Rohstoffe aus Abfall

Die Entsorgung der riesigen Müllberge, die am laufenden Band von der menschlichen Zivilisation hervorgebracht werden, ist eines der größten ungelösten Probleme. Natürlich wird heutzutage bereits recycelt, wo immer das möglich ist, oder durch die Verbrennung von Abfall Energie gewonnen.  Aber gerade in Entwicklungsländern fehlen Geld und Technik für diese Möglichkeiten und somit bleibt Müll einfach Müll.

Auch Thailand gehört diesbezüglich nicht gerade zu den glorreichen Vorbildern, aber genau aus diesem Land kommt Paijit Sangchai, der mit seinem 2007 gegründeten Unternehmen Flexoresearch eine Möglichkeit entdeckt hat, wie bisher nicht recycelbare Abfälle wieder in Rohstoffe umgewandelt werden können.

Hinter der revolutionären Technik stehen Enzyme, die auch aus mehreren Materialien bestehende Verpackungen gezielt in ihre Einzelteile zerlegen und somit eine Weiterverarbeitung möglich machen. So werden bei Milch- oder Zigarettenpackungen zuerst die wasserdichten, chemischen Beschichtungen abgelöst und im nächsten Schritt die Klebstoffe aus dem Papier gelöst. Der übrig bleibende Zellstoff kann dann zur baumschonenden Papierherstellung verwendet werden oder als Baumaterial das hochgiftige Asbest ersetzen. Weitere Rohstoffe, die bei der neuartigen Müllverwertungstechnik abfallen, sind wiederverwendbare Kunststoffe.

Der Mann hinter dieser Erfindung – der Visionär und Technikpionier Paijit Sangchai – wird mit seiner Erfindung wohl massenhaft Geld verdienen, denn schließlich scheint mit den neu entwickelten Enzymen endlich möglich, wovon unzählige Geschäftsmänner seit Ewigkeiten träumen: Aus Abfall Geld zu machen. Laut Paijit Sangchai sind auch tatsächlich unzählige Investoren an einem Einstieg bei Flexoresearch interessiert, vor allem seit das Unternehmen unlängst vom World Economic Forum als Technology Pioneer ausgezeichnet wurde.

Aber der Unternehmensgründer und CEO hat alle Angebote abgelehnt, denn ihm ist es wichtiger weltweit mit anderen Menschen gemeinsam für Umweltschutz zu kämpfen. Ob er das auch so gesehen hätte, wenn die Anfrage zu der Zeit gekommen wäre, als Flexoresearch noch rund 1,5 Millionen Dollar Schulden hatte und sein eigenes Haus der Bank als Sicherheit diente? Ja, ich denke Paijit Sangchai hätte sich auch damals nicht anders entschieden…

Matthias Schaffer

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