Ölgewinnung aus Plastikmüll

Die Sonne versinkt vor Hawaii in einem roten Farbenmeer, ein einzelner Surfer sitzt weit draußen auf seinem Brett. Plötzlich rollt eine Welle heran, der junge Wellenreiter stürzt sich hinein, hält die Balance und fliegt über das Wasser auf den Strand zu.

Doch anstatt elegant aus dem Wasser zu steigen, watet er langsam durch ein Meer aus Plastikteilen, das in den Wellen vor sich hinschwappt. Als seine Augen über den Strand gleiten, erblickt er keine hawaiianischen Schönheiten, die ihm blumenbehängt zuwinken, sondern Plastik, das den Sand bedeckt, soweit das Auge reicht.

 

Plastikabfälle im Ozean

Diese Beschreibung entstammt nicht einem Horrorfilm aus Hollywood, sondern ist auf der für seine Surfmöglichkeiten weltberühmten Inselgruppe mittlerweile zur Realität geworden. Um die Inseln herum fließt der „Eastern Garbage Patch“, ein Wasserwirbel aus Plastikmüllteilen im nordpazifischen Ozean auf einer Fläche so groß wie Texas.

Normalerweise aus Petroleum gemacht, werden geschätzte sieben Prozent der weltweiten jährlichen Ölproduktion dazu verwendet, Plastik zu produzieren. Dies entspricht in etwa der Menge Öl, die der gesamte afrikanische Kontinent in einem Jahr verbraucht. Plastikabfälle gelangen über die Abwassersystem in der ganzen Welt in die Ozeane und kommen an den Stränden rund um den Globus wieder zum Vorschein.

Nun hat Akinori Ito, Vorstandsvorsitzender der Japanischen Firma „Blest Corp.“, eine Maschine entwickelt, die verschiedenste Plastikarten zurück in Öl umwandeln kann. Wird Plastik als Müll verbrannt, setzt dies normalerweise Toxine und ein großes Maß an CO2 frei. Dies wird bei dieser Technik vermieden, bei der aus einem Kilogramm Plastik fast ebensoviel Öl gewonnen wird.

Das Haus ist das Ölfeld der Zukunft

Die Umwandlungstechnik ist sehr sicher, weil sie bei einer Temperatur geschieht, die ohne Flamme auskommt. Die Maschinen sind in der Lage, Polyethylen, Polystyrol und Polypropylen zu verarbeiten. Das Ergebnis ist ein Rohgas, das für Generatoren und Öfen verwendet werden kann und, wenn es verfeinert wird, auch Autos, Boote oder Motorräder antreiben könnte. Wodurch der CO2-Ausstoss natürlich wieder in die Höhe gehen würde.

Die Maschine ist vor allen Dingen für den Hausgebrauch sinnvoll, so der Hersteller, denn: „Das Haus ist das Ölfeld der Zukunft“, so steht es jedenfalls in der Produktbeschreibung. Gegenwärtig kostet die kleinste Version der Maschine ungefähr 9.500 US-Dollar. Eine Lösung für die bevorstehende Energiekrise ist die Technik jedoch nicht, schon gar nicht als Alternative zu den erneuerbaren Energien, bei denen der CO2-Ausstoss gleich Null ist.

Daniel Seemann

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