Siemens präsentiert neuartigen Energiespeicher

Gas-Tankstelle

Der Mangel an adäquaten Speichermöglichkeiten ist eines der noch zu lösenden Hauptprobleme der alternativen Energieversorgung und somit auch der deutschen Energiewende. Leider ist die Bundesrepublik nämlich nicht mit einer Überzahl an Sonnentagen gesegnet und auch die Stromerträge aus Windkraft sind wetterabhängig und deshalb ungeeignet, eine dauerhafte Energieversorgung zu gewährleisten. Der Technologiekonzern Siemens hat nun möglicherweise eine Lösung entwickelt: Es handelt sich dabei um eine Art Wasserstofftankstelle, wo der Strom unterirdisch gespeichert und bei Bedarf „angezapft“ werden kann.

Obwohl bis zur Marktreife des Verfahrens noch einige Probleme zu meistern sind, gibt sich Ralf-Michael Franke, Chef der Siemens-Antriebssparte, gegenüber dem Handelsblatt zuversichtlich: „Wir glauben fest daran, eine wirtschaftlich interessante Lösung gefunden zu haben.“ Das innovative Elektrolyse-Verfahren kann durch elektrischen Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten. Der Wasserstoff wird dann in unterirdischen Kavernen gespeichert und kann bei Bedarf verbrannt werden.

Wasserstofffahrzeuge oder Kraftwerke

Potentiell interessant ist das neue Speicherverfahren beispielsweise für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, die sich allerdings in der Praxis bisher nicht durchsetzen konnten. Das liegt wohl unter anderem daran, dass sich der Treibstoff rasch verflüchtigt und sich dadurch der Tank leert, wenn das Fahrzeug zu lange steht. Nichtsdestotrotz glauben Autohersteller wie Mercedes oder BMW weiterhin an eine große Zukunft des Wasserstoffantriebs und Siemens schließt sich dieser Ansicht nun an. So ist Franke fest davon überzeugt, dass sich der Pioniergeist auf diesem Gebiet auszahlen wird. Bereits in diesem Jahr will der Konzern daher eine erste Test-Tankstelle in Betrieb nehmen, die mit Hilfe der neuen Elektrokatalysatoren direkt vor Ort Wasserstoff herstellen und speichern kann.

Alternativ zur Anwendung in Fahrzeugen könnte der gewonnene Wasserstoff auch in Kraftwerken in Strom umgewandelt werden. Probleme gibt es allerdings auch hier, denn auf dem Weg vom Wasser zum Strom geht etwa die Hälfte der Energie verloren. Laut Franke ist dass allerdings immer noch besser als still stehende Windräder: „Die Alternative ohne solche Verfahren wäre ein Wirkungsgrad null.“

Technologie hat ihren Preis

Derzeit arbeiten die Siemens-Forscher an Demonstrationsanlagen im Containerformat. Diese können eine Kapazität von 0,3 Megawatt aufnehmen und in Millisekunden auf einen starken Anstieg der Stromproduktion zu Spitzenzeiten reagieren. Im Jahr 2015 sollen dann erste kommerzielle Anlagen mit bis zu sechs Megawatt und bis 2018 sogar mit bis zu 100 Megawatt entwickelt werden. Letztere können somit in einer Stunde den durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20 Haushalten speichern.

Derartige Anlagen haben natürlich ihren Preis: Ein Standort mit einer Speicherkapazität von 500.000 Kubikmetern dürfte zwischen zehn und 30 Millionen Euro kosten. Laut Expertenberechnungen wären in Deutschland etwa 400 solche Kavernen nötig, um zehn Prozent des deutschen Jahresverbrauchs an Strom zu produzieren. Hinzu käme noch der Aufbau einer funktionierenden Wasserstoffversorgungs-Infrastruktur, der laut einer Schätzung von McKinsey noch einmal drei Milliarden Euro kosten dürfte.

Die entstehenden Kosten würden wohl in erster Linie die Energieversorger übernehmen. Diese könnten dadurch ihre Windparks effektiver nutzen und müssten für Spitzenlasten weder auf teuren ausländischen Strom, noch auf fossile Kraftwerke zurückgreifen. Ob sie allerdings zu derart hohen Investitionen bereit sind, wird sich zeigen.

Matthias Schaffer

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