2.000 Volllaststunden gerechnet werden kann.
    Selbst die Windkraftanlagen in den Küstenmeeren (offshore) kommen allenfalls auf 3.500 bis 4.000 Volllaststunden, aber das Jahr hat 8.760 Stunden.
    Auch wenn die Windkraft und der Solarstrom weiter ausgebaut werden, wird es zu vielen Stunden im Jahr an regenerativem Strom fehlen.
    Für das andererseits durch volatile Dargebot aus Windkraft/ PV produzierte nicht nutzbare Übermaß an Strom, bietet sich eine Speicherung in die vorhandene Erdgasinfrastruktur über das Zwischenprodukt Wasserstoff mit sinnvoller Aufarbeitung des Umweltschadstoffes CO² in Form von unbegrenzt mischbarem Methan an:
    Windenergie + 2H²O = 2H² + O² > 4H² + CO² = CH4 + 2H²O
    Alle anderen derzeit diskutierten Speichertechniken (Pumpspeicher, Druckluftkavernenspeicher, Akkus von Elektroautos o.ä.) haben eine um mehrere Dimensionen geringere Speicherkapazität.
    Mit forciertem Ausbau der besonders effizienten Kraft-Wärme-Kopplung am anderen Ende der Erdgasleitung kann das Gas-Methan-Gemisch zu jeder Zeit mit hohem Wirkungsgrad am Bedarfsort in planbar entlastenden Strom + bedarfsgerechte Wärme umgewandelt werden:
    CH4 + 2O² + KWK = entlastender Strom + bedarfsgerechte Wärme + 2H²O + CO²
    Für Umweltverbände, voran das Freiburger Klimaschutzbündnis, ist das ‘Zusammenwachsen’ von Strom- und Gasnetz mit forciertem Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung ein wesentlicher Baustein! Statt planlosem Ausbau, gilt es durch sinnvolle Nutzung nichtplanbarer Erneuerbaren Energien mit einem ökonomisch und ökologisch optimalen Energie-Kreislauf einen sicheren CO²-neutralen Weg ins regenerative Zeitalter einzuschlagen!

  • Optimistisch gerechnet, werden PV und Windkraft auch nach massivem Ausbau nur an ~4.000 Jahresstunden genügend Strom bereitstellen können.
    Gleichzeitig werden sich die Jahresstunden mehren, in denen Windkraft und PV Strom im Überschuss liefern.
    An etwa 2.000 Stunden im Jahr scheint in Deutschland die Sonne und produziert ~1.000 Volllast-Stunden/Jahr PV-Strom. Der Wind weht zwar bis zu 8.000 Stunden/Jahr, aber meist so schwach, dass bei Anlagen an Land (onshore) durchschnittlich nur mit etwa 2.000 Volllaststunden gerechnet werden kann.
    Selbst die Windkraftanlagen in den Küstenmeeren (offshore) kommen allenfalls auf 3.500 bis 4.000 Volllaststunden, aber das Jahr hat 8.760 Stunden.
    Auch wenn die Windkraft und der Solarstrom weiter ausgebaut werden, wird es zu vielen Stunden im Jahr an regenerativem Strom fehlen.
    Für das andererseits durch volatile Dargebot aus Windkraft/ PV produzierte nicht nutzbare Übermaß an Strom, bietet sich eine Speicherung in die vorhandene Erdgasinfrastruktur über das Zwischenprodukt Wasserstoff mit sinnvoller Aufarbeitung des Umweltschadstoffes CO² in Form von unbegrenzt mischbarem Methan an:
    Windenergie + 2H²O = 2H² + O² > 4H² + CO² = CH4 + 2H²O
    Alle anderen derzeit diskutierten Speichertechniken (Pumpspeicher, Druckluftkavernenspeicher, Akkus von Elektroautos o.ä.) haben eine um mehrere Dimensionen geringere Speicherkapazität.
    Mit forciertem Ausbau der besonders effizienten Kraft-Wärme-Kopplung am anderen Ende der Erdgasleitung kann das Gas-Methan-Gemisch zu jeder Zeit mit hohem Wirkungsgrad am Bedarfsort in planbar entlastenden Strom + bedarfsgerechte Wärme umgewandelt werden:
    CH4 + 2O² + KWK = entlastender Strom + bedarfsgerechte Wärme + 2H²O + CO²
    Für Umweltverbände, voran das Freiburger Klimaschutzbündnis, ist das ‘Zusammenwachsen’ von Strom- und Gasnetz mit forciertem Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung ein wesentlicher Baustein! Statt planlosem Ausbau, gilt es durch sinnvolle Nutzung nichtplanbarer Erneuerbaren Energien mit einem ökonomisch und ökologisch optimalen Energie-Kreislauf einen sicheren CO²-neutralen Weg ins regenerative Zeitalter einzuschlagen!

  • ch habe bereits vor über 10 Jahren davon geträumt, einmal den Solar- oder Windstrom zur Wasserstofferzeugung einzusetzen. Das ist der endgültige Abschied vom Atomzeitalter. Die Gasnetzstruktur ist ja bereits schon vorhanden. Statt teuere Stromleitungen quer durch die Republik zu bauen kann man die bereits vorhandenen Gasspeicher sinnvoll nutzen. Bei einem Wirkungsgrad von über 75 % ist das die Lösung, nach der schon lange gesucht wird. Der Einstieg ins Wasserstoffzeitalter wird endlich vollzogen. Das schlechte Image des Wasserstoffes nach dem Absturz der Hindenburg von 1936 kann endlich zurückgelassen werden. Wasserstoff ist der umweltfreundlichste Energieträger. Die Explosionsgefahr ist auch nicht viel größer wie beim Erdgas selbst. Damit wird regenerativer Strom jederzeit speicherbar. Wenn dann die Haushalte auch noch mit Batteriesystemen ausgestattet sind, dann kann auch der regenerativ erzeugte Strom zu jeder Tages- und Nachzeit genutzt werden. Bereits heute wird 1/3 des Windstroms überhaupt nicht in die Netze eingespeist. Konkret heißt dies, dass heute bereits über 25 % des Strombedarfs aus regenerativen Quellen stammt. Ein Traum geht in Erfüllung. Diese Technologie wird im Einklang mit der Natur arbeiten. Neue Gasressourcen wie z.B. das Schiefergas müssen erst gar nicht mit dem sogenannten Fracking mit hohen Schwermetallkonzentrationen herausgelöst werden. Willkommen im Wasserstoffzeitalter – Tschüss Atomkraft – Fukushima gibt es dann nimma !