Öko-Institut widerlegt billigen Atomstrom

Eine Studie, die vom Bundesumwelt-ministerium in Auftrag gegeben wurde, belegt jetzt eindeutig, dass eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken nicht automatisch zu einer Senkung der Strompreise führt.

Das Darmstädter Öko-Institut veröffentlichte in diesem Monat die
entsprechende Studie, die auch die möglichen Nebeneffekte einer
Laufzeitverlängerung betrachtet.

Es wurde festgestellt, dass ein Land wie Frankreich, mit einem hohen
Anteil an Atomstrom (knapp 80 Prozent), ein relativ niedriges Preisniveau hat, wogegen Belgien, mit einem ähnlich großen Anteil, dem Stromkunden erheblich höhere Strompreise abnimmt. Frankreich, im Vergleich mit
Deutschland, zeigt keine nennenswerten Preisunterschiede, obwohl bei uns der Atomstromanteil aber nur knapp 30 Prozent beträgt. Atomstrom ist also nicht automatisch billiger. Andere Faktoren als die
Kraftwerkswirtschaftlichkeit spielen bei der Preisgestaltung demnach eine
höhere Rolle.

Hervorgehoben haben die Wissenschaftler um Dr. Felix Ch. Mattes, dass die Höhe des Strompreisniveaus nicht im direkten Zusammenhang mit den einzelnen Erzeugungskosten steht, sondern abhängig ist von den Kosten, die uneffektive Altanlagen verursachen, wie beispielsweise ein altes Kohlekraftwerk. Die teuersten Anlagen sind der Maßstab für den Marktpreis, an dessen Kosten orientiert man sich. Für alte, abgeschriebene Atomkraftwerke bedeutet es höhere Deckungsbeiträge und vor allem höhere Gewinne für die Unternehmen.

Nicht zu verachten sind in diesem Zusammenhang die Neben- und Folgekosten der Kernenergie. Hauptlastenträger ist die Allgemeinheit und nicht die Unternehmen mit ihren hohen Gewinnen.

Bislang konnten sich die Unternehmen an einem festen Fahrplan für den Ausstieg orientieren. Investitionen in neuere und bessere Anlagen zur Energieerzeugung werden unter Umständen unterbleiben oder zumindest gedämpft. Die Diskussion vom „Ausstieg aus dem Ausstieg“ verunsichert jetzt die Investoren und neue Anlagentechnik bleibt auf der Strecke. Auf längere Sicht kann das sogar zu einer Marktbeherrschung einiger
Großkonzerne, die auf Atomenergie gesetzt haben, führen. Ihr
finanzielles Polster wäre erheblich größer und höhere Erzeugungskosten
könnten sie besser kompensieren, als andere Energieerzeuger. Der Weg zu
diktierten Preisen wäre frei, und das mit Sicherheit nicht zugunsten der
Stromkunden.

Ludger Schomaker

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